Tschechien: Radar-Befürworter wollten Gegner finanziell ruinieren

16. August 2008, 14:21
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Schickten Mini-Beiträge als Spenden auf ihr Konto - Gebühren überstiegen Wert der Heller-Transaktionen bei weitem

Prag - Auf ungewöhnliche Weise haben tschechische Befürworter des geplanten US-Radars, Bestandteil des amerikanischen Raketenabwehrsystems in Zentraleuropa, gegen die Gegner der Anlage zu kämpfen versucht. Sie wollten die Initiative "Ne zakladnam" ("Keine Basen") finanziell ruinieren, indem sie auf das Konto der Bewegung wiederholt kleine Beträge schickten, die niedriger waren als die Gebühren, welche die Bank dem Kontobesitzer für jede ankommende Zahlung abzieht, schrieb die tschechische Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" (Samstag-Ausgabe).

Seit Herbst 2007 schickten unbekannte "Geber" auf das Konto der Initiative wiederholt die Summen in Höhe eines Hellers (eine tschechische Krone hat 100 Heller, Anm.). Für jede von diesen Zahlungen zog jedoch das Geldinstitut - wie es in Tschechien üblich ist - sieben Kronen ab. So haben zwar die Gegner des Radars mehrere Kronen als Spende bekommen, allerdings gleichzeitig schon Tausende Kronen wegen den Bankgebühren verloren.

Ausdruck der politischen Auffassung

"Wir sind damit seit Oktober konfrontiert. Wir wissen nicht, wer dahinter steckt", sagte die Aktivistin von "Ne zakladnam", Ivona Novomeska. Einer der "Spender" meldete sich unterdessen. Martin Kostera sagte dem Blatt, er habe erstens seine politische Auffassung zum Ausdruck bringen und zweitens auf die Absurdität der Bankgebühren für hereinkommende Geldbeträge hinweisen wollen. Diese Gebühren werden nämlich in Tschechien seitens der Öffentlichkeit sehr stark kritisiert.

Das Geldinstitut, die Raiffeisenbank, hat schließlich beschlossen, der Initiative die abgezogenen Gebühren zurückzuzahlen. "Es kam zu einem offensichtlichen Missbrauch eines transparenten Bankkontos", sagte der Sprecher der Bank, Tomas Kofron. (APA)

 

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