China leidet mit Hürden-Star Liu Xiang

18. August 2008, 06:59
  • Artikelbild
    foto: ap/phillip

    Die Schmerzen von Chinas Hürden-Star Liu Xiang schmerzen das ganze Land.

  • Artikelbild
    foto: epa/breloer

    Nicht körperliche, sondern emotionale Schmerzen verspürte der Coach von Liu Xiang.

  • Artikelbild
    foto: ap/baker

    Nach dem Aus gab es auf den Rängen jede Menge Tränen.

Wegen Verletzung musste Chinas populärster Sportler seinen Traum von der erfolgreichen Titelverteidigung schon vor dem Vorlauf über 110 m aufgeben

Peking  - Liu Xiangs großer Traum, Olympia-Gold von Athen in der Heimat erfolgreich zu verteidigen, hat am Montag ein jähes Ende gefunden. Der Weltmeister und Olympiasieger gab nach einem Fehlstart schon vor dem Vorlauf über 110 m Hürden verletzt auf. Laut Angaben seines Trainers Sun Haiping laboriert Liu an einer Achillessehnenentzündung und einer Oberschenkelverletzung. Schon in der Vorbereitung war der 25-Jährige von gesundheitlichen Problemen zurückgeworfen worden.

Die Enttäuschung der chinesischen Fans im Nationalstadion war fast ebenso groß wie jene von Liu, der gemeinsam mit Basketballer Yao Ming das größte Sportidol Chinas darstellt. Der Hürden-Star hatte als größte Hoffnung der Chinesen auf Leichtathletik-Gold gegolten. Der Olympiasieg von Athen 2004 war der erste eines männlichen chinesischen Leichtathleten gewesen, hatte aber auch den Druck auf Lius Schultern ins Unermessliche wachsen lassen.

Bestverdienende Sportler Chinas

Liu ist mit etwa fünf Millionen Euro der bestverdienende Sportler Chinas. Seit Wochen hatte das 1,3-Milliarden-Einwohner-Volk dem Hürden-Finale entgegengefiebert, dort ist nun der kubanische Weltrekordler Dayron Robles der ganz große Favorit. Denn auch der Olympia-Zweite von Athen, der US-Amerikaner Terrence Trammell überstand die erste Runde nicht. Der 29-Jährige erlitt im Vorlauf einen Muskelfaserriss im Oberschenkel. Ein kleines Drama - überstrahlt vom großen um Liu Xiang.

Der Athlet aus Shanghai war das gesamte Olympia-Jahr über von Verletzungen geplagt worden. Seit 24. Mai, der Eröffnung des "Vogelnest"-Stadions in Peking, hat Liu kein Rennen mehr bestritten. Auf Adduktoren- folgten Oberschenkelprobleme und schließlich schmerzte die Achillessehne. "Er hat zwei Verletzungen, eine an seinem Fuß und eine an seinem Bein", erklärte sein Coach und Mentor Haiping. "Eine davon ist eine schleichende Verletzung. Er würde niemals leichtfertig aufgeben. Das hat er noch nie gemacht."

Liu humpelte aus dem Stadion

Schon vor dem Start hatten die unzähligen Kameras den Star mit schmerzverzerrtem Gesicht eingefangen. Liu stand dann zwar in den Startblöcken. Nachdem der Franzose Samuel Coco-Viloin einen Fehlstart fabriziert hatte, humpelte der Chinese aus dem Stadion. Danach saß der 25-Jährige umringt von unzähligen verzweifelten Offiziellen enttäuscht in einer Ecke. Auch zahlreiche der 91.000 Zuschauer im Stadion vermochten ihre Tränen nicht zurückzuhalten. Entscheidend für die Aufgabe von Liu Xiang war ein Problem am Ansatz der Achillessehne am Fersenbein. Der Hürden-Star schlägt sich bereits seit Jahren mit dieser Verletzung an seinem Sprungbein herum. "Das Problem ist sechs oder sieben Jahre alt. Es kommt und geht. Aber ich befürchte, dass er das ganze Jahr keine Rennen mehr wird laufen können", erklärte sein Trainer Sun Haiping unter Tränen in einer Pressekonferenz. Auch sein Schützling sei "sehr traurig und deprimiert", weil er ein Kämpfer sei.

"Liu würde niemals aufgeben, wenn der Schmerz nicht unerträglich wäre. Diesmal gab es keinen anderen Weg", versicherte auch Chinas Leichtathletik-Cheftrainer Feng Shuyong. Erst am Samstag war das Problem neuerlich aufgetreten. "Bis dahin war alles in Ordnung. Die Ärzte haben ihn behandelt, sind aber nicht davon ausgegangen, dass es so schlimm sein würde", sagte Feng. "Heute Morgen ist der Schmerz stärker geworden, dennoch hat er alles versucht. Ich hoffe, dass die Menschen in China das verstehen."

Eine Operation sei laut ersten Informationen nicht notwendig. "Die Untersuchungen haben kein Problem am Knochen ergeben", sagte Feng. Dass der Superstar am Druck der Öffentlichkeit zerbrochen sei, wollte im chinesischen Team niemand eingestehen. Auch nicht, dass die anhaltenden Achillessehnenprobleme eine Folge von Überbelastung seien. Dabei hatte selbst Lius Mutter Ju Fenhua, die täglich mit ihrem Sohn telefoniert, Bedenken geäußert, dass dieser zu viel trainiert. Jahrelang hatte sich Liu akribisch auf den Tag X vorbereitet, um seine Landsleute nicht zu enttäuschen. Sein Körper war dem Programm nicht gewachsen.

Bolt im 200 Meter Vorlauf verhalten

In den anderen Vorkämpfen hatten sich die Favoriten problemlos durchgesetzt. 100-Meter-Olympiasieger Usain Bolt zog über 200 Meter locker in 20,64 Sekunden in die zweite Runde ein. Der 21-jährige Jamaikaner erzielte damit zwar nur die 17. Zeit, schien für seine Verhältnisse aber nur zu traben. Über 100 Meter hatte der neue Sprint-Superstar in 9,69 Sekunden neuen Weltrekord erzielt, obwohl er 20 Meter vor dem Ziel abgestellt hatte.

Bolt kommt ursprünglich von den 200 Metern, seine Bestzeit steht seit Juli bei 19,67 Sekunden. In den ersten Peking-Vorläufen war Brian Dzingai aus Simbabwe in 20,25 der Schnellste. Über 400 m gab sich Favorit Jeremy Wariner keine Blöße. Der 24-jährige US-Amerikaner qualifizierte sich als 15. in 45,23 souverän für das Halbfinale, die beste Zeit markierte Christopher Brown von den Bahamas in 44,79. Wariner will in Peking nicht nur Olympia-Gold von Athen verteidigen, sondern auch den Weltrekord seines Landsmannes Michael Johnson (43,18) angreifen. (APA/AFP/Reuters/dpa)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 53
1 2
Massi mo
00
19.8.2008, 09:51

Verdammt nochmal,warum sind es immer nur die Sportler die nicht aus Deutschland und Östereich stammen die hier als Dopingmonster hingestellt werden.Warum nehmen überhaupt Sportler aus Deutschland und Östereich an diesen scheinbar doch so unsauberen Spielen teil.Diese beiden Länder sollten doch einfach Spiele unter sich veranstalten wenn sie den anderen nicht trauen.

di`Luca
00
19.8.2008, 12:13
torino olymp. winterspiele

war da nicht mal was mit österreichischem blutdoping vor nicht all zu langer zeit ?

azgio
30
19.8.2008, 09:41
Klar, dass sie sich ärgern...

...sind doch viele chinesische Goldmedaillen in Pimperl-Sportarten zustande gekommen, in denen die Leistungsdichte, nun ja, überschaubar ist. Bei den absolut attraktiven Sportarten haben sie nix zu melden. Und das wissen sie auch, trotz Tausender Medaillen, die sie hier gewinnen werden.

Captain Smoker
00
19.8.2008, 23:28

Nennen Sie doch bitte ein paar Beispiele.

azgio
00
20.8.2008, 09:03

Ich sag nur: Gewichtheben Damen, diverse Schießereien

Captain Smoker
00
20.8.2008, 10:46

Aha, und weil Sie das so bestimmen, sind das "Pimperl-Sportarten"? In vielen Ländern sind Gewichtheben und Schießen (in den Disziplinen hat China übrigens gar nicht so extrem viele Goldene geholt) wichtige Sportarten.

Joerg A.
00
19.8.2008, 19:11

"[...]in Pimperl-Sportarten zustande gekommen, in denen die Leistungsdichte, nun ja, überschaubar ist." Und obwohl das Pimperl-Sportarten sind, können Sie das beurteilen? Was sind überhaupt Pimperl-Sportarten? Die, in denen "wir" nicht gewinnen?

azgio
00
20.8.2008, 09:10

Geh bitte, das hat gar nix damit zu tun, wo "wir" gewinnen oder abbeißen. Das is mir völlig wurscht. Pimperl-Sportarten sind Randsportarten, die von relativ wenigen Menschen leistungssportmäßig ausgeübt werden - Gewichtheben Damen, Schießereien z.B. Ich sag mal, da is es ungleich leichter, Gold zu gewinnen, als z.B. beim Schwimmen oder in der Leichtathletik.

Dante Alighieri
00
22.8.2008, 00:02

Wenns nach dem geht können Sie allerdings bis auf einige wenige Mannschaftssportarten ALLE Sportarten vergessen. Auch beim Laufen oder Schwimmen gibts weltweit nur seeehr wenige Leistungssportler.

-rar
10
19.8.2008, 08:38
Wahrlich eine Tragödie

Als ich gestern meinen Fernseher eingeschaltet und die Bilder von geschockten Moderatorinnen mit Tränen in den Augen, schreiende und weinende Fans in und vor dem Stadion gesehen habe, dachte ich erst, dass es einen Anschlag gegeben hat. Oder vielleicht hat sich ein Sportler verletzt und ist gestorben. Gibt es vielleicht Krieg in Georgien oder hat ein Tropensturm mehrere Menschen in den Tod gerissen?
Nein. Es ist viel schlimmer. Liu Xiang hat aufgeben müssen und China hat keine 40ste Goldmedallie bekommen :-(

gib ma dei hand luise
01
19.8.2008, 09:50

für die chinesen ist das halt so, als ob franz klammer 1976 in innsbruck nicht hätte starten können.

Kai Kaiser
01
19.8.2008, 12:59

Vor 2 Jahren als die Deutschen gegen Italien bei der Heim-WM ausgeschieden sind,was war da für ein Haufen Elend.Oder 94 ITA vs BRA im Elfmeterschiessen.
So ist es halt in jedem Land,wenn eine ganze Nation aus allen Träumen gerissen wird.

aenema_lateralis
 
10
19.8.2008, 08:24
ob man..

den je wieder sehen wird?
wird vermutlich in der versenkung verschwinden.

Kai Kaiser
00
19.8.2008, 03:30
Das ist ja lächerlich!!

GERADE in der Leichathletik bewirkt das Doping Wunder,genauso wie im Schwimmen und Radfahren.Und da sind die Chinesen echte Nieten.
China dominiert in den Sportarten Tischtennis,Badminton,Wasserspringen,Judo und Schiessen,da hilft das Dopen so gut wie gar nix.Oder kann mir bitte jemand sagen,was ein Tischtennisspieler nehmen soll,um eine entscheidende Leistungssteigerung zu erreichen?

systemfehler1
00
19.8.2008, 06:25
...oder eine chinesische

Geichtheberin?

Kai Kaiser
00
19.8.2008, 12:35
Doping nötig?

Die internationale Konkurrenz ist ja kaum vorhanden,es gibt auf dieser Erde kaum ein anderes Land,das sich mit solchen Randsportarten beschäftigt.Die Chinesinnen tranieren ohnehin viel mehr und viel härter als die wenigen anderen.Glaubst du tatsächlich dass die das Doping nötig haben?Also wenn ich dope,dann versuche ich möglichst nicht aufzufallen.Wieso sollte ich mehr und noch mehr Gewicht darauf legen lassen,bis alle sagen,dass bei der Überlegenheit ein gedopter Athlet am Werk gewesen sein muss?

Tong P
10
19.8.2008, 10:43
Gewichtheberin?

Da möchte ich die Geschlechtskontrolle sehen! Wahrscheinlich nur der Z... nach hinten gebunden.

systemfehler1
00
19.8.2008, 06:25
Schon mal eine chinesische

Ringerin gesehen?

Madame Coluche
30
18.8.2008, 21:26
39 goldene, aber keine einzige in der leichtathletik

sondern nur eine mickrig bronzene ! wahres sportliches können lässt sich halt nicht dopen.

Captain Smoker
00
19.8.2008, 23:26

Ja genau. Bekanntlich herrscht in der LA ja nur sportliches Können und nicht Doping...

Joerg A.
00
19.8.2008, 19:31

Stimmt, die Turner beispielsweise haben ganz bestimmt kein "wahres sportliches Können". Was ist eigentlich "wahres sportliches Können"?

Ryuken
03
18.8.2008, 22:19

Sportliches Können wie zum Beispiel 100 Meter gerade laufen?

Roger Sturm
00
18.8.2008, 21:02


Da sieht mans wieder.
Zuviel von diesem Dopingzeugs ist einfach nicht gesund.

tschinderassa bumm
12
18.8.2008, 18:38
was ist da los?

das ist aber ein Drama! 12jährige Kinder haben sie schnell vor Olympia noch zu 16jährigen Mädls gemacht, ein paar andere chinesische Sportler dürften auch auf ganz wundersame Weise rechtzeitig Weltklasse geworden sein und gegen Verletzungen haben sie kein Mittelchen? ;-)

der große Satan
00
18.8.2008, 20:44
ach

vielleicht ist Herr Xiang gar nicht verletzt, sondern tauscht eine solche Verletzung (mittels schauspielerischer Begabung) vor, um nach einem verlorenem Finallauf gegen Robles nicht an den naechsten Baum geknuepft zu werden. Immerhin is er Zeiten gelaufen, die fuer Asiaten als unmoeglich galten und somit Chinas Sportstar Nummer 1 geworden. 1,3 M ChinesenInnen wollen Xiang dann gwinnen sehen und wenn er meint er schaffts net, is wohl es Beste er is verletzt, denn Zweiter. Und gedopt isser sicher, nur wer is das nicht...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 53
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.