Polen freut sich zu früh

15. August 2008, 18:17

Der jüngste Konflikt in Südossetien hat gezeigt, dass Russland gewillt ist, seine Interessen mit aller Härte zu verteidigen - von Verena Diethelm

Zwei Jahre haben Polen und die USA erfolglos über die Errichtung eines Raketenabwehrsystems verhandelt. Erst Anfang August waren die Gespräche an den Forderungen Polens gescheitert. Zehn Tage später ist die Welt eine andere. Russland und die USA steuern auf einen veritablen Konflikt zu, dessen Anfang der Krieg am Kaukasus erst gewesen sein dürfte.

Gerade am Höhepunkt dieser Spannungen verkünden Polen und USA die Einigung über den Raketenschild. "Ein guter Schild für schlechte Zeiten" jubelt die polnische Presse. Schlechte Zeiten sind wohl tatsächlich im Anmarsch. Denn Russland sieht im US-Schutzschild eine Bedrohung seiner nationalen Sicherheit. Die Beteuerung der USA, die Raketen sollen vor Schurkenstaaten wie dem Iran schützen, ist vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse nicht nur für russische Generäle wenig glaubwürdig. Der Zeitpunkt der Einigung lässt den Schluss zu, dass es sich nicht nur um russische Paranoia, sondern um berechtigte Zweifel an den Beweggründen der USA handelt. Auch die Tatsache, dass die Abfangraketen, die in Polen stationiert werden sollen, über zwei Antriebsstufen verfügen und daher anders als die dreistufigen Raketen des nordamerikanischen Abwehrschirms sehr schnell aufsteigen können, spricht dafür, dass der Schild auch gegen Russland gerichtet sein könnte.

Der jüngste Konflikt in Südossetien hat gezeigt, dass Russland gewillt ist, seine Interessen mit aller Härte zu verteidigen. Eine Reaktion Moskaus auf den US-Schild ist nur eine Frage der Zeit. Ob sich Polen und Tschechien auch noch so sicher fühlen, wenn Russland seinerseits Raketen in Kaliningrad oder Weißrussland installiert? (DER STANDARD, Printausgabe, 16.8.2008)

 

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saxophon  
19.08.2008 08:06

Hier geht es vor allem auch um eine Frage der Souveränität.
Ein NATO-Land darf auf seinem eigenem Gebiet so viele Abwehrsysteme installieren wie es will, solange damit keine internationalen Abkommen gebrochen werden.
Würde man Rußland hier ein Veto-Recht einräumen, dann würde damit seine Souveräntität aufgeben und Rußland würde sich erst Recht stark fühlen und weitere unverschämte Forderungen stellen.
Rußland muss klar gemacht werden das sich die Zeiten geändert haben und die Staaten im Osten nicht mehr russische Satelliten sind, sondern demokratische Länder mit dem Recht auf volle Souveräntität.

Wolfrider
25.08.2008 19:48

ich bin dafür dass es neue Abrüstungsverhandlungen zwischen Rußland und der NATO gibt, am besten sofort

Als ein erster Schritt sollen alle US Soldaten aus Europa verschwinden, das wäre nicht nur in russischem Interesse...

saxophon  
19.08.2008 07:54

[...]dass der Schild auch gegen Russland gerichtet sein könnte[...]
Was dagegen spricht: Nur 10 Abwehrraketen können gegen Rußland nichts ausrichten. Nicht mal 100 Raketen könnten das.

byron sully
17.08.2008 00:50
rein emotional

kann ich die position polens durchaus nachvollziehen. nach jahrzehnten sowjet-abhängigkeit und wichtiger moralischer unterstützung durch die usa sehr verständlich. dennoch aus meiner sicht eine völlig falsche und gefährliche entscheidung. so sehr ich tusk auch schätze, aber das hier kann nicht auf meine sympathie stoßen. polen sollte (gerade aufgrund der sowjet-erfahrungen 1945-1989) eigentlich wissen, was es heißt, sich zum sklaven einer großmacht zu machen. schade, daß polen zwar einerseits (im unterschied zu so manch anderen eu-ländern) eine (mir durchaus sympathische) distanz zu rußland unterhält (ebenso z.b. eine vorbildhafte china-linie fährt), aber gegenüber dem bush-regime leider keine derartige distanz schafft.

saxophon  
19.08.2008 07:55

Die NATO ist ein freier Bund der Völker. Ein Bund von demokratischen Staaten, angeführt von der einzigen demokratischen Großmacht der Geschichte die den Faschismus und den Kommunismus besiegt hat.
Das nur nebenbei.

byron sully
19.08.2008 13:17

"Ein Bund von demokratischen Staaten"

kleine korrektur: portugal war als faschistischer staat nato-gründungsmitglied, die mitgliedschaft der türkei wurde nach keinem der militärputsche ausgesetzt, ebensowenig die griechische unter der faschistischen militärregierung. im unterschied zur eu scheint demokratie keine nato-aufnahme-bedingung zu sein (außer, es gab in den letzten jahren eine änderung der kriterien).

saxophon  
19.08.2008 16:11

Mittlerweile sind alle Staaten demokratisch. Es gibt sogar amerikanische Pläne die NATO zum Bündnis aller Demokratien auszubauen, damit kein demokratischer Staat mehr Angst haben muss. Leider ist das bisher am europäischen Starrsinn gescheitert.

byron sully
19.08.2008 18:27
aha,

und die usa dürfen dann selber festlegen, was demokratisch ist? z.b.: saudi-arabien ja, bolivien nein? na bravo...

saxophon  
20.08.2008 07:40

Saudi-Arabien ist nicht NATO-Mitglied. Das Büdnis mit Saudi-Arabien ist eine strategische Notwendigkeit. Allerdings ist es ja gerade die Präsenz der Amerikaner im Land die für den Import westlichen Gedankenguts sorgt. Was ja mit ein Grund für die Abneigung der Al Kaida gegen die USA ist.

-Nathan-  
18.08.2008 15:46
ein Angriff auf Polen ist ein Angriff auf die gesamte NATO.

-3ter Weltkrieg.

byron sully
19.08.2008 13:10

ebenso auf die gesamte eu...

plau graut 
18.08.2008 17:17
ein wahrer Traum

für Rünstlinge..........

Lukasz 
17.08.2008 13:55
emotional - ende :)

um das überspitzt zu sagen: bin lieber ein sklave eines demokraten als eines tyrannen.
wer soll polen im falle der fälle beistehen? deutschland vielleicht? und ich sage das nicht negativ - die deutschen verfolgen ganz einfach eigene
ziele (siehe nordstream) und das ist auch verständlich und ok.
und zum schluss mal ehrlich - bedrohen 10 abwehrraketen (nicht vergessen, es sind ABWEHRraketen) die russen wirklich???? und auch wenn es 100
abwehrraketen wären......

Andreas Prucha
18.08.2008 03:56

So etwas wie reine Abwehrwaffen gibt es nicht. Abwehrwaffen verhindern auch einen Gegenschlag und ermöglichen damit einen Angriff.

saxophon  
19.08.2008 07:56

Und vor welchen Abwehrwaffen soll sich Rußland fürchten?
Vor 10 Raketen vielleicht?

byron sully
17.08.2008 15:28

"wer soll polen im falle der fälle beistehen? deutschland vielleicht?"

die eu.

"bedrohen 10 abwehrraketen (nicht vergessen, es sind ABWEHRraketen) die russen wirklich????"

das ist nicht die frage. gegenfrage: bedroht rußland polen wirklich? und damit meine ich nicht die antipolnische verbalen tiraden seitens moskaus oder mögliche wirtschaftliche sanktionen (kein öl u.ä.), sondern einen echten militärischen angriff.

saxophon  
19.08.2008 10:46

Die Europäer waren nicht einmal in der Lage den Bosnien-Einsatz ohne die USA zu organisieren.

byron sully
19.08.2008 13:24
ja, leider,

aber der bosnienkrieg war kein angriff auf ein eu-land.

saxophon  
19.08.2008 16:10

Aber er hat gut gezeigt das die Europäer weder fähig noch willens nicht auf ihrem eigenem Kontinent einen Konflikt zu lösen. Und die wollen Afrika befrieden?
Selten so gelacht.

Wolfrider
25.08.2008 19:43

die Russen haben es dageben geschafft, ohne amerikanische Hilfe einen Konflikt zu lösen

komischerweise sind jetzt alle darüber sauer

byron sully
19.08.2008 18:22
wir reden anscheinend aneinander vorbei,

ich rede von einem hypothetischen angriff aus ein eu-land, nicht um andere kriegs-/krisenherde von bosnien über ruanda bis georgien. wenn ein eu-land angegriffen wird, wird die eu wohl beistehen MÜSSEN, wenn sie ihre daseinsberechtigung nicht ad absurdum führen will - wille und militärische fähigkeiten hin oder her.

saxophon  
20.08.2008 14:16

Eine EU die vom ganzen Grundaufbau her nicht handlungsfähig ist, wird nicht auf einmal handlungsfähig werden nur weil sich eine andere Aufgabe stellt.
Ich glaube das ein Angriff auf ein EU-Land das Ende der EU wäre.

-Nathan-  
18.08.2008 15:46
die EU ?!-soll wohl ein Scherz sein.

-die NATO !!!

Lukasz 
17.08.2008 17:31

die eu?? bei aller liebe, die eu braucht doch noch selber einige jahre, um sich nach den erweiterung(en) neu zu konsolidieren. bin ja selber ein grosse befürworter der eu, aber man soll doch realistisch bleiben.
ob russland polen bedroht? ich glaube dass das nicht die richtige frage ist. wenn du einen nachbarn hast, der dich 10 mal abgewatscht hat, dann fragst du nicht mehr, ob er gerade im moment wieder lust hat dich noch einmal abzuwatschen, oder?
(ganz aktuell: georgien)

byron sully
17.08.2008 20:31
aber bitte,

sobald ein eu-staat angegriffen wird, wird die eu doch nicht so tatenlos zuschauen wie damals am balkan. das wäre dann ein angriff auf die gesamte eu (mit immerhin zwei mitgliedern, die in besitz von atomwaffen sind). da müßte schon ein völlig verrückter an der spitze rußlands stehen, um so einen angriff zu wagen. rußlands säbelrasseln ist das eine, aber wirklich eine militärische gefahr ist rußland momentan nur für den kaukasus, nicht für polen und auch nicht für die baltischen staaten. und auch nicht mehr für die ukraine, sonst wäre rußland dort anläßlich der orangenen revolution einmarschiert.

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