Sprache und Zeichen des Körpers lesbar machen

18. August 2008, 10:13
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Curriculum soll Ärztinnen und Ärzten ganzheitlichen Zugang zu Kranken ermöglichen

Studien, wie eine in der Schweiz und Deutschland durchgeführte Multizenterstudie, belegen die Wirksamkeit der Körperpsychotherapie. Angst, Depression, andere psychopathologische Symptome, interpersonelle Probleme, körperliche Beschwerden erfuhren, laut der 2006 durchgeführten Untersuchung, bereits nach sechs Monaten ambulanter körperpsychotherapeutischer Therapien signifikante Besserung. Die Studie ist ein Trumpf in den Händen der Körperpsychotherapeuten, wurde ihnen doch lange von der evidenzbasierten Medizin die wissenschaftliche Anerkennung verweigert.

Das ist mit ein Grund, warum die Körperpsychotherapie von den Krankenkassen nicht finanziert wird. Die AABP, die österreichische wissenschaftliche Vereinigung für körperorientierte Psychotherapie, in der die einzelnen Schulen erstmals zusammenarbeiten, macht nun einen Anlauf und stellt den Antrag auf Anerkennung.

In Österreich sind folgende Richtungen vertreten: biodynamische Körperpsychotherapie, Bioenergetik, bioenergetische Analyse, Biosynthese, Hakomi, charakteranalytische Vegetotherapie, analytische körperbezogene Psychotherapie, die Emotionale Reintegration und Radix.

Den Körper verstehen lernen

Ärztinnen und Ärzte sind immer öfter mit Menschen konfrontiert, die über Schmerzzustände klagen, für die keine organischen Ursachen zu finden sind. Ob Rücken- oder Kopfschmerzen, unergründliches Bauchweh, vermeintliche Herzattacken - körperliche Beschwerden können Ausdruck für verdrängte Gefühle sein, Reaktionen auf traumatische Erlebnisse oder negativen Stress. Die Grunderkenntnis, dass jede psychische Störung, jedes psychische Phänomen den Körper beeinflusst und prägt, möchte die AABP mit einem Curriculum an Ärztinnen und Ärzte weitergeben.

Das erste von sechs Modulen des Curriculums "Körperpsychotherapie und Medizin" startet im Jänner 2009. Der Lehrgang richtet sich, so die Psychotherapeuten Felix Hohenau, Elfriede Kastenberger, Renate Malek und Eva Wagner-Margetich, an "Ärztinnen und Ärzte, die ihre Sichtweise und ihr diagnostisches Spektrum um einen ganzheitlichen Zugang zum kranken Menschen erweitern wollen".

Ärztinnen und Ärzte erfahren von der Therapeutengruppe durch erlebnisorientiertes Lernen, wie Gefühle und physiologische Reaktionen des Körpers zusammenhängen. So interpretiert die Körperpsychotherapie etwa chronische Muskelverspannungen oder bestimmte Atemmuster, die das Vegetativum beeinflussen, als lebensgeschichtlich sinnvolle Funktion, die zur Unterdrückung unliebsamer Affekte dient. Das Erkennen der biografischen Zusammenhänge und das Verstehen der nonverbalen Botschaften verbessert nach Meinung der Körperpsychotherapie die Kommunikation zwischen Arzt und Patient und beeinflusse den Krankheits- und Heilungsverlauf positiv. (jub, DER STANDARD, Printausgabe, 18.8.2008)

Tipp

Info-Veranstaltung am 20. November.

Anmeldung und Informationen: mail@aabp.at oder Tel. (02252) 818 11, 0676/911 71 70

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    Ärzte sollen Körper und Seele gemeinsam verstehen lernen

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