Mehr als 158.000 Flüchtlinge laut UNO

19. August 2008, 08:51
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Rotkreuz-Konvoi auf dem Weg in die südossetische Hauptstadt Zchinwali

Genf - Der bewaffnete Konflikt zwischen Moskau und Tiflis um die abtrünnige georgische Region Südossetien hat nach UNO-Angaben mehr als 158.000 Menschen in die Flucht getrieben. In Georgien selbst gebe es mehr als 98.000 und in Südossetien 30.000 Vertriebene, teilte das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) am Sonntag in Genf mit. Weitere 30.000 Menschen seien nach Russland geflüchtet.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat Zugang zu dem von Georgien abtrünnigen Krisengebiet Südossetien erhalten. Ein Konvoi sei auf dem Weg in die Hauptstadt Zchinwali, sagte IKRK-Präsident Jakob Kellenberger in Genf nach seiner Rückkehr aus dem Kaukasus. Die sieben Delegierten und zehn lokalen Mitarbeiter würden sich an Ort und Stelle über die humanitäre Lage informieren.

Plünderungen

Am Sonntag hatte ein Hilfskonvoi der Vereinten Nationen  die georgische Stadt Gori erreicht. In der Stadt gebe es Anzeichen massiver Plünderungen, teilte das Büro des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge in Genf mit. "Während es so aussieht, als ob die Gebäude nicht sehr stark beschädigt sind, gibt es klare Anzeichen für massive Plünderungen sowohl in Geschäften als auch in privaten Haushalten", hieß es in der Mitteilung. Die Stadt mache einen verlassenen Eindruck. Lediglich 50 bis 60 Menschen hätten im Zentrum ausgeharrt und auf Unterstützung gewartet.

Weitere Hilfe nicht sicher

Russische Truppen hätten noch in der Früh die Zufahrt nach Gori blockiert, berichtete das UNHCR. Ob die UNO in den nächsten Tagen weitere Hilfe nach Gori bringen dürfe, sei offen. UNHCR-Mitarbeiter berichteten zudem von "deutlichen Anzeichen von massiven Plünderungen" in Gori.

Zu 15.000 weiteren Vertriebenen in Westgeorgien konnten die Helfer bisher nicht vordringen. Eine Eisenbahnbrücke rund 35 Kilometer westlich von Tiflis sei am Samstag gesprengt worden, die wichtigsten Zufahrtstraßen seien blockiert. Die Bedürftigen könnten deshalb nur aus der Luft versorgt werden. Das UNHCR will am Montag die ersten Hilfsflüge in die westgeorgische Küstenstadt Batumi starten.

UNO ruft zu Hilfszahlungen auf

Die Vereinten Nationen haben indessen zu Hilfszahlungen für die Flüchtlinge im Kaukasus aufgerufen. Die Organisation appellierte an die Weltgemeinschaft, in den kommenden sechs Monaten 58,6 Millionen Dollar (39,9 Millionen Euro) für Sofortmaßnahmen zur Verfügung zu stellen. Neun UNO-Organisationen, darunter das Flüchtlingshochkommissariat UNHCR, sowie 16 Nicht-Regierungsorganisationen sollten die Hilfsmaßnahmen übernehmen.

Wie das OCHA-Büro weiter mitteilte, ist die Versorgung der Flüchtlinge weiterhin schwierig. Die Menschen seien schwer zu erreichen, hieß es. Die USA schickten unterdessen fünf weitere Hilfsflüge in die Region. Am Wochenende seien fünf Flugzeuge mit Schlafsäcken, Decken, Verbandmaterial und Erste-Hilfe-Sets an Bord in Tiflis gelandet, teilte ein Sprecher des Außenamts mit. Insgesamt hätten die Vereinigten Staaten bisher 4,2 Millionen Dollar für 14 Hilfsflüge zur Verfügung gestellt. Der demokratische Senator Joseph Biden sagte nach einer Reise nach Georgien, er wolle sich im US-Kongress für Hilfszahlungen in Höhe von einer Milliarde Dollar einsetzen. (APA/Reuters)

 

 

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