Mutmaßlicher Bankdaten-Dieb stellt sich der Polizei

15. August 2008, 14:57
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"Es waren bis zu 2,5 Millionen Datensätze - ich habe sie dreimal verkauft" - Noch keine Einzeilheiten bekannt

Im Skandal um die unerlaubte Weitergabe von Kontodaten tausender Verbraucher hat sich der mutmaßliche Daten-Dieb der Polizei gestellt. Der Mann habe bei der Polizei in Hannover eine Aussage gemacht, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach am Freitag. Einzelheiten seien allerdings noch nicht bekannt, da die Abschrift der Aussage erst am Nachmittag in Mönchengladbach eingetroffen sei und noch ausgewertet werden müsse.

Gesammelt

Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung hat der Mann zwölf Jahre lang im Geschäft mit Telefonwerbung gearbeitet. Vor zwei Jahren habe er Kundendaten der Süddeutschen Klassenlotterie auf CD gebrannt. "Es waren bis zu 2,5 Millionen Datensätze - ich habe sie dreimal verkauft", zitierte die Zeitung den mutmaßlichen Dieb. Aus den Daten seien dann die 17.000 Datensätze mit Kontoverbindungen gefiltert worden.

Alles auf CD

Den Skandal ins Rollen gebracht hatte eine CD-Rom mit persönlichen Informationen wie Namen, Adressen, Telefonnummern und Kontonummern von rund 17.000 Bundesbürgern. Der Datenträger war der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein nach deren Angaben am Montag zugespielt worden war. Die CD-Rom steht demnach in Zusammenhang mit Werbeanrufen eines Glücksspielanbieters und illegalen Kontoabbuchungen bei Verbrauchern in den vergangenen Wochen. Entsprechende Beschwerden hatten sich zuletzt bei Verbraucherzentralen im gesamten Bundesgebiet gehäuft.

Mehr Daten

Der Auslöser des Skandals um den illegalen Handel mit Bankdaten hat nach eigenen Angaben noch viel mehr Datensätze als die der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein zugespielte CD mit 17.000 Kundendaten. "Das war nur ein erster Datensatz, tatsächlich habe ich die Adressen und Bankdaten von 1,5 Millionen Kunden gesichert", sagte der 36-jährige Detlef Tiegel dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Der als ehemaliger Mitarbeiter eines Lübecker Callcenters vorgestellte Mann schildert in dem Bericht, dass der Geschäftsführer des Unternehmens den Callcenter-Agenten die offenbar illegal beschafften Daten aushändigte samt einer Anweisung, wie sie bei ihren Anrufen vorzugehen hätten. "Ich will, dass solche Machenschaften aufhören, deshalb mache ich sie jetzt öffentlich", sagte Tiegel dem "Spiegel".

Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach ermittelt wegen des Falles gegen eine Firma aus Viersen. Nach Angaben der Behörde hat inzwischen auch ein Mann bei der Polizei in Hannover eine Aussage zu einem Datendiebstahl gemacht. Diese sei allerdings für die eigenen Ermittlungen nicht von Bedeutung, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. (APA/AFP)

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