Produktion von Süßwasserfisch soll stark erhöht werden

17. August 2008, 18:24
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Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus ist die heimische Fischerei nicht besonders bedeutend. Da das Potenzial für heimischen Fisch aber groß ist, soll sich dies ändern

Wien - Das österreichische Produktionspotenzial von Süßwasserfischen wird bei Weitem nicht ausgenutzt, so eine Untersuchung. Der Bedarf an Forellen, Karpfen und Saiblingen übertrifft bereits das Angebot. Nun soll, auch mithilfe von EU-Agrarförderungen, die Produktion ausgeweitet und die biologische Fischzucht forciert werden. Zwischen 2007 und 2013 betragen die gesamten Förderungen (EU und nationale Beteiligung) rund zehn Millionen Euro.

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"Das Potenzial wäre riesig", sagt Helmut Eder, zuständiger Experte in der Landwirtschaftskammer im Hinblick auf die österreichische Fischereiwirtschaft. Es gibt genügend reines Wasser, intakte Gewässer-Ökosysteme und eine steigende Nachfrage nach Süßwasserfisch, und zwar aus mehreren Gründen: Er ist gesund, und unter den Stichworten Überfischung der Meere sowie kurze Transportwege wird auch beim Fisch vermehrt auf Regionalität gesetzt.

Trotzdem ist Österreich stark importabhängig. Einer Eigenproduktion von rund 3600 Tonnen stehen Importe von Fischen, Krebsen und Weichtieren von 55.500 Tonnen gegenüber. Nach dem letzten Grünen Bericht ist der Selbstversorgungsgrad von geringen sieben auf noch magerere fünf Prozent zurückgegangen.

Im Rahmen der EU-Agrarförderungen werden deshalb auch Investitionen in Aquakulturproduktionen und Umstellungen von konventioneller in biologische Fischbewirtschaftung gefördert. Doch sind die Mittel, die da bewegt werden, im Vergleich zu den Förderungen in die Landwirtschaft gering. Ganze zehn Millionen Euro stehen zwischen 2007 und 2013 zur Verfügung, wie der Transparenzdatenbank zu entnehmen ist.

Wasserrecht

Potenzielle Investoren würden häufig abgeschreckt, weil es eine Fülle von Regelungen gebe, erklärt Eder. Die für Wasserrecht zuständigen Länder geben Bewilligungen nur für drei bis fünf Jahre her. "Investitionen brauchen aber Planungssicherheit über einen längeren Zeitraum", sagt Eder resignierend. "Ein Haus zu bauen ist leichter als eine Fischzucht." So sei die Forellenzucht in Österreich nur stabil, die Nachfrage aber steige, und die Möglichkeiten, diese Nachfrage zu befriedigen, wären grundsätzlich auch da.

Insbesondere der Bau von neuen Anlagen würde aufgrund vieler, laut Eder einander teilweise widersprechender Vorgaben oftmals hintangestellt. In einer Analyse der Situation vom Jahresanfang, erstellt vom Lebensministerium, wird die Notwendigkeit angesprochen, Aquakulturanlagen zu forcieren, wobei besonders umweltschonende, weil wenig Wasser verbrauchende Kreislaufanlagen bevorzugt werden sollen.

Es bewegt sich etwas

Dennoch bewegt sich einiges in der Branche, wie Thomas Kainz von der Interessenvertretung Teichwirtschaft betont. So habe man es etwa geschafft, den Karpfen, den zweitwichtigsten heimischen Speisefisch, aus dem schlechten Imageeck herauszuholen. Mittlerweile sind etwa 550 Hektar, ein Fünftel der Karpfenteichfläche, Bioproduktion. Auch wurde viel an Vermarktung, die derzeit noch in erster Linie Direktverkauf ist, investiert. An einer Studie, die den Karpfen als Diätspeise positioniert, werde gearbeitet.

Das Potenzial von Fisch als Umsatzträger erkannt haben auch die Österreichischen Bundesforste (ÖBf), Besitzer einer ganzen Reihe von Seen. Im Vorjahr wurde mit "Wildfang" eine Marke für nicht gezüchteten und nicht gefütterten Fisch lanciert. Die Nachfrage ist höher als das Angebot. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.8.2008)

 

 

  • Forelle und - wie hier im 
Bild - Karpfen sind die wichtigsten heimischen Speisefische. Doch ist die 
Eigenproduktion gering.
    foto: standard/corn

    Forelle und - wie hier im Bild - Karpfen sind die wichtigsten heimischen Speisefische. Doch ist die Eigenproduktion gering.

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