Italien: Zehntausende demonstrieren gegen Industriekrise

21. Februar 2003, 12:25
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Landesweiter Generalstreik - Massive Beteiligung in Fiat-Werken

Rom - Zehntausende Personen beteiligten sich am Freitag in Italien an Protestkundgebungen gegen die schwere Krise in der italienischen Industrie. Organisiert wurden die Demonstrationen von Italiens stärkster Gewerkschaftsorganisation Cgil, die am Freitag zu einem vierstündigen Streik in der Industriebranche aufgerufen hatte. In der Metallbranche streikten die Arbeitnehmer acht Stunden lang.

Tausende von Arbeitnehmern des krisengeschüttelten Autokonzerns Fiat beteiligten sich an einer Großkundgebung in Turin. Nach Angaben der Gewerkschaft Fiom streikten über 80 Prozent der Arbeitnehmer der Fiat-Werke und der am Autokonzern gebundenen Zulieferindustrie.

Cgil-Chef Guglielmo Epifani, der sich an einer Demonstration in der mittelitalienischen Stadt Pescara beteiligte, kritisierte die wirtschaftliche Linie der Regierung Berlusconi, die für Italien keine Strategie gegen den industriellen Niedergang ausgearbeitet habe. Epifani warnte vor dem Produktionsrückgang in der italienischen Industrie, der nach Angaben des nationalen Statistikamt Istat 2,2 Prozent beträgt.

Der Streik richtet sich auch gegen das sogenannte "Weißbuch" der Regierung, das ein Maßnahmenpaket zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes enthält. "Die Regierung will nur prekäre Arbeitsplätze schaffen, auf denen man keinen Wohlstand aufbauen kann", so Epifani.

Die Protestaktion wurde von Industrieminister Antonio Marzano kritisiert. "Unser Industriesystem erlebt keine Krise, sondern eine tiefgreifende Umwandlungsphase. Das produktive Netz ist vital, obwohl einige Großbetriebe bekanntlich gegen Probleme zu kämpfen haben. Die Regierung arbeitet zur Behebung der infrastrukturellen Hindernisse, die in den letzten Jahren Italiens Wirtschaftswachstum gebremst haben", sagte der Minister. (APA)

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