Marcello Lippi wieder am Ruder

18. August 2008, 10:47
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Im Test zwischen Italien und Österreich kommt es zu einem doppelten Teamchef-Einstand - Taktik-Fuchs Lippi gibt sein Comeback

Berlin  - Im Fußball-Testspiel zwischen Italien und Österreich am Mittwoch (20.45 Uhr/live ORF1) in Nizza kommt es zu einem doppelten Teamchef-Einstand. Während Karel Brückner erstmals auf der ÖFB-Trainerbank Platz nimmt, gibt Marcello Lippi sein Comeback als Nationalcoach des regierenden Weltmeisters. Der 60-Jährige, der nach dem WM-Triumph 2006 den Hut nahm, trat die Nachfolge des nach dem Viertelfinal-Out bei der EURO 2008 entlassenen Roberto Donadoni an.

Mit dem Titelgewinn in Deutschland vor zwei Jahren hat sich Lippi, der mit den Italienern bei diesem Turnier aufgrund eines 2:0-Gruppensieges das Aus der von Brückner betreuten Tschechen besiegelte, in seiner Heimat ein Denkmal für die Ewigkeit gesetzt. "Das ist das Allergrößte, das übertrifft alle meine anderen Titel bei weitem - und ich hatte ja vorher immerhin schon mit Juventus die Champions League gewonnen", hatte der Toskaner nach dem finalen Elferkrimi betont, in dem sich seine "Squadra" 5:3 gegen Frankreich durchsetzte.

Dieser Erfolg katapultierte Lippi auf eine Stufe mit seinem großen Vorbild Enzo Bearzot, der Italien 1982 zum dritten WM-Titel geführt hatte. Der Brillenträger mit der weißen Haarpracht hatte sich aber schon vor der erfolgreichen Endrunde in Deutschland einen Namen gemacht. Keine andere Equipe prägte das Bild der Serie A Mitte der 1990er Jahre so sehr wie der von Lippi betreute Rekordmeister Juventus Turin.

Taktik-Genie

Dem Taktik-Genie mit seinen unerbittlichen Trainingsmethoden war niemand gewachsen. Lippi entging nichts, er trieb sein Team ohne Rücksicht auf Verluste an. Fabrizio Ravanelli beispielsweise, ein an sich nicht übermäßig talentierter Stürmer, verdoppelte seine Torausbeute unter der Leitung des Perfektionisten aus Viareggio. Diese Strategie der unerbittlichen Kalkulation zahlte sich aus. Während seines ersten Engagements in Turin gewann Lippi nicht nur dreimal die Serie A (1995, 1997, 1998), sondern 1996 auch die Champions League.

Bis zu seinem Rücktritt im Februar 1999 führte Lippi die "Bianconeri" zwei weitere Male (1997 und 1998) ins Endspiel des weltweit wichtigsten Club-Bewerbes. Einen Rückschlag erlitt der wegen seiner für italienische Verhältnisse fast stoischen Gelassenheit geschätzte "Mister" in Mailand. Sein 14-monatiges "Inter-Mezzo" endete für den Erfolgsverwöhnten mit der Entlassung und war zugleich der Anfang seines Turiner Comebacks mit zwei weiteren Titeln (2002, 2003).

2004 trat Lippi in Turin ein zweites Mal zurück. Der Weg zum Posten des "Comissario Tecnico" war frei. Im Nationalteam fand er als Nachfolger von Ex-Salzburg-Trainer Giovanni Trapattoni einen Scherbenhaufen vor - oder, wie es Alessandro del Piero unmittelbar nach dem Vorrunden-Out bei der EM in Portugal formulierte, eine Mannschaft, "in der jeder gegen jeden schießt".

Erstes Debüt ging in die Hose

Lippi war daher mit seinem kompromisslosen Stil genau der richtige Mann, um die "Squadra Azzurra" wieder auf Vordermann zu bringen. Er setzte Akzente ohne Rücksicht auf große Namen. Beim katastrophalen Debüt auf Island (0:2) verzichtete er auf den "Prinzen" Del Piero, stattdessen spielte erstmals Luca Toni. "Er ist nicht in Form. Deshalb fehlt er im Aufgebot", begründete der Welt-Clubtrainer der Jahre 1996 und 1998 seine vor zwei Jahren unpopuläre Maßnahme.

Del Piero und mit ihm auch die anderen Kicker-Diven begriffen die Botschaft des früheren Liberos von Sampdoria Genua (1962 bis 1979) und akzeptierten seine Entscheidungen in der Folge ohne Wenn und Aber. Nicht umsonst war Italien bei seinem Abgang im Sommer 2006 in 25 Partien en suite ungeschlagen. Sogar ihr Elfer-Trauma bei WM-Endrunden legten die "Azzurri" im Endspiel in Berlin ab. Lippi, dessen Sohn Davide eine Verwicklung in den italienischen Manipulationsskandal vorgeworfen wurde, machte wieder einmal alles richtig.

Nun ist der Trainer-Star zurück im Amt und sprüht vor Selbstvertrauen. "Es wird schwer, aber ich glaube daran: Wir gewinnen wieder die WM", sagte Lippi, der gegen Österreich unter anderem auf Kapitän Fabio Cannavaro, sowie Luca Toni und Marco Materazzi verzichten muss. (APA)

  • Das erste Debüt von Marcello Lippi endete mit einer Niederlage gegen Island.
    foto: epa/ferrari

    Das erste Debüt von Marcello Lippi endete mit einer Niederlage gegen Island.

  • Lippi verdrieb sich in der teamcheflosen Phase die Zeit mit Fischen.
    foto: epa/silvi

    Lippi verdrieb sich in der teamcheflosen Phase die Zeit mit Fischen.

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