
Sie leben von Gelegenheitsjobs und ein bisschen Drogenhandel und weigern sich, erwachsen zu werden. Das Dasein ist beschaulich in dem alten Londoner Haus, das einer aus der Wohngemeinschaft vor Jahren gekauft hat, und keiner sieht ein, dass sie die charmant-abgewohnte Villa verlassen sollen, bloß weil Lea, dieses kaltschnäuzige Miststück, den Besitzer heiraten und das Haus für sich haben will.
Auch Astrid ist über ihre bevorstehende Kündigung nicht erfreut. Sie überbrückt die Zeit als Fahrradkurierin. Die Kündigung wird bald ihre geringste Sorge sein. Denn neuerdings werden Personen, die mit ihr Kontakt hatten, ermordet: erst eine Nachbarin, dann eine reiche Zicke, von der sie ein Paket abholen soll, und schlussendlich die in der WG gehasste Lea. Nicci French teilt ihren Krimi in zwei Teile. Erst wird die Geschichte Astrids erzählt, dann folgen die Reflexionen des Mörders, der die Mitglieder der WG manipuliert und wie Marionetten lenkt. Dadurch wird jedoch die Spannung herausgenommen, weil der Leser in der Hälfte des Buches schlauer ist als die Protagonisten.
French kann nett erzählen, doch überfordert sie ihre Leser nicht durch allzu viel Tiefgang. Ihre Ermittler sind keine Geistesgrößen mit eigenem Profil, und die Auflösung der Mordserie scheint auch ein wenig zu einfach vonstatten zu gehen. Gerade deswegen eignet sich ihr neues Opus gut für den Urlaub, denn es unterhält, ohne einen derart in Beschlag zu nehmen, dass man seine Umgebung völlig ausblenden muss. (Ingeborg Sperl / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17.8.2008)
Nicci French: "Bis zum bittere Ende". Deutsch: Birgit Moosmüller. € 20,60 / 415 Seiten, C. Bertelsmann, München 2008
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