Ölpreis als "Joker" für Börsen

17. August 2008, 19:12
posten

Die Lage auf den Ölmärkten hat sich zuletzt deutlich entspannt. Die geopolitische Lage könnte in dieser Woche eine weitere Senkung der Preise auslösen

Wien/New York - Die Ölpreise haben in der vergangenen Woche stark nachgegeben, auch für diese Woche wird eine weitere Entspannung erwartet - zumal der bewaffnete Konflikt zwischen Russland und dem wichtigen Pipeline-Transitland Georgien auch demnächst entschärft werden dürfte.

Tropensturm

Die Märkte blicken aber auch auf den Tropensturm "Fay", der in Haiti vier Tote gefordert hatte und sich über Kuba auf den Golf von Mexiko zubewegt. Der Shell-Konzern hat eine Ölplattform bereits räumen lassen. Allerdings dürfte das Zentrum des Sturms in Florida auf Land treffen, also weit weg von den wichtigsten Öl- und Gasförderfeldern der Vereinigten Staaten.

Hauptgrund für den fallenden Ölpreis dürften aber die Konjunktursorgen in den westlichen Industrieländern sein. Sollten dort die Nachfrage nach Gütern und damit auch die Transportleistungen sinken, werden auch die Industrien in den Schwellenländern betroffen sein, was die Ölnachfrage nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren wachsen lassen wird.

Konjunkturausblick in den Vordergrund

Für die Aktienmärkte könnte sich der sinkende Ölpreis trotz allem zumindest in der nächsten Zeit als "Joker" erweisen: Da die Zahl der Quartalsberichte von Firmen langsam abebbt, dürfte der düstere Konjunkturausblick in den Vordergrund rücken. Der Ölpreis ist seit dem Rekordstand im Juli von fast 150 Dollar je Fass um mehr als 20 Prozent gefallen. Am vergangenen Freitag fiel der Preis für ein Barrel US-Rohöl auf ein Dreimonatstief unter die Marke von 114 Dollar. Die Inflationssorgen würden dadurch wieder mehr zerstreut. Auch der stärker werdende Dollar könnte die Aktienkurse exportorientierter Firmen stützen sowie in den USA Konjunkturanreize bilden, glauben Experten.

Bankenfachleute weisen jedoch darauf hin, dass die von den USA ausgehende Kreditkrise alles andere als vorbei sei. Zuletzt hatte wie berichtet die US-Investmentbank JP Morgan Chase Abschreibungen in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar ausweisen müssen. (Reuters, szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.8.2008)

 

Share if you care.