Redakteure widersprechen ORF-Führung

18. August 2008, 15:37
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Die ORF-Redakteurssprecher widersprechen ihrer Anstalt: "Krone"-Beitrag wäre rechtzeitig fertig geworden und hätte gesendet werden können

Wien - ORF-Redakteurssprecher widersprechen ihrer Anstalt: Der für Mittwochabend geplante, aber nicht gesendete Beitrag über die "Kronen Zeitung" als Wahlhelfer hätte "problemlos zeitgerecht für die Sendung fertiggestellt werden können". Ein ORF-Sprecher hatte das Gegenteil behauptet und damit auf Anfrage des STANDARD (Wochenendausgabe) das Verschwinden des Beitrags erklärt.

Danielle Spera, Dieter Bornemann und Stefan Gehrer protestierten Sonntag gegen diese Darstellung: "Es kann nicht sein, dass interne Diskussionen über die Gestaltung eines Beitrags dazu führen, dass am Ende die produzierenden Redakteure die Schuld an der nicht stattgefundenen Ausstrahlung zugeschoben bekommen."

Beitrag soll Anfang der Woche gesendet werden

Die Redakteurssprecher gehen nun "davon aus, dass der Beitrag Anfang der Woche gesendet wird". Sie "halten das für wichtig, da sich die Krone selbst zu einem Teil des Wahlkampfs gemacht hat und das daher thematisiert werden soll".

Die ORF-Führung rede sich auf "unschuldige Redakteure" aus, "um rote Interventionen zu vertuschen", schloss das BZÖ. Die Grünen sahen "den Interventionsverdacht erhärtet"; die FPÖ "nordkoreanisches" Medienverständnis. Ein Sprecher von SP-Chef Werner Faymann dementierte Einflussnahme; ebenso der ORF eine Intervention "von außen". Wann ein Beitrag gesendet werde, entschieden "die zuständigen Strukturen" in der Infodirektion. Chefredakteur Karl Amon rief nicht zurück.

ORF "auf SPÖ-Linie gebracht"

VP-Mediensprecher Franz Morak sah den ORF "auf SPÖ-Linie gebracht". ORF-General Alexander Wrabetz und ORF-Stiftungsrat Karl Krammer, der SP-Chef Werner Faymann berät, setzten "die Unabhängigkeit des ORF aufs Spiel". Morak kritisierte zudem "Ungleichbehandlung" von SPÖ und ÖVP in anderen Beiträgen. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 18.8.2008)

 

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