Schewardnadse: Georgiens Einmarsch in Zchinwali war ein Fehler

16. August 2008, 13:48
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Saakaschwili lobt Merkels Kritik an Russland - Russen Plünderung und Angriffe auf Journalisten vorgeworfen

München - Georgiens Ex-Präsident Eduard Schewardnadse hat seinem Amtsnachfolger Michail Saakaschwili eine Teilschuld an der Eskalation des Kaukasus-Konflikts gegeben. Der Einmarsch georgischer Truppen in der südossetischen Hauptstadt Zchinwali sei "ein Fehler" gewesen, sagte er in einem am Samstag im voraus veröffentlichten Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus". Saakaschwili habe nicht berücksichtigt, dass dort russische Friedenstruppen stationiert seien und Moskau die Osseten dazu gebracht habe, russische Staatsbürger zu werden. Er bezweifle, dass Saakaschwili wisse, welches Ziel er verfolge, meinte Schewardnadse weiter.

Russlands Aktionen bezeichnete der frühere Präsident als "illegal und ungerecht". Georgiens wichtigste Aufgabe sei es, "die Besatzer zu vertreiben". Nun sei fast die ganze Welt auf Seiten Georgiens und helfe dem Land. Es werde den Kurs Richtung NATO und EU beibehalten. "Wir werden in beiden Organisationen Mitglied werden", sagte der 80-Jährige. Unter der Führung Saakaschwilis hatte die georgische Opposition in der sogenannten Rosenrevolution 2003 den Rücktritt Schewardnadses erzwungen.

Lob für Merkel

Unterdessen lobte Saakaschwili die deutlichen Worte der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gegenüber dem Kreml. "Ich bin beeindruckt von ihrer Haltung, sie hat augenblicklich begriffen, was Sache ist", sagte er laut "Focus Online" in der Nacht zum Samstag in Tiflis. Sein Gespräch mit der Bundeskanzlerin sei "besser als alle anderen Gespräche mit europäischen Führern gewesen". Merkel hatte bei ihrem Treffen mit Russlands Präsident Dmitri Medwedew den russischen Militäreinsatz am Freitag als "unverhältnismäßig" kritisiert.

Ein Regierungssprecher sagte am Samstag in Berlin, Saakaschwili beziehe sich offenbar auf mehrfache Telefonate, die er in der vergangenen Woche mit Merkel geführt habe. Am (morgigen) Sonntag fliegt Merkel nach Tiflis. Am Freitag hatte sie mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew in Sotschi am Schwarzen Meer konferiert, ohne dass es eine Annäherung der Standpunkte gegeben hätte.

Saakaschwili betonte, der Krieg im Kaukasus sei von höchster Bedeutung für die Sicherheit Europas. Es sei jetzt entscheidend, dass Russland mit seinem Vorgehen nicht durchkomme: "Wenn man ihnen das durchgehen lässt, wird das ganze zu einer unendlichen Geschichte." Der georgische Präsident warf den russischen Streitkräften in Georgien Plünderungen vor. Zudem attackierten Moskaus Streitkräfte absichtlich Journalisten. "Nie zuvor hat es in so einem kurzen Konflikt so viele Opfer bei der Presse gegeben," sagte er. (APA/AFP/AP)

 

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