In der Falle der Abzock-Cops

18. August 2008, 09:17
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Als K. andere Autofahrer warnte, betrachteten die Beamten das angeblich als geschäftsschädigend

Es war schon vor längerer Zeit. Genauer: Im Mai. Aber irgendwie geriet K.s Schreiben in einen dieser Möbiusschleifenartigen Mailfilterkreisläufe - und wurde also erst Mitte August zugestellt. Das ist seltsam - kommt aber vor. Und weil weder K.s noch meine IT-Experten in solchen Fällen den Fehler in der eigenen Serverlandschaft ausmachen können wollen und das Problem als am anderen Ende der Datenleitung liegen müsse, ist es müßig, darüber zu sinnieren, wieso derlei immer wieder mal vorkommt: Möbiusschleifenmails sind eins Art Gottesurteil - und als ich K. dann vergangene Woche schrieb, dass sein Mail nun endlich eingetroffen sei, dauerte es auch gerade einmal eine Minute, bis K. zurück geschrieben hatte.

Aber darum soll es hier gar nicht gehen. Denn an dem, was K. da im Mai ärgerte, bestätigte er mir, habe sich seines Wissens nichts geändert. Und seine Eingaben von damals, schrieb er, hätten irgendwie auch nix gebracht: Die Bezirksvorsteherin habe erklärt, die Maßnahme sei keineswegs ein Gefallen für einen prominenten Anrainer. Und: sie stamme nicht von ihr sondern aus dem Rathaus. SP-Bezirkspolitiker behaupteten exakt das Gegenteil. Die Stadt-SPÖ wiederum berief sich auf viele glückliche Anrainer. Aber irgendwie, ließ K. anklingen, habe er das Gefühl, dass sich alle, die ihm antwortete, um den Kern seiner Beschwerde herumschummelten. Denn auch von der Polizei, erklärte K. habe er seit jenem Abend nichts mehr gehört: Weder sei da eine Anzeige bei ihm eingetrudelt. Noch habe sich jemand ernsthaft mit seinem "Abzocke"-Vorwurf beschäftigt.

Worum es geht?

Aber um zu verstehen, was K. da im Mai so geärgert hatte, ist es vermutlich sinnvoll, ihn einfach selbst reden zu lassen. Und zwar durch jenes Mail, das er am 17. Mai gegen Mittag an eine ziemlich lange Empfängerliste geschickt hat.

K.s Mail

"Die Gonzagagasse im 1. Bezirk darf in der Zeit von 21 bis 5 Uhr zwischen Werdertorgasse und Rudolfsplatz in Richtung Rudolfsplatz nicht befahren werden. Allerdings sind die entsprechenden Verkehrszeichen sowohl in der Gonzagagasse als auch insbesondere in der Werdertorgasse in der Dunkelheit kaum sichtbar, und so passiert es, daß jede Nacht sicherlich hunderte Fahrzeuge trotz Verbots diesen Teil der Gonzagagasse befahren."

"Das scheint auch die Polizei mitbekommen zu haben, die mit einem Großaufgebot am Rudolfsplatz wartet, um von jedem Fahrzeuglenker 21 Euro zu kassieren. Das ist natürlich die Abzocke pur. Abgesehen vom weiteren Imageschaden für die Polizei und von den Reaktionen der Renitenz gegenüber dem Staat, die ein solches Verhalten seitens der Polizei zweifellos selbst bei den staatstreuesten Bürgern auszulösen geeignet ist, muß man sich wirklich fragen, ob ein solcher Einsatz von Polizeikräften angesichts der zunehmenden Kriminalität in der Stadt wirklich optimal und vertretbar ist."

Personalknappheit

"Auch kann man die ständigen Klagen der Polizei über ihre Personalnot angesichts solcher Prioritätensetzung nicht mehr ernst nehmen. Will man wirklich die Nachtruhe des prominenten Politikers, der dort wohnt und angeblich das nächtliche Fahrverbot veranlasst hat, wirklich schützen, wäre es wirtschaftlicher, an der Ecke Werdertorgasse/Gonzagagasse (vor dem AERA) einen einzigen Beamten zu postieren, der die Autofahrer an die StVO erinnert - statt am Rudolfsplatz acht Mann hinzustellen, die Strafmandate am Fließband ausstellen."

"Außerdem wäre es wohl vernünftiger und nachhaltiger, die Verkehrszeichen anders aufzustellen oder zu beleuchten. Denn daß die Autofahrer reihenweise in diese "Falle" fahren, beweist ja, daß es wohl in erster Linie an der mangelhaften Beschilderung liegen muß und nicht nur an den Autofahrern!"

Geschäftsstörung

"Daß es aber der Polizei offenbar nur um Geldbeschaffung geht, beweist auch - was ich am skandalösesten und ärgerlichsten finde - folgende Episode: Als ich nach Bezahlung der Strafe meine Freizeit opferte (an einem Freitagabend hat man wahrlich besseres zu tun), um andere Fahrzeuglenker auf das Fahrverbot hinzuweisen, betrachteten die Polizisten dies offenbar als massive Geschäftsstörung. Zwei von ihnen kamen extra vom Rudolfsplatz zum AERA, um mich wegzuscheuchen."

"Sie behaupteten, ich hätte durch lautes Schreien Lärm erregt und die Verkehrssicherheit gefährdet, weil ich angeblich vor die Autos auf die Straße gesprungen sei (beides traf überhaupt nicht zu). Meine Personalien wurden aufgenommen, und ich werde wohl eine Anzeige wegen entsprechender Verwaltungsübertretungen bekommen - statt daß mir die Polizei für meinen Bürgersinn und meinen freiwilligen und ehrenamtlichen Einsatz zur Verhinderung von Übertretungen der Straßenverkehrsordnung gedankt hätte!"

"Es ist schon eine verkehrte Welt. Ich ließ mich jedenfalls nicht einschüchtern und blieb noch eine halbe Stunde an der Straßenecke stehen. Es gelang mir, mindestens zwanzig Fahrzeuglenker rechtzeitig zu warnen, die sonst in diese Polizeifalle gefahren wären - einige Fahrzeuglenker ignorierten allerdings mein Winken und meine Zeichen und mußten dafür zahlen." (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 18. August 2008)


 

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