Über den Körper ins Unbewusste

18. August 2008, 10:17
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Das wesentliche Paradigma der Körperpsychotherapie ist die Einheit von Körper und Seele

Die Körperpsychotherapie (KPT) orientiert sich an den Erkenntnissen des Freud-Schülers Wilhelm Reich (1897-1957) und seiner Widerstands- und Charakteranalyse. Sigmund Freud hatte den Widerstand, die psychische Abwehr entdeckt, die verhindert, dass unliebsame Informationen ins Bewusstsein kommen. Reich sah Verdrängung nicht nur als psychischen, sondern auch als körperlichen Prozess direkt mit dem Muskeltonus verbunden. Die Unterdrückung von Handlungs- und Triebimpulsen erfolge mit Muskelverspannungen und Anhalten oder Abflachen des Atems. Chronifizierte Abwehrvorgänge wiederum bilden laut Reich Charakterhaltungen heraus, die bestimmte Körperhaltungen zur Folge haben. Über die Entspannung, und Lockerung der körperlichen Abwehr, würden Affekt (Gefühl) und Erinnerung frei und damit aussprechbar.

Einheit von Körper und Seele

Das wesentliche Paradigma der Körperpsychotherapie ist die Einheit von Körper und Seele. Die körperliche Dimension ist in der Therapie der psychischen gleichwertig. Das Gespräch und die therapeutische Beziehung bleiben zwar zentrale Elemente der KPT, berücksichtigt werden aber auch Bewegung, Haltung, Körperwahrnehmung, Atmung, Stimme. Die KPT interveniert je nach Bedarf auf der seelischen oder körperlichen Ebene. Dabei werden in der Vielzahl von Schulen (54 sind in Europa registriert) unterschiedliche Techniken angewandt, die Bewegung, Haltung, Atmung, Achtsamkeit und "Grounding" als gemeinsame Basis haben. Je nach Schule ist auch taktile Berührung ein Teil der Therapie.

Vordenker der modernen Körperpsychotherapie haben Reichs Ideen weiterentwickelt: die Begründerin der biodynamischen Körperpsychotherapie, Gerda Boyesen (gestorben 2005), die Zusämmenhänge von Psyche und Verdauung erkannte, der Reich-Schüler Alexander Lowen (Bioenergetik, bioenergetische Analyse), David Boadella (Biosynthese) und Ron Kurtz (Hakomi). (jub)

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