SPÖ ist Hoffnungsträger der Unzufriedenen

17. August 2008, 17:55
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Umfrage: Faymann in Kanzlerfrage vor Molterer, doch die Hochrechnungen geben ÖVP noch Chance auf Wahlsieg

Linz - Unzufriedenheit mit den gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnissen - das war einst das Hauptmotiv für die Arbeiterschaft, sich in der Sozialdemokratie zu organisieren. Und dieses Motiv könnte bei dieser Wahl eine Renaissance erleben, sagt David Pfarrhofer vom Linzer market-Institut. market erhebt periodisch für den Standard, wie zufrieden die Österreicher sind - und da zeigen sich markante Unterschiede in den Anhängerschaften der Parteien.

Pfarrhofer: „Generell antworten die Österreicher überwiegend positiv, wenn man sie über ihre persönliche Lebenssituation befragt. 29 Prozent bezeichnen sich als ‚sehr zufrieden‘, sogar zwei Prozentpunkte mehr als im April."

Dies könnte mit einer generellen sommerlichen Stimmungsaufhellung zusammenhängen - und die Zufriedenheit ist auch in allen Altersgruppen sowie zwischen Männern und Frauen ähnlich verteilt. „Anders sieht es regional aus - und wenn man die Parteipräferenzen ansieht", rät Pfarrhofer zu einer differenzierten Betrachtung der Ergebnisse.
In Ostösterreich gibt es demnach besonders viele deklariert „sehr zufriedene" Befragte, aber auch besonders viele Unzufriedene, hier ist also die Polarisierung besonders stark. Noch deutlicher zeigt sich, dass die erklärten Anhänger der FPÖ, aber auch der SPÖ besonders wenige hohe Zufriedenheit zeigen - und unter ihnen auch viele erklärt Unzufriedene zu finden sind.

Besonders hohe persönliche Lebenszufriedenheit zeigen vor allem die Anhänger der ÖVP (sie hat unter ihren Wählern auch kaum Unzufriedene) und der Grünen.
Noch bedeutsamer für die Einschätzung von persönlichen Protestmotiven ist die Frage, wie frei sich die Befragten fühlen, ihr Leben im Wesentlichen nach den eigenen Vorstellungen gestalten zu können. Hier sticht - wie in der Grafik dargestellt - ein ganz ähnliches Muster ins Auge: Die Anhänger der ÖVP und der Grünen fühlen sich in hohem Maß frei in ihrer Lebensgestaltung. In allen anderen Wählergruppen gibt es aber viele, die ihr Leben nicht so gestalten können, wie sie es sich wünschen, und im Alltag Einschränkungen in Kauf nehmen müssen.
Speziell bei den freiheitlichen Wählern ist dieses Gefühl, sich einschränken zu müssen, besonders ausgeprägt. Dies gelte trotz geringer Fallzahlen von bekennenden Anhängern einer Partei in Umfragen mit 400 bis 500 Befragten, sagt Pfarrhofer - die Muster sind nämlich in mehreren Umfragewellen sehr ähnlich.

Benachteiligte Frauen

Auffallend ist auch, dass unter den Frauen und den älteren Befragten etwa ein Viertel angibt, sich einschränken zu müssen - hier schwinde angesichts der gefühlten Inflation die persönliche Freiheit, ein unbeschwertes Leben zu führen, analysiert Pfarrhofer.
Wie gut es gelingt, solchen Gruppen attraktive Angebote zu machen, ist eine der spannenden Fragen des Wahlkampfs. Wie bei allen anderen Instituten liegt auch bei market die ÖVP vor der SPÖ - zu Beginn voriger Woche war das Verhältnis 28 zu 25. Eine im profil veröffentlichte OGM-Umfrage sieht sogar einen noch deutlicheren Abstand von 31 zu 26. market erwartet im Unterschied zu OGM für LiF, Dinkhauser und BZÖ drei beziehungsweise vier Prozent.
Der SPÖ-Kanzlerkandidat Werner Faymann hat bei beiden Instituten in der Kanzlerfrage die Nase vor Wilhelm Molterer: Der ÖVP Chef bekäme zwischen 17 (market) und 19 (OGM) Prozent, Faymann 18 bis 22 Prozent - mehr als Amtsinhaber Alfred Gusenbauer je erreichte. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 18.8.2008)

 

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    Quelle: DER STANDARD
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