Wiener Grüne reihen Linke zurück

17. August 2008, 17:49
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    Viele Zetterln schrieben die Wiener Grünen am Sonntag: Die Abgeordneten Eva Glawischnig, Bruno Rossmann (beide Nationalrat) und Maria Vassilakou (Gemeinderat) bei der Kandidatenwahl.

Etablierte Polit-Promis bleiben trotz Basis-Kritik auf den vordersten Listenplätzen - Mit Karl Öllinger ist aber auch ein Favorit gescheitert

Wien - „Wir treffen uns nicht zufällig in einem Haus der Lotterien", sagt Wolfgang Zinggl. Der Kultursprecher ist einer von 32 Kandidaten der Wiener Grünen, die um einen Platz im Parlament rittern. Ein Glücksspiel, meint Zinggl. Wie seine Konkurrenten hat er versucht, im Vorfeld ein paar Sympathisanten zu mobilisieren - und mitunter Antworten bekommen wie: „Sorry, jetzt ist das Wetter doch schön, da geh ich wandern."

Die Kandidatenkür bei den Grünen ist eine spannende Angelegenheit, vor allem während der Urlaubszeit. 1200 Mitglieder haben die Wiener Grünen, doch nur 371 Wahlberechtigte sind am entscheidenden Sonntag ins Studio 44 der Lotterien im 3. Bezirk gekommen. Sind die linken Traditionalisten zahlreicher vertreten? Oder doch die Pragmatiker? Nicht einmal Parteichef Alexander Van der Bellen traut sich eine Prognose zu: „Keine Ahnung, wie das ausgeht."

"Eigene Onanie bestaunen"

Vielleicht die ersten fünf Plätze auf der Wiener Kandidatenliste haben je nach Wahlergebnis realistische Chancen, tatsächlich in den Nationalrat einzuziehen. Fix vergeben sind nur die ersten beiden Positionen. Eva Glawischnig pariert die kritische Frage aus dem Publikum, wie sich Schwarz-Grün mit dem Ausländerwahlkampf der ÖVP vertrage („wenn sich die ÖVP so festlegt, dann ist es vorbei, keine Frage"), und holt sich mit 75,71 Prozent Zustimmung Platz eins. Die designierte Nummer zwei, Justizsprecher Albert Steinhauser, muss sich hingegen mit einem Gegenkandidaten, dem PR-Manager Peter Wurm, herumschlagen, der die „Selbstgefälligkeit" der Grünen anprangert: „Wir verachten alle, die uns nicht verstehen (...). Es genügt nicht, die eigene Onanie zu bestaunen." An Steinhausers Sieg (83,29 Prozent) ändert das nichts.
Enger ist das Rennen um die Plätze drei und vier. Es geht dabei nicht nur um persönliche Karrieren, sondern auch um einen latenten Konflikt zwischen verschiedenen Parteiflügeln. Auf der einen Seite stehen die Pragmatiker um Van der Bellen, die in die Regierung drängen und Basisdemokratie eher lästig finden. Auf der anderen die in der Wiener Partei starken Linken, die Schwarz-Grün ablehnen und sich von der Bundesspitze oft übergangen fühlen.

"Grüne in Trägheit verfallen"

„Ich habe es satt, auf grüne Positionen angesprochen zu werden, die ich nicht vertrete", wettert die Bewerberin Daniela Musiol und nennt das von Van der Bellen geforderte Punktesystem bei der Zuwanderung „diskriminierend", weil es gut ausgebildete Menschen bevorzugt: „Ich will wieder stolz auf die Grünen sein." Nach dem Antritt von Schwarz-Blau seien die Grünen „in Trägheit verfallen", kritisiert Musiol, Klubdirektorin im Rathaus - und schafft es damit in die Stichwahl um Platz drei, der laut Quotenregelung den Frauen gehört. Dort verliert die Vertreterin der Linken aber gegen Ulrike Lunacek, als außenpolitische Sprecherin schon bisher im Parlament.
Klar durchgefallen sind im Match um den sicheren Platz drei die Kandidatinnen aus der Migrantenszene: Beatrice Achaleke und Alev Korun verpassten schon die erste Runde der Stichwahl.

Zum Match links gegen links kommt es um Platz vier. Die Abgeordneten Karl Öllinger und den Wiener Gemeinderat Martin Margulies trennt inhaltlich wenig: Beide sprechen gern von Umverteilung. Doch Margulies hat gegenüber der Parteispitze oft den Revoluzzer gespielt - weshalb diese den langjährigen Parlamentarier Öllinger favorisiert. Den Sieg trägt dann aber ein Außenseiter davon: Kultursprecher Wolfgang Zinggl setzt sich überraschend durch - und glaubt es selbst kaum: „Ich kann es noch zu wenig fassen, um mich zu bedanken." Öllinger muss nun auf einen sicheren Platz auf der Bundesliste hoffen, die vom grünen Bundeskongress am 7. September gewählt werden soll.

Dass letztlich trotzdem zwei „seiner" Abgeordneten das Rennen gemacht haben, kommentiert Parteichef Van der Bellen sichtlich zufrieden: „Knapp, aber doch." (Gerald John. DER STANDARD, Printausgabe, 18.8.2008)

 

WISSEN: Langwierige Listenerstellung

Während die kleinen Listen noch Unterstützungserklärungen sammeln, um überhaupt zur Wahl antreten zu dürfen, sind die Parlamentsparteien längst dabei, ihre Kandidatenlisten auf Landes- und Bundesebene zu erstellen. Für die Unterstützungserklärungen - österreichweit sind 2600 notwendig - ist nur noch bis Freitag, 17 Uhr, Zeit. Wer dann antreten darf, hat wiederum bis 8. September Zeit, die Kandidatenlisten im Innenministerium abzugeben.

Die SPÖ hat ihre Bundesliste - mit Parteichef Werner Faymann auf Platz eins - bereits beim Parteitag am 8. August in Linz beschlossen. Die ÖVP wird die Frist dagegen bis zum letzten Termin ausnützen und ihre Bundesliste erst am 8. September präsentieren und sie zugleich vom Parteivorstand absegnen lassen.

Während in den anderen Parteien die Parteichefs (und Landeschefs) über die Kandidatenliste entscheiden und diese dann vom Vorstand absegnen lassen, kommt bei den Grünen die Basisdemokratie zum Tragen: Delegierte stimmen über die Kandidaten auf jedem einzelnen Platz ab. Auf der Bundesliste bemüht sich Alexander Van der Bellen um Platz eins. (völ, DER STANDARD, Printausgabe, 18.8.2008)

 

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nick morgenland 
26.08.2008 09:12

das freut mich sehr für wolfgang zinggl.

auch die harte innerparteiliche kritik ("selbstgefälligkeit" der grünen) ist ein plus.

der veranstaltungsort (haus der lotterien) sendet kein gutes signal (die grünen engagieren sich lobenswerter weise beim thema "kleines glücksspiel"). das gilt auch für den zeitpunkt (während der hauptreisezeit) und die konsequenzen (371 wahlberechtigte erscheinen).

haka
23.08.2008 01:07

ich habe keine lust, diesmal schon wieder meine stimme an die grünen zu verschwenden :( eigentlich wollte ich ja "nie" spö wählen, aber so weit kommts jetzt wohl doch noch

Sven Doleschal
25.08.2008 20:34
Ich erwäge dasselbe.

darkwing
22.08.2008 07:27
Die Glawischnig....

ist die unsympathischste Politikerin Österreichs - gleich nach Ewald Stadler.
Bei den beiden (Und beim Schüssel) bekomm ich eine Gänsehaut.

dagobert wien
25.08.2008 11:22
pudel & dobermann

glawischnig der pudel von van der bellen.

Cuchullain
20.08.2008 12:11
Früher war Sascha noch spontaner:

Statt „Knapp, aber doch." -> Arschknapp

Mahlzeit!
20.08.2008 10:16
Eigentlich gehts um eine Verjüngung!

Denn die Grünen sind drauf gekommen, dass ihre Leut alt sind so alt, dass ihre groß eltern nicht mehr Lebne und die könnten eine wichtige Funktion bei den Koalitionsverhandlungen spielen, zumindest die Großmütter.

R.Neville
18.08.2008 15:54
Da wird eine Koalition vorbereitet...

...und zwar jene mit der ÖVP. Dafür muß man dann schon einen kompetenten Sozialpolitiker wie Öllinger und eine engagierte Tierschutzsprecherin wie Weinzinger opfern um der elitären Massentierhaltungsclique in der ÖVP zu gefallen. Pilz ist wohl das nächste Opfer, denn er hat zu viel Wahrheit über den schwarzen Sumpf, der das Land seit 22 Jahren langsam erstickt, kundgetan.
Und die Grünen wagen es ernsthaft Faymann zu kritisieren??

Patriot22 
19.08.2008 12:39

Ihr Wort in Gottes Ohr! Hoffentlich triffts´den Pilz als nächsten.:-)

quereinsteiger2
18.08.2008 15:54
Vorbereitung für eine Koalition mit den Schwarzen!

geh gaxi
18.08.2008 14:22
ich find,

die wassilaku is ein wahnsinn.

links kritik
19.08.2008 13:56

ja die vassilakou ist schon ne augenweide.
hätte sicher einen ministerposten bei berlusconi

systemfehler1
18.08.2008 15:27
Zum Haare raufen.

Da haben´s recht.

Nagl11
18.08.2008 15:25

Ja, optisch finde ich sie auch ganz ansprechend, inhaltlich aber leider weniger...

Cuchullain
20.08.2008 12:12
Na also:

Vassilakou als Spitzenkandidatin!

Annie K. 
18.08.2008 15:18

gut oder schlecht?

MisterHyde  
18.08.2008 15:06
ich find,

die vassilakou ist toll...

un jetzt?

systemfehler1
18.08.2008 15:28
toll.....

wütig?
Dem Schaum vorm Mund nach zu schließen: Ja.

Foromat
18.08.2008 14:14

.."das von Van der Bellen geforderte Punktesystem bei der Zuwanderung „diskriminierend", weil es gut ausgebildete Menschen bevorzugt: ..."

Aber wollen wir nicht einen Brain Gain aus dem Ausland ?? Ergibt es wirklich einen Sinn, wenn wir nur schlecht ausgebildete Migranten aufnehmen ?

dagobert wien
25.08.2008 11:23

brain gain ja! vorher müssen wir aber 300.000 unnötige migranten heimschicken.....

ich war in riga, da schauts aus wie im 15., 16 oder 20. bezirk nur ohne migranten aus dem morgenland. wunderschön, sag ich euch!!!! wien könnt gensauso aussehen.

Mahlzeit!
20.08.2008 10:21
JA!

Oder um es mit dem Charm von HC Strache zusagen Arbeitslose haben wir, ja selbst genug.

Scherz bei seite, mehr als 50% der Zuwanderer habe nicht einmal einen Hauptschulabschluß oder vergleichbares. Da gehts nicht um eliten sondern dass ich keine Leute herein lass die nicht benötigt werden.

ramazotti 
18.08.2008 16:00
für die Grünen ergibt jeder Unsinn einen Sinn ... ;-)

Jim Kirk  
18.08.2008 14:58

So denken die grünmarxisten ja nicht. Die Einwanderungswilligen sind ja nur wegen der imperialistisch-neoliberalen politik der heimatländer schlecht ausgebildet die wir natürlich freudigst aufnehmen müssen egal ob sie hier arbeit finden oder nicht.
Wohlgemerkt sprechen wir hier nicht von Asylsuchenden - nur zur klarstellung.

little tiny farts 
19.08.2008 02:47

oder/und:
die ö. bevölkerung ist 'wegen der imperialistisch - neoliberalen politik' ÖSTERREICHS 'schlecht ausgebildet'

Foromat
20.08.2008 06:15

österreichs politik ist imperialistisch ??

wir sind ja nicht mal neo-liberal .

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