Bauen nach Plan

16. August 2008, 15:14
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Bauen ohne Baubewilligung ist für kleinere Projekte durchaus erlaubt. Doch was als gering eingestuft wird, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich

Zu empfehlen ist eine Rücksprache mit dem Bauamt.

"Wieder Baumhaus abgerissen", war erst kürzlich in der Zeitung zu lesen. Kinder hatten ein Baumhaus errichtet – zwar mit Einverständnis des Grundstückeigentümers, aber ohne die zuständige Baubehörde gefragt zu haben. Nach einer anonymen Anzeige flatterte ein Abrissbescheid ins Haus, und der kleine Holzbau in der Baumkrone musste wieder abgetragen werden.

Immer wieder zeigen Nachbarn Bauvorhaben an, von denen sie annehmen, dass diese nicht oder zumindest nicht in der vorliegenden Form bewilligt wurden. Die Baubehörde muss jeder einzelnen Anzeige nachgehen. "Manche glauben, sie können sich eine Baubewilligung ersparen, und stellen die Behörde vor vollendete Tatsachen", erzählt Gerhard Cech von der Wiener Baupolizei. Stößt die Baupolizei auf eine unbewilligte Baustelle, droht eine Verwaltungsstrafe. Diese kann zwischen hundert und mehreren tausend Euro betragen. Die Baubehörde kann eine Baueinstellung oder – wenn der Bau schon fertig ist – den Rückbau einfordern. Ist der Bau entsprechend der gültigen Bauordnung errichtet, reicht meist ein Ansuchen um eine nachträgliche Baubewilligung aus.

Bewilligung erforderlich

Viele Bauherren irren: Sie sind der Meinung, dass nur große Bauvorhaben mit Auswirkung auf die Statik des Gebäudes behördlich eingereicht werden müssen. In der Regel trifft dies allerdings nur auf das Aufstellen kleinerer Gartenhütten, Lauben oder Spielgeräte zu. Für alle Projekte, von denen eine Gefährdung ausgehen kann, benötigt man eine Bauanzeige beziehungsweise eine Baubewilligung.

Zu den anzeigepflichtigen Bauvorhaben, bei denen man die Baubehörde vom geplanten Projekt lediglich schriftlich in Kenntnis setzen und entsprechende Planskizzen und Beschreibungen vorlegen muss, zählen vor allem der Umbau kleinerer Gebäude, die Errichtung von Zäunen oder der Einbau von Heizungsanlagen.

Weitaus aufwändiger ist der bürokratische Parcours bei einer sogenannten Baueinreichung. Hierfür sind bei der Baubehörde ausführliche Unterlagen mitsamt statischer Berechnung, bauphysikalischem Nachweis und einigen anderen Gutachten und Bestätigungen einzureichen. Überprüft werden dabei vor allem die Bauordnung und energetische Eigenschaften des Projekts. Erst nach Erteilung der Baubewilligung darf mit dem Bau begonnen werden.

Welches Bauvorhaben bewilligungs- oder anzeigepflichtig ist, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. "Mit seinen acht Millionen Einwohnern leistet sich Österreich neun unterschiedliche Bauordnungen", erklärt der Wiener Rechtsanwalt Horst Fössl. In großen Zügen seien diese Regelungen gleich, das wirkliche Problem aber liege im Detail.

Unterschiede je nach Region

"Wenn man als Wiener gewohnt ist, dass man einen Carport ohne Bewilligung errichten darf, und dies dann auch bei seinem Ferienhaus im Salzkammergut macht, dann bekommt man große Probleme", erklärt Fössl. Während in Wien der Bau eines Carports weder einer Baubewilligung noch einer Anzeige bedarf, muss man diese Bauabsicht in Kärnten beispielsweise der Behörde schriftlich mitteilen. In Salzburg dagegen ist die Errichtung eines Carports immer bewilligungspflichtig. Eine Rücksprache mit dem zuständigen Bauamt ist daher grundsätzlich zu empfehlen.

Besonders heikel wird es, wenn auf einer nicht bewilligten Baustelle eine Person zu Schaden kommt. "Es kommt leider immer wieder vor, dass ein Bauarbeiter vom Gerüst fällt. Ob dies auf einer bewilligten oder unbewilligten Baustelle geschehen ist, macht in Bezug auf die Haftung keinen Unterschied", erklärt Anwalt Fössl. Ganz anders sieht es aber aus, wenn ein Nachbar zu Schaden kommt. Da macht es strafrechtlich einen großen Unterschied, ob die Baustelle behördlich bewilligt ist oder nicht.

Und noch etwas ist zu beachten: Eine Baubewilligung ist nicht ewig gültig. In Oberösterreich zum Beispiel erlischt die Baubewilligung nach Ablauf von drei Jahren. Für die Fertigstellung stehen ab Baubeginn fünf Jahre zur Verfügung. (Anne Isopp, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17.8.2008)

  • Bauen ohne Baubewilligung kann strafbar sein, muss aber nicht. Vor
jedem Bauvorhaben sollte daher die Baupolizei kontaktiert werden.
    collage: standard/friesenbichler

    Bauen ohne Baubewilligung kann strafbar sein, muss aber nicht. Vor jedem Bauvorhaben sollte daher die Baupolizei kontaktiert werden.

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