Nestlé-Chef: "Sprit aus Lebensmitteln ist ein völliger Wahnsinn"

17. August 2008, 14:20
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Oggenfuss hofft, dass Konzentration im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel ein Ende hat

Wien/Salzburg - Nestle-Österreich-Chef Markus Oggenfuss lehnt die Verwendung von Lebensmitteln für die Energieerzeugung strikt ab. "Es kann nicht sein, dass man Lebensmittel für Autofahrer verwendet. Wenn es in der Welt Menschen gibt, die an der Armutsgrenze leben, wenn es Menschen gibt, die hungern müssen, dann ist das ein völliger Wahnsinn", sagte er in der Samstag-Ausgabe der "Salzburger Nachrichten". Man hätte auf die zweite und dritte Generation der Biospriterzeugung warten müssen, bei der beispielsweise Zellulose als Rohstoff zum Einsatz kommt.

Zu den zuletzt stark gestiegenen Lebensmittelpreisen sagte Oggenfuss, dass die heutigen Preise etwa auf dem Niveau von vor zehn Jahren liegen. In den letzten Jahren seien die Preise durch die "Aktionitis" von Rewe und Spar stark unter Druck gekommen. Auf der anderen Seite seien die Kosten gestiegen, was das Kosten-Preis-Gefüge stark verzerrt habe. "Die Industrie wurde ausgequetscht wie eine Zitrone. Jetzt ist eine Korrekturphase eingetreten", so Oggenfuss. Auch die steigenden Anforderungen der Konsumenten an Lebensmittel sowie die deutlich höheren Preise für agrarische Rohstoffe würden sich in den Preisen niederschlagen.

Nestle Österreich macht einen Umsatz von rund 280 Mio. Euro. Davon entfallen etwa 150 Mio. Euro auf den Lebensmittelhandel. Der Lebensmittelhandel hat in Österreich im letzten Jahr 16 Mrd. Euro umgesetzt. Der Anteil von Nestle kommt auf 0,99 Prozent, rechnet Oggenfuss vor. Die Schlüsselspieler auf dem Lebensmittelmarkt sind Rewe, Spar und Hofer mit ihren Eigenmarken. Darin sieht Oggenfuss auch den Grund, warum die Lebensmittelindustrie in der Preisdebatte bisher in Österreich relativ gut davongekommen ist.

Ende der Konzentration

Zur extremen Konzentration im österreichischen Handel hofft der Nestle Österreich-Chef, dass diese nun nach dem Zusammenschluss von Rewe und Adeg "am Ende angelangt ist".

Ob Nestle auch weiterhin Hauptsponsor der Salzburger Festspiele bleiben wird, lässt Oggenfuss offen. "Wir sind seit 1991 Sponsor der Salzburger Festspiele. Seit acht Jahren haben wir das Nestle-Konzert des Orchesterinstituts Attergau. Für uns war und ist das eine sehr interessante Kooperation. Das Logo "A Shared Passion für Quality" drückt das gut aus. Nach einer gewissen Anzahl von Jahren ist es ganz natürlich, dass man darüber redet, wie es weitergehen soll. Im Moment sind wir in sehr konstruktiven Gesprächen", sagte er zu den "Salzburger Nachrichten". Die Kooperation werde fortgesetzt, man überlege aber "neue Formen der Zusammenarbeit, weil es im Sponsoring immer wieder Innovationen geben sollte". (APA)

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