Rezessionsängste überschatten G-7-Finanzgipfel

21. Februar 2003, 13:25
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Irak-Krise im Zentrum des Pariser Treffens - Auftritt des US-Finanzministers mit Spannung erwartet

Paris - Die Angst vor einem Einbruch der in weiten Teilen der Welt ohnehin schwachen Wirtschaft durch den drohenden Irak-Krieg überschattet die Beratungen der G-7-Finanzminister und Notenbankchefs an diesem Wochenende in Paris. Unter französischer Präsidentschaft wollen die Delegationen Strategien in der Krise beraten.

Für besondere Spannung sorgt der Auftritt des neuen US- Finanzministers John Snow wegen der Auseinandersetzungen mit Frankreich im Irak-Konflikt. Snow hat bereits angekündigt, dass er die übrigen Mitglieder von der Notwendigkeit überzeugen will, das weltweite Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Bundesfinanzminister Hans Eichel warnte, dass die Irak-Krise und die hohen Ölpreise sich negativ auf die Konjunktur auswirkten.

Deutliche Bremsspuren in der Weltkonjunktur belasten zunehmend die Märkte. Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Francis Mer erklärte am Freitag, dass die Regierung ihr ursprüngliches Wachstumsziel von 2,5 Prozent für das laufende Jahr aufgeben müsse. Führende Ökonomen erwarten nicht mehr als 1,5 Prozent. In Deutschland steht die Wirtschaft nach Einschätzung von Industrie und Handel am Rande der Rezession. Die EU-Kommission schloss im Euroland ein schrumpfendes Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2003 nicht aus.

Noch gehen EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und die europäischen Finanzminister von einem Anziehen der Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte aus, die Unsicherheiten seien aber groß. Dennoch wird nach Informationen von G-7-Teilnehmerstaaten kein Notfallplan vorgestellt. Die Botschaft von Paris werde sein, dass die Finanzminister alles tun wollten, um das Vertrauen der Verbraucher und Investoren in die Wirtschaftsentwicklung zu stärken.

Der G-7-Finanzgipfel sollte ursprünglich Ende Jänner stattfinden, wurde aber verschoben, weil der neue US-Finanzminister Snow noch nicht in seinem Amt bestätigt war. Noch keine Einigung herrscht bei den Gipfelteilnehmer darüber, ob Russland künftig bei den Finanzberatungen voll einbezogen werden soll. Dafür hatte Deutschland plädiert. An diesem Wochenende nimmt Russland nur an einem Teil der Sitzungen teil. Zu den G 7 gehören die USA, Kanada, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien und Japan. Der Gipfel wird offiziell am Samstagvormittag eröffnet und dauert bis zum Abend.(APA/dpa)

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