Einhundertsiebente Etappe, Chamonix - La Flegere

18. August 2008, 09:30
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Die "Swisscom-Geschichte" geht weiter. Das Nervenkostüm von Martin Prinz wird dünner. Der Grund dafür sind die Handynetze

... Herr R. hörte sich meine Geschichte an und sagte mir dann, dass er sie angesichts der unter meiner Nummer notierten Angaben ohnedies bereits kenne. Helfen könne er mir leider nicht, denn Fax von der Post in Scuol sei keines angekommen, und ohne Fax sei er machtlos. Ob ich nicht noch einmal zur Post in Scuol gehen wolle. Gehen, er hatte, so steht es in meinem Notizbuch, "gehen" gesagt. Nein, antwortete ich ihm, das wolle ich nicht, denn von dort komme ich ja und sei bereits in San Bernadino. Mehr sagte ich ihm nicht, denn eine Debatte über Gehen oder Nicht-Gehen war angesichts dessen, dass die Swisscom zwar Geld von mir kassiert hatte, doch Probleme mit ihren Vertriebspartnern auf ihre Kunden schob, nicht wirklich zielführend. Stattdessen erklärte ich ihm, für meinen Teil mit dem Ausfüllen des Formulars und der Bezahlung alles getan zu haben und nun die Swisscom an der Reihe sei, denn ob und wie die Zusammenarbeit mit einer Verkaufsstelle wie der Post in Scuol funktioniere, könne nicht mein Problem sein. Herr R. antwortete, seines auch nicht - wobei er sich, da er gleich wieder von der Swisscom sprach, vermutlich nicht persönlich meinte. So ging es hin und her. Herr R. war völlig ruhig, vermutlich auch innerlich. Im Gegensatz zu mir, und ich war es jetzt auch äußerlich nicht mehr.

Also, sagte ich zu dem Mann im Telefon, jetzt sagen Sie mir bitte noch einmal ihren Namen. Denn natürlich hatte ich seine Schweizerdeutsche Namensnennung am Beginn unseres Gesprächs nicht verstanden. So wie ich mich überhaupt weigere, diesen zur Pseudo-Sprache aufgeblähten Dialekt in offiziellen Zusammenhängen zu verstehen, wie etwa in den Schweizer Fernseh- oder Radionachrichten, in der Tourist-Office oder am Bahn-Schalter. Denn Dialekt ist doch etwas Persönliches und Regionales, und wirkt auf dümmliche Weise chauvinistisch, wenn er wie in der deutschsprachigen Schweiz verwendet wird. - Womit auch dies gesagt wäre...


Man sieht sie nicht und doch sind sie da. Die Grenzen der Netze. Foto: Martin Prinz
 

Doch zurück zu Herrn R., der mir seinen Namen daraufhin nur um eine Spur verständlicher sagte, weshalb es mir erst recht reichte. - Herr R., so begann ich, nachdem wir seinen auf Hochdeutsch alles andere als komplizierten Namen buchstabiert hatten, jetzt sage ich Ihnen einmal etwas: Ich bin jetzt fünf Monate durch die Alpen unterwegs. Und das einzige wirklich spürbare Relikt der alten nationalen Grenzen, sind die Netze der nationalen Mobilfunkanbieter, weshalb das nicht nur in dem 2010 in einem großen deutschen Verlag erscheinenden Buch dieser Reise ein wesentliches Thema sein wird, sondern auch in einer der nächsten Geschichten für eine österreichische Tageszeitung. Und wenn Sie weiter meinen, ich solle zur Post in Scuol zurückgehen, dann werden Sie darin mit Ihrem Namen eine schöne Rolle spielen. - Herr R. begann zu jammern, immerhin aber sprach er nun langsam Hochdeutsch. Nur tun könne er nichts, das könne höchstens ein Vorgesetzter, und jetzt sei gerade keiner da. Leider, leider, er verstehe mich ja, doch ich müsse ihn auch verstehen.

Ich blieb jedoch hart, und es gefiel mir so gut, dass ich meine Drohung, mit Buch und Zeitung gleich wiederholte. Zu oft ist man gegen diese Telefonheinis und ihre glatte, unbekümmerte Freundlichkeit ohnedies nur chancenlos. Herr R. durfte jetzt büßen. Und er tat es gut, so sehr jammerte er. Solange, bis er zumindest zu dem Zugeständnis bereit war, wie seine Kollegin bei der Post in Scuol wenigstens anzurufen. Denn mehr könne er wirklich nicht tun. Ja ja, meinte ich, hatte einstweilen genug und beendete das Gespräch.

Kaum fünf Minuten später, vermutlich hatte er meinen Namen in der Zwischenzeit gegoogelt, um den Wahrheitsgehalt meiner Drohungen herauszufinden, war er wieder da und hatte sogar bereits einen Chef gefunden, der die Sache in Scuol persönlich in die Hand nehmen werde. Das verlautbarte er mir natürlich in klarstem Hochdeutsch. Und morgen würde ich persönlich über das Ergebnis informiert werden... (Martin Prinz)

(Fortsetzung folgt)

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