Sziget Festival 2008: Tolle Show, mäßige Organisation

17. August 2008, 13:24
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Servicemängel trübten gute Stimmung

Budapest - Das Sziget Festival 2008 stand für hochklassige Unterhaltung in Form eines respektablen internationalen Line-ups. Eine ganze Reihe internationaler Top-Acts kam nach Budapest und bescherte dem Publikum ein unvergessliches Hörvergnügen. Auch das umfangreiche Rahmenprogramm konnte sich sehen lassen.

Doch wo Licht ist, gibt es bekanntlich auch Schatten. Der Veranstalter hat verabsäumt, die schon im Vorjahr kritisierten mangelhaften Englischkenntnisse des Servicepersonals zu verbessern. Sowohl Gäste als auch Musiker und Journalisten mussten sich oft mit vollem Körpereinsatz verständlich machen. Das sorgte für Frust und wurde dem Ruf des Sziget als internationaler Großveranstaltung nicht gerecht.

Die Hauptbühne auf der Schiffswerftinsel gehörte am Donnerstag eindeutig Jamiroquai. Nachdem die Kaiser Chiefs das Publikum angeheizt hatten, sorgte Jay Kay mit seiner Band für ausgelassene Tanzstimmung. Trotz der Hitze ließ es sich der Brite nicht nehmen, mit der für ihn obligatorischen Kopfbedeckung - diesmal in Form einer giftgrünen Ski-Haube - und dunklem Trainingsanzug zu erscheinen, was er in Anbetracht der Temperaturen wohl bald bereut haben dürfte. Nach beinahe jedem Song ließ er sich für eine knappe Minute vor einem Ventilator kühlen. Leider war sein Set etwas kurz. Nach ungefähr einer Stunde verabschiedete sich der Megastar mit einer kleinen Zugabe.

Die Ärzte und Sex Pistols am Freitag

Am Freitag überzeugten sowohl Die Ärzte als auch die Sex Pistols mit unterhaltsamen Performances. Wieviel Spaß Punkrock machen kann, zeigte die Truppe rund um Farin Urlaub. Die Deutschen kokettierten mit ihren Fans und bauten das Publikum souverän in ihre Show ein. Anschließend zeigten die britischen Punk-Legenden Sex Pistols, dass sie längst noch nicht zum alten Eisen zählen. Kraftvoller Sound und energetischer Gesang hielten die Zuhörer bei Laune, auch wenn Frontman Johnny Rotten nicht so quirlig auf der Bühne herumtänzelte wie Jay Kay am Tag zuvor.

Moloko-Sängerin Róisin Murphy sorgte am Samstag für Klubstimmung. Kraftvoller melodischer Gesang in Kombination mit stampfenden Dancebeats brachte die Masse zum kochen. Dazu bot die zarte Britin zusammen mit ihren Backgroundsängerinnen Ausdruckstanz in avantgardistischen Kostümen dar. Im Anschluss überzeugte der armenischstämmige US-Amerikaner Serj Tankian mit einer spannungsgeladenen Show. Als Hauptact des Abends reisten die Alternative-Rock-Legenden R.E.M. an, um souverän alte und neue Hits aus ihrem schier endlosen Repertoire zu einem stimmungsvollen Unteraltungsmix zu verweben. Nach jahrelanger Abstinenz präsentierte sich die Formation aus Atlanta wieder in alter Stärke.

Pflaster- und Trinkwasserprobleme

Die eingangs erwähnten organisatorischen Probleme beschränkten sich nicht nur auf die mangelnden Sprachkenntnisse von Sziget-Mitarbeitern. So war es beispielsweise nicht möglich, problemlos ein simples Pflaster für den harmlosen medizinischen Einsatz zu bekommen, ohne gleich eine ganze Packung in der Apotheke kaufen zu müssen. Das Leitungswasser in den Waschräumen ließ sich angesichts des Chlorgeschmacks nicht trinken und frei zugängliche Trinkwasserspender gab es keine. Das muss - angesichts der sommerlichen Temperaturen - als fahrlässig bezeichnet werden, vergleichbare Events beweisen hier schon mehr Weitsicht.

Es sind also einige nicht unwichtige Details, an denen der Sziget-Veranstalter noch feilen muss, um das Festival auf Augenhöhe mit anderen Mega-Events in Deutschland, Großbritannien oder den Niederlanden zu bringen. Die Stimmung bei den Besuchern war dennoch hervorragend, vor allem weil das Unterhaltungsangebot qualitativ erstklassig und mehr als reichhaltig war. (APA)

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