Vorstand wird nicht entlastet

18. August 2008, 17:56
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Dem im Jänner vorzeitig verabschiedeten Chef Johannes Elsner und Noch-Vertriebschef Peter Löschl wird von Großaktionär Rudolf Fries das Misstrauen ausgesprochen

Wien - Die Krise des Kremser Autozulieferers Eybl hat weitere Konsequenzen. Die für das Geschäftsjahr 2007/08 verantwortlichen Vorstandsmitglieder Johannes Elsner und Peter Löschl werden nicht entlastet. Diese in börsennotierten Aktiengesellschaften ungewöhnliche Maßnahme wird Großaktionär Rudolf Fries der heute, Dienstag, stattfindenden Hauptversammlung vorschlagen.

Staatsanwalt ermittelt

Hintergrund dafür sind wohl auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Krems, die unter anderem wegen Bilanzmanipulation (unzulässige Vorfakturierungen) untersucht.
Der als Sanierer geholte Eybl-Vorstand Johannes Elsner hatte im Jänner überraschend das Unternehmen verlassen, kurz danach traf bei der Staatsanwaltschaft Krems eine Anzeige wegen Bilanzfälschung ein. Löschl hingegen ist weiterhin Vertriebschef.

Die Ermittlungen in der Causa (Aktenzahl 5St 33/08 k) laufen noch, allerdings liegt der Staatsanwaltschaft bereits ein Zwischenbericht vor, sagte Staatsanwalt Friedrich Kutschera dem Standard. Man habe zur Frage der Bilanzfälschung ein Gutachten in Auftrag gegeben, das in rund sechs Wochen vorliegen sollte, so Kutschera. Es würden aber "auch andere Dinge" untersucht, erklärte er die weiteren Ermittlungen. Welche, sagte er nicht.

"Fit für die Zukunft"

Als "bestens aufgestellt und fit für die Zukunft" sieht sich inzwischen die unlängst vor dem Konkurs gerettete Eybl. Das Unternehmen, das das Geschäftsjahr 2007/08 mit einem Verlust von 45,9 Millionen Euro (bei einem Umsatz von 294 Mio. Euro und einer Eigenkapitalquote von 2,7 Prozent) abschloss, versprüht in einer Aussendung Optimismus.

Der Sanierungsplan zeige bereits erste Erfolge, die Eigenkapitalquote werde zum 30. September bei 40 Prozent liegen und Eybl fährt laut Neo-Vorstandschef Otto Zwanzigleitner wieder einen Wachstumskurs. Die "3x3" getaufte, neue Geschäftsstrategie solle zusätzliche Absatzmärkte erschließen. Stellt Eybl Sitzbezüge, Innenbekleidungen und Lenkräderbezügen derzeit nur für Autos her, so sollen diese Produkte zukünftig auch für Busse, Lkw, Bahnen und Flugzeuge angeboten werden.

Nach dem im Juni beschlossenen Sanierungspaket wird es in der Hauptversammlung allerdings zunächst eine Kapitalherabsetzung von 26,16 auf 3,6 Mio. Euro "zur Abdeckung eines sonst auszuweisenden Bilanzverlustes" geben mit anschließender Erhöhung des herabgesetzten Grundkapitals um 10,8 Mio. Euro.

Bilanzstichtag wird verlegt

Die jungen Aktien mit einem Ausgabebetrag von drei Euro je Aktie werden laut HV-Tagesordnung von der Erste Bank mit der Verpflichtung übernommen, sie den Aktionären im Rahmen des Bezugsrechts zu Originalkonditionen anzubieten. Die Summe entspricht dem von Eybl-Großaktionär Fries zugesagten Sanierungsbeitrag von 32,4 Millionen Euro - er wird das Paket auch zeichnen. Im Streubesitz stehen dann laut Fries nur mehr acht Prozent. Banken und Anleihegläubiger hatten im Zuge des stillen Ausgleichs auf rund 30 Mio. Euro verzichtet.
"Zur möglichst raschen Dokumentation der sanierten Konzernbilanz" wird Eybl den Bilanzstichtag vom 31. März auf den 30. September verlegen.

Im ersten Quartal 2008 (also von 1. April bis 30. Juni) weist Eybl bei Umsätzen von 82,4 Mio. Euro ein Betiebsergebnis von minus 1,4 Mio. Euro und einen Periodenverlust von 3,9 Mio. Euro aus.

Durch die Verwertung von Vermögensteilen will Eybl laut Sanierungsplan 20 Mio. Euro erlösen, davon 13 Mio. durch den Verkauf nicht betriebsnotwendiger Immobilien in Ungarn. (Luise Ungerboeck, Gabriele Kolar, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.8.2008)

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