Chronologie: Musharrafs Niedergang

18. August 2008, 11:31
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Mit willkürlichem Vorgehen zur Knebelung des Obersten Gerichtshofs brachte Ex-Putschist die Bevölkerung gegen sich auf

Islamabad - Der unaufhaltsame Niedergang von Pakistans Staatschef Pervez Musharraf, der am Montag nach neunjähriger Machtausübung seinen Rücktritt erklärt hat, um einem Amtsenthebungsverfahren zuvorzukommen, begann vor eineinhalb Jahren:

  • 9. März 2007: Musharraf suspendiert den Obersten Richter Iftikhar Chaudhry. Es kommt zu Massenprotesten. Musharrafs Popularitätswerte sinken deutlich, während die Demokratiebewegung erstarkt.
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  • 10. Juli: Nach einwöchiger Belagerung der Roten Moschee in Islamabad durch Islamisten gibt Musharraf den Truppen den Befehl, das Heiligtum zu stürmen. Mindestens 105 Menschen sterben bei dem Einsatz. Es folgt eine ganze Reihe von Anschlägen und Selbstmordattentaten.
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  • 20. Juli: Das Verfassungsgericht setzt Chaudhry wieder in sein Amt ein und widersetzt sich damit Musharraf, dessen Autorität beschädigt ist.
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  • 27. Juli: Musharraf trifft offenbar auf Wunsch der US-Regierung die exilierte frühere Regierungschefin Bhutto in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate), um darüber zu beraten, wie das Land in Richtung Demokratie geführt werden könne. Bhutto, Vorsitzende der Pakistanischen Volkspartei, stellt Bedingungen. Dazu zählt, dass Musharraf als Armeechef zurücktritt. Die Gespräche enden ohne Ergebnis.

     

  • 10. September: Nawaz Sharif, der von Musharraf gestürzte frühere Regierungschef und Konkurrent Bhuttos, kehrt nach mehreren Jahren im Exil zurück, wird aber am Flughafen in Islamabad festgenommen und wenig später nach Saudi-Arabien abgeschoben. Das Oberste Gericht hatte seine Rückkehr für rechtmäßig erklärt.
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  • 2. Oktober: Musharraf lässt die Korruptionsvorwürfe gegen Bhutto per Dekret annullieren und macht damit den Weg für die Heimkehr der PPP-Chefin frei.
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  • 6. Oktober: Musharraf wird von einem - von der Opposition boykottierten - Elektorenkollegium, bestehend aus dem Bundesparlament und den Provinzparlamenten, als Präsident wiedergewählt. Er ist dabei noch Armeechef. Die Wahl wird deshalb vor dem Obersten Gericht angefochten.
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  • 19. Oktober: Annähernd 150 Menschen werden getötet, als in Karachi ein Selbstmordanschlag auf Bhutto verübt wird, den sie selbst überlebt.
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  • 3. November: Musharraf verhängt den Ausnahmezustand und setzt die Verfassung außer Kraft. Chaudhry wird neuerlich abgesetzt, zusammen mit ihm weitere Mitglieder des Obersten Gerichts. Zahlreiche Oppositionspolitiker werden festgenommen oder unter Hausarrest gestellt.
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  • 5. November: In mehreren Großstädten werden Proteste niederschlagen.
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  • 9. November: Bhutto wird vorübergehend unter Hausarrest gestellt. Sicherheitskräfte verhindern angekündigte Proteste in Rawalpindi.
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  • 22. November: Das Commonwealth setzt Pakistans Mitgliedschaft aus.
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  • 25. November: Ex-Premier Nawaz Sharif kehrt nach sieben Jahren im Exil zurück.
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  • 28. November: Musharraf tritt als Armeechef zurück.
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  • 29. November: Musharraf wird als Präsident vereidigt.
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  • 15. Dezember: Aufhebung des Ausnahmezustands
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  • 27. Dezember: Benazir Bhutto wird ermordet.
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  • 18. Februar 2008: Aus den Parlamentswahlen geht die Pakistanische Volkspartei (PPP) von Bhutto als stärkste Kraft hervor. Zu ihrem Programm gehört die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Musharraf.
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  • 24. März 2008: Der PPP-Politiker Yousaf Raza Gilani wird Ministerpräsident einer Koalitionsregierung.
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  • 18. August: Musharraf erklärt seinen Rücktritt. (APA/Reuters)

 

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