Deutsche Kanzlerin Merkel zu Vermittlungs-Gesprächen in Tiflis

17. August 2008, 09:44
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Präsident Saakaschwili hatte die Europäer unmittelbar vor dem Treffen scharf kritisiert - Französischer Außenminister findet es "oberflächlich, vom Kalten Krieg zu sprechen"

Berlin - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist am Sonntag nach Georgien abgereist. In der Hauptstadt Tiflis will sie mit Präsident Michail Saakaschwili über den militärischen Konflikt mit Russland sprechen. Im Zentrum steht die Umsetzung des von allen Konfliktparteien akzeptierten Sechs-Punkte-Plans der Europäischen Union für einen dauerhaften Waffenstillstand. Das Gespräch mit Saakaschwili ist auf zwei Stunden angesetzt.

Bei ihrem Treffen mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew am Freitag im russischen Sotschi hatte Merkel den russischen Vormarsch kritisiert, die Integrität Georgiens angemahnt und den gewählten georgischen Präsidenten gestützt, den die Russen nicht mehr als Verhandlungspartner akzeptieren wollen. Im Konflikt um die abtrünnigen georgischen Provinzen Südossetien und Abchasien geht es Berlin vordringlich darum, dass der Waffenstillstand eingehalten wird und Verhandlungen ermöglicht werden.

Kritik an Europäern

Unmittelbar vor dem Treffen mit der deutschen Regierungschefin kritisierte Saakaschwili die Europäer scharf. Er habe schon vor Wochen vor russischen Aggressionen gewarnt, was aber in Europa nicht ernst genug genommen worden sei.

Kouchner: Georgien hat bedeutende Fehler gemacht

Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner hat sowohl Georgien als auch Russland für die Eskalation des Südossetien-Konflikts verantwortlich gemacht. "Es gab bedeutende Fehleinschätzungen aufseiten der Georgier und eine offensichtlich unangemessene Reaktion durch die Russen", sagte Kouchner der Zeitung "Journal du Dimanche" laut Vorausbericht. Es sei jedoch zu früh, um Geschichte zu schreiben. "Es wäre wirklich oberflächlich, vom Kalten Krieg zu sprechen."

Ähnlich wie Kouchner hatte sich am Freitag die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel geäußert. Einige Aktionen Russlands seien nicht verhältnismäßig gewesen, wahrscheinlich hätten jedoch beide Seiten Schuld an dem Konflikt, sagte sie. (APA/AP/Reuters)

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