"You go, girl!"-Feminismus?

27. Februar 2003, 11:32
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Freude kommt bei fürs Fernsehen produzierten Formaten selten auf. Besonders selten bei Day-Time-Series wie auch "Buffy" eine ist. "Buffy" wird grob dem Horror-Genre zugeordnet - wie sich vorallem bei Internetrecherchen zeigt. "Buffy" wird auch dementsprechend beworben, mit Kampf- und "scary" Szenen in den Jingels auf Pro7, der einzige deutsche Sender, der die Rechte für Buffy erworben hat.

Die Idee

Der Creator der Serie ist ein Mann, Joss Whedon. Mag sein, dass sich "seine" Protagonistinnen, en masse gesehen, zu einer einzigen, von seinem persönliche Ideal ausgehend, Hyperkonstruktion ergänzen lassen, sind die Charaktere doch eigentlich standardisiert. Der Screenwriter und TV-Produzent sagte in Interviews, dass die eigentliche Inspiration für "Buffy" aus seiner Leidenschaft für Horrorfilme kam, in denen "bubbleheaded blondes into dark alleys" spaziert sind und allesamt "got murdered by some creature." Whedon wollte Filme machen, in denen die Blonde "wanders into a dark alley, takes care of herself, and deploys her powers" - und das Monster besiegt.

Aus der namenlosen Blonden ist Buffy, Leitfigur und Außenseiterin, geworden.

Der Unterschied

Wie eine Autorin des Time Magazines bemerkt hat, sind Figuren wie Buffy "das Produkt eines Camille-Paglia-Feminismus, der die pragmatische Auffassung vertritt, dass Frauen intelligent und erfolgreich sein können und sich trotzdem weiterhin für Schuhe, die Vogue und natürlich den Charme des anderen Geschlechts begeistern können". In dieselbe Kerbe schlug auch letztens eine Autorin des "Screen"-Magazins, die Protagonistinnen wie den Hexen aus "Charmed" einen großen Einfluß auf die Konstruktion "Frau" in den Köpfen von Mädchen konstatiert.

Buffy wird hier eingereiht in den Produktionsstrom von Serien wie eben "Charmed" eine ist, in denen ebenfalls weibliche Hauptprotagonistinnen ihre Stärken zeigen dürfen. Aber "Charmed" ist weder Vertreterin des platten "you go, girl!"- Feminismus, der Frauen der Ökonomie der Spermien unterwirft: Wenn frau das anabolische Prinzip verstehen lernt und anwenden kann, funktioniert sie. "Girl" Power! - und lassen sich auch nicht in ein Buffyverse einfügen. In "Charmed" wird den Frauen zugestanden, in einer jeher der Weiblichkeit vorbehaltenden Sphäre zu agieren, nämlich im mystischen Zauber der Hexerei. Sie sind Auserwählte, weil sie mit bestimmten inhärenten Fähigkeiten einen "privaten", exklusiven Ort erschliessen können. So sinnlos kämpft frau wie in einem Harem für ihr Recht, doch mehr sein zu können als nur Haremsdame. Mit "weiblichen" Mitteln in "weiblicher" Sphäre handeln, Brust raus, Bauch rein, Mann finden, weiterzaubern.

Keine Feministische Ikone

Buffys Sphäre hingegen ist eine semi-öffentliche (wie auch die der Protagonistinnen von "Dark Angel", "Alias" oder dem Team von "Birds of Prey"). Buffy können diejenigen, die sich engagieren wollen im Kampf gegen die Apokalypse, folgen. Ihre Berufung als Slayer, im Deutschen mit "Jägerin" übersetzt, macht Buffy zu einer Figur, wie sie in dieser Art vor knapp einem Jahrzehnt in amerikanischen Serien noch undenkbar war, im Gegensatz zu den (be)zaubernden weiblichen Entitäten, die auch schon in den 60ern den Bildschirm füllen durften.
(bto)

TV-Tipp: "Buffy - Im Bann der Dämonen" mittwochs 21.15 Uhr (in geschnittener Version) und gegen 2 Uhr (ungeschnitten) auf Pro7.
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    foto: upn
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