USA: Kampf um religiöse WählerInnen entbrannt

18. August 2008, 10:23
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Obama und McCain "beichteten" beim Pfarrer der Nation: Demokrat sprach von seinem Drogen- und Alkoholkonsum - McCain wetterte gegen Abtreibung

Lake Forest - Die US-Präsidentschaftsbewerber Barack Obama und John McCain haben sich bei ihrem ersten gemeinsamen Wahlkampfauftritt zu christlichen Werten bekannt. Bei einer Veranstaltung konservativer ChristInnen in der kalifornischen "Mega-Kirche" Saddleback Church warben sie am Samstag um die Stimmen religiöser WählerInnen. Dabei befragte der einflussreiche evangelikale Prediger Rick Warren Obama und McCain auch zu kontroversen Themen wie etwa Abtreibung und Stammzellforschung.

Obama für Abtreibunsrecht

Der Demokrat Obama erklärte bei der Veranstaltung in Lake Forest, er unterstütze das Recht einer Frau auf Abtreibung, wenngleich er sich für eine Reduzierung der Zahl der Abtreibungen einsetzen wolle. "Ich unterstütze Abtreibungen, weil ich nicht glaube, dass Frauen, die abtreiben, dies leichtfertig tun", warb der Demokrat um Verständnis für seine unter konservativen Christen äußerst umstrittene Einstellung. Dagegen sprach sich der Republikaner McCain einmal mehr gegen Abtreibungen aus. Obama wollte sich auch nicht festlegen, ab wann ein Embryo Menschenrechte habe. Diese Frage aus theologischer oder wissenschaftlicher Sicht zu beantworten, übersteige seine Fähigkeiten, sagte der 46-jährige Senator. McCain antwortete dagegen ohne zu zögern, dass Embryonen "ab dem Moment der Empfängnis" Menschenrechte besäßen.

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften

Auch in der Frage der gleichgeschlechtlichen Ehe gingen die Positionen der beiden Kontrahenten auseinander. Die Ehe ist seiner Ansicht nach ein Bund zwischen Mann und Frau, sagte Obama. Dennoch unterstütze er nicht kirchlich geschlossene Verbindungen zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren. McCain lehnte die "Homo-Ehe" hingegen strikt ab.

Gescheiterte Ehe und Alkoholmißbrauch

Auf die Frage, was sein größter moralischer Fehler gewesen sei, nannte McCain das Scheitern seiner ersten Ehe. Obama hingegen bezeichnete Erfahrungen mit Drogen und Alkohol in seiner Jugend als seine schlimmste Verfehlung. Obama und McCain traten bei der Veranstaltung nicht direkt gegeneinander an, sondern trafen nur kurz zwischen ihren jeweiligen Auftritten aufeinander. Befragt nach der größten moralischen Verfehlung der USA äußerten sie sich ähnlich. Obama kritisierte, dass sich die USA immer noch nicht an den Grundsatz Jesu Christi "Was Ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt Ihr mir getan" hielten. McCain prangerte an, "dass wir uns nicht größeren Dingen gewidmet haben als unseren eigenen Interessen".

Nach seinem persönlichen Glauben befragt, antwortete Obama: "Ich glaube, dass Jesus Christus für meine Sünden gestorben ist." McCain erzählte eine Geschichte aus seiner Kriegsgefangenschaft in Vietnam, als ein Mithäftling am Weihnachtstag ein Kreuz in den Erdboden geritzt habe. "Eine Minute lang saßen dann da einfach nur zwei Christen beisammen und beteten. Ich werde das nie vergessen."

Probleme mit religiösen WählerInnen

Beide Präsidentschaftsbewerber haben Schwierigkeiten, die Unterstützung religiöser WählerInnen zu gewinnen. So hat McCain mit seinem Eintreten für die Stammzellforschung sowie mit unverblümter Kritik an führenden Evangelikalen konservative Anhänger der Bewegung vor den Kopf gestoßen. Obama musste sich dagegen von einem umstrittenen Pastor distanzieren, dessen Gemeinde er früher angehörte und der in seinen Predigten gegen das von den Weißen dominierte Amerika hetzte. Zudem sah sich Obama wiederholt gezwungen, Gerüchte zurückzuweisen, wonach er Muslim sein soll.

Religion spielt trotz der traditionellen Trennung von Kirche und Staat eine große Rolle in der US-Politik. Rund ein Viertel der erwachsenen US-BürgerInnen sind Evangelikale. In der Vergangenheit haben sie überwiegend die Republikaner gewählt. Sie lehnen Abtreibung und mehr Rechte für Homosexuelle ab und unterstützen traditionelle Familienwerte. Bei der Wahl 2004 votierten knapp 80 Prozent der Evangelikalen für Präsident George W. Bush, der nicht mehr antreten darf. Im heurigen Wahlkampf ist die religiöse Bewegung allerdings stärker zersplittert. Einer Umfrage vom Juni zufolge sprachen sich 61 Prozent der weißen evangelikalen Protestanten für McCain und 24 Prozent für Obama aus.

Bei der Höhe der Wahlkampfspenden hat hingegen Obama weiter die Nase vorn. Mit 51 Millionen Dollar (rund 35 Millionen Euro) nahm er nach Angaben seines Wahlkampfteams vom Samstag im Juli fast doppelt soviel ein wie McCain, der auf 27 Millionen Dollar (rund 18 Millionen Euro) kam. Es wird erwartet, dass beide Bewerber in Kürze ihre Kandidaten für die Vizepräsidentschaft benennen. (APA/Reuters/AFP)

 

 

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    Die Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain trafen einander am Samstag bei dem evangelikalen Pastor Rick Warren der Saddleback-Kirche in Lake Forrest in Kalifornien. Obama hat sich in der gleichen Sendung zum Abtreibungsrecht bekannt:

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