Auf dem Gipfel des Wiener Magistrats

17. August 2008, 19:48
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Magistratsdirektor Ernst Theimer gilt als bescheidener Machtträger, der sich aber auch gegen den Bürgermeister durchsetzen kann - Teil 2 der Serie

Er gilt als der mächtigste Mann neben, oder besser gesagt, unter dem Bürgermeister. Denn höher hinauf kann jemand im Magistrat gar nicht kommen. Ernst Theimer ist schon seit 1995 Magistratsdirektor. Davor war er Präsidialchef, sprich Büroleiter, von Alt-Bürgermeister Helmut Zilk.

Von Zilks Nachfolger Michael Häupl war er der Wunschkandidat, der den übermächtigen Josef Bandion beerben sollte. Er wusste wohl warum: Theimer gilt als loyal zu Häupl. Bandion, der zwanzig Jahre Magistratsdirektor war, hingegen sei nie ein Freund der Bürgermeister gewesen. "Wenn die SPÖ wüsste, wie viele Information an die Opposition aus der Magistratsdirektion kamen, würden sie ihn jetzt noch verwünschen" , sagt VP-Gemeinderat Günter Kenesei.

Doppelfunktion

"Unterstützung des Bürgermeisters als Landeshauptmann in den Angelegenheiten der mittelbaren Bundesverwaltung" ist aber laut Wiener Stadtverfassung Theimers Pflicht. Neben seiner Aufgabe als Chef-Stratege und Koordinator des Beamtenapparats übernimmt er auch repräsentative Aufgaben. Er empfängt etwa Gäste der Stadt oder bereitet die offiziellen Reisen des Bürgermeisters vor. Theimer, Jahrgang 1947 und Vater einer Tochter, sagte kurz nach Amtsantritt über seine Funktion: "Aufgabe eines Beamten ist, unabhängig von äußeren Einflüssen dafür zu sorgen, dass das Gemeinwesen funktioniert" . Dennoch gehört er zum inneren Zirkel derer, die den Stadt-Chef beraten. Der Magistratsdirektor ist gleichzeitig auch Landesamtsdirektor, Wien hat eine Doppelfunktion als Gemeinde und Bundesland.

Theimer, der außerdem Vorsitzender des Aufsichtsrats der Wiener Stadtwerke, der Wien Holding und Vorsitzender des Universitätsrates der Wirtschafts-Uni Wien ist, gilt als bescheidener Machtträger: "Er hat keine Freude, wenn er als der Mächtige präsentiert wird" , sagt Bernhard Görg, einer der wenigen schwarzen Vizebürgermeister (1996-2001). "Er erreicht mehr, wenn er sich als Rad im Getriebe darstellt" . Theimers Stellvertreter Franz Zörner sagte einmal in einem Interview: "Unsere Macht wird oft ein wenig überschätzt" . Von Theimers Macht zeugt auch sein Salär: ungefähr 217.000 Euro im Jahr.

"Supertanker und kein Schnellboot"

Theimer machte es sich zur Aufgabe, die Strukturen zu verschlanken. Dass das bei 64.5000 Mitarbeitern nicht so einfach ging, erkannte auch er: "Wir sind eben ein Supertanker und kein Schnellboot." Das deutsche Unternehmen Rödel&Partner hat ein Jahr lang Rathaus-Dienststellen untersucht. Den Schluss, den Theimer daraus zog, war: Der Magistrat hat zwar motivierte Mitarbeiter, aber strukturelle Probleme. So sei er beispielsweise zu zentral gesteuert und es gebe zu wenig ausreichende Zieldefinitionen. Das war 1998. Seit damals wurden einige Magistratsabteilungen zusammengelegt.

Womit er bei den Grünen an Gunst verloren hat, ist das Fahrrad-Fahrverbot im Wiener Rathaus. Seit Theimer vor einem Jahr von einem Fahrrad-Boten fast umgefahren worden wäre, gilt es, in den Rathaushöfen das Radl zu schieben. Grüne-Gemeinderat Rüdiger Maresch forderte damals einen eigenen Radweg. Die FPÖ tat Theimers Verbot als "Blödsinn" ab. Beim Versuch, Theimer zu überreden, das Verbot wieder rückgängig zu machen, biss sich angeblich auch Häupl die Zähne aus. (Marijana Miljković, DER STANDARD; Printausgabe, 18.8.2008)

  • Ernst Theimer (61), seit 1995 Magistratsdirektor in Wien

    Ernst Theimer (61), seit 1995 Magistratsdirektor in Wien

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