Sieben Tote bei Unwettern in Italien, Polen, Österreich und der Slowakei

15. August 2008, 21:32
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Frau in der Obersteiermark von Baum tödlich getroffen - Zehnjähriger Bub bei Turin vom Blitz erschlagen - Zwei Tote bei Musikfestival in der Slowakei

Turin/Warschau/Wien - Bei schweren Unwettern sind am Freitag in Norditalien, Polen und Österreich mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Bei Turin wurde ein zehnjähriger Bub vom Blitz erschlagen. In Genua ertrank ein 37-jähriger Italiener, der von den hohen Wellen des Mittelmeeres erfasst wurde und sich nicht retten konnte. Eine deutsche Touristin wurde noch vermisst. In Schlesien kam ein Mann im Sturm ums Leben, ein weiterer starb in der Woiwodschaft Lodz in Zentralpolen an einem elektrischen Schlag, nachdem der Wind eine Stromleitung heruntergerissen hatte. In Österreich wurde eine Frau von einem umstürzenden Baum erschlagen.

Die Frau war mit einer Wandergruppe auf der Schafferalm in St. Stefan ob Leoben unterwegs. Als die Wanderer in einen Hagelsturm gerieten, suchten sie Schutz unter einem Baum, der dann vom Sturm umgerissen wurde. Die 41-Jährige wurde vor den Augen ihres Mannes und ihrer Tochter tödlich verletzt. Auch in anderen Bezirken der Steiermark und in Kärnten kam es zu schweren Unwettern.

Tiroler in Italien aus überfluteten Bachbett gerettet

Ein durch die heftigen Regenfälle sich plötzlich mit Wasser füllendes Bachbett ist fünf Tiroler Urlaubern am Freitagabend beinahe zum Verhängnis geworden. Sie wurden in ihrem Pkw bei Digano in der norditalienischen Provinz Udine vom Wasser überrascht und mussten aufs Autodach flüchten. Von dort wurden sie mit einem Militärhubschrauber unverletzt geborgen.

Gegen 22.00 Uhr setzten die aus dem Tiroler Unterland stammenden Urlauber vom Autodach aus den Notruf ab. Das ausgetrocknete Bachbett hatte sich aufgrund der heftigen Niederschläge in der Region innerhalb kürzester Zeit mit Wasser gefüllt. Die Leitstelle Tirol lokalisierte dann innerhalb weniger Minuten den genauen Unfallort und leitete den Hilferuf an die italienischen Einsatzkräfte weiter. Ein in Udine stationierter Militärhubschrauber rückte schließlich aus, um die fünf aus ihrer misslichen Lage zu befreien.

Waldviertel: Blockierte Straßen wegen umgestürzter Bäume

Unwetter und Wind haben in der Nacht auf Samstag bzw. in der Früh zu mehreren umgestürzten Bäumen im Waldviertel im Raum Gmünd geführt. Diese blockierten in der Folge Straßen, heißt es aus dem Landesfeuerwehrkommando Niederösterreich.

Die Einsatzkräfte rückten aus, um die umgestürzten Bäume zu entfernen. Ansonsten sei es in der Nacht auf Samstag in Niederösterreich durchwegs ruhig verlaufen, hieß es vom Landesfeuerwehrkommando.

Gailtal: Überflutungen und Straßensperren

Die angekündigten Unwetter sind pünktlich am Freitag in Kärnten eingetroffen. Im Gailtal brachten sie rekordverdächtige Regenmengen von bis zu 150 Liter pro Quadratmeter, es gab Murenabgänge, Steinschlag, Hangrutschungen und Straßensperren, Hunderte Feuerwehrleute waren im Dauereinsatz. Insgesamt verlief die Nacht jedoch glimpflicher als befürchtet worden war, die Aufräumungsarbeiten werden aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Im Raum Hermagor waren bereits am Freitag in den frühen Morgenstunden die ersten Überflutungen gemeldet worden. Am Nachmittag gingen dann in der Bezirksstadt die Kanäle über, das Wasser sprudelte nur so aus den Gullys. Am Abend erreichte die Gail die Hochwassermarke, ebenso die Gurk. Beide Flüsse traten jedoch nicht über die Ufer.

Trotzdem wurden zahlreiche Straßen und Keller wurden überschwemmt, die Gailtal-Bundesstraße war zeitweise unpassierbar. Mehrere Straßen, so auch jene auf das Naßfeld, mussten gesperrt werden. Blockiert war auch die Katschberg-Bundesstraße B 99 nach einem Steinschlag, die Verkehrsfreigabe wurde für Samstagvormittag angekündigt.

In Kötschach-Mauthen schlug ein Blitz in eine Stromleitung ein und legte die Stromversorgung für insgesamt neun Häuser lahm. Verletzt wurde niemand. In Weißenstein im Drautal (Bezirk Villach-Land) kam es zu einer Hangrutschung, die das Nebengebäude eines 58 Jahre alten Pensionisten einzudrücken drohte. Das Haupthaus wurde sicherheitshalber evakuiert, alle fünf Betroffenen fanden bei Bekannten Unterkunft.

Am Wörthersee führte das schlechte Wetter dazu, dass die traditionelle Marienprozession, bei der eine Marienstatue mit einem Schiff über den See nach Maria Wörth gebracht wird, erstmals abgesagt werden musste. Und das, obwohl Kardinal Christoph Schönborn erstmals an der Veranstaltung teilnehmen wollte und eigens dafür nach Kärnten gekommen war.

Hagel in der Obersteiermark

In Seckau und St. Marein (beide Bezirk Knittelfeld) sowie in den Bezirken Burck/Mur und Mürzzuschlag wurden zahlreiche Autos, Häuser und Ackerflächen von Hagelkörnern - zum Teil so groß wie Tennisbälle - beschädigt. Die Feuerwehren mussten ausrücken, um von umgefallenen Bäumen versperrte Straßen frei zu räumen.

Burgenland: 20 Feuerwehren im Einsatz

Im Burgenland waren in der Nacht auf heute, Samstag, nach Gewittern mit starkem Regen rund 20 Feuerwehren im Einsatz. Die Helfer mussten zumeist Keller auspumpen und umgestürzte Bäume beseitigen, hieß es vom Landesfeuerwehrkommando auf APA-Anfrage. Einsätze gab es vom Südburgenland bis in den Landesnorden, die Arbeiten dauerten für einige Wehren bis in die Morgenstunden.

In Neuberg (Bezirk Güssing) und in Großpetersdorf (Bezirk Oberwart) fielen zwei Bäume auf Hausdächer. In Rotenturm, Riedlingsdorf und in Kotezicken mussten ebenfalls umgestürzte Bäume beseitigt werden. In Gols (Bezirk Neusiedl am See) und in Donnerskirchen standen einige Keller unter Wasser.

Aus Güttenbach (Bezirk Güssing) wurde ein Blitzschlag gemeldet. Der dabei entstandene Dachbrand hatte einen zweistündigen Feuerwehreinsatz zur Folge.

 

Deutsche nahe Genua vermisst

Von einer 27-jährigen deutschen Italien-Urlauberin, die bei Ventimiglia westlich von Genua trotz starken Windes und hoher Wellen ins Wasser gegangen war, fehlte am Abend noch jede Spur. Andere Badende konnten in höchster Not vor dem Ertrinken gerettet werden.

In einigen Gegenden Norditaliens prasselten bis zu vier Zentimeter große Hagelkörner vom Himmel. Bei Brescia erreichte der Wind Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern. Der Sturm knickte Bäume um und deckte Dächer ab. Die Feuerwehren rückten zu hunderten Noteinsätzen aus.

Polen: umgestürzte Bäume blockierten Straßen

Auch in Schlesien und in Zentralpolen blockierten vielerorts umgestürzte Bäume Straßen und Eisenbahnlinien. In Schlesien wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur PAP etwa 100 Häuser durch den Sturm beschädigt. Bei Czestochowa drängte ein starker Windstoß einen Reisebus in den Straßengraben, zwei Insassen erlitten Verletzungen.

Bereits am Freitag in der Früh hatten schwere Unwetter im Süden Polens schwere Schäden angerichtet. Tennisballgroße Hagelkörner hätten zahlreiche Autos in Kattowitz und anderen Städten Schlesiens beschädigt, berichtete das Fernsehen.

Zwei Tote bei Musikfestival in der Slowakei

Bratislava -  Zwei 17 und 18 Jahre alte Jugendliche sind in der Nacht zum Samstag bei einem Unwetter während eines Musikfestivals in der Westslowakei von einem Baum erschlagen worden. Eine 18-Jährige wurde schwer verletzt.

Nach Angaben der Polizei hatte das plötzlich hereingebrochene Unwetter mehrere Bäume in einem Zeltlager der Festivalbesucher am Rande der Stadt Jaslovske Bohunice umgerissen. Ein Baum stürzte direkt auf eines der Zelte und tötete die beiden jungen Männer. Das Festival wurde vorzeitig abgebrochen.  (APA/dpa)

 

 

 

  • Hermagor: Wege überschwemmt.
    Foto: APA-FOTO: BFKDO HERMAGOR

    Hermagor: Wege überschwemmt.

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