Streiks gegen Regierung in vier Städten

19. August 2008, 19:43
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Protest gegen Finanzpolitik von Präsident Morales

La Paz - Im Konflikt zwischen Boliviens linksgerichtetem Staatschef Evo Morales und den nach Autonomie strebenden Regionalregierungen haben am Dienstag in mindestens vier Städten Streiks begonnen. Aus Protest gegen die Finanzpolitik des Präsidenten seien die Bediensteten des öffentlichen Nahverkehrs sowie der privaten Banken in Santa Cruz, Sucre, Tarija und Trinidad nicht zur Arbeit erschienen, berichteten die lokalen Fernsehsender Red Uno und PAT. Nach Angaben der Regionalregierungen soll die Zentralregierung durch die Streiks zur Rückzahlung von umgerechnet mehr als 122 Millionen Euro aus den Pensionskassen gezwungen werden.

In Santa Cruz ereigneten sich am Dienstag einzelne gewaltsame Zwischenfälle. Dort griffen jugendliche Morales-Anhänger in der Früh Journalisten an, die über den Beginn des Streiks berichteten. Die Zollbehörden berichteten zudem von einem Angriff auf ein Büro in Tarija durch eine Gruppe Oppositioneller in der Nacht zum Dienstag. Um weitere Zwischenfälle zu verhindern, verstärkte die Regierung in den vier bestreikten Städten die Präsenz der Sicherheitskräfte.

Großgrundbesitzer wehren sich

Die von Großgrundbesitzern und Unternehmern dominierten Regionalregierungen wehren sich mit den Streiks gegen den Zugriff der Zentralregierung auf ihre Steuereinnahmen, mit denen andere Landesteile mit ihrer armen und mehrheitlich indianischen Bevölkerung mitfinanziert werden sollen.

Angesichts der heftigen Opposition aus den einzelnen Provinzen hatte Morales am 10. August in einem landesweiten Referendum über seinen Reformkurs abstimmen lassen. Er wurde dabei zwar mit 67 Prozent bestätigt, aus einer zugleich abgehaltenen Volksbefragung über die Zukunft der Gouverneure in acht der neun Provinzen gingen aber auch die meisten politischen Gegner des Präsidenten siegreich hervor. Morales war 2005 zum ersten indigenen Staatschef des südamerikanischen Landes gewählt worden. (APA)

 

 

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