Holender: "Ich habe keinen beruflichen Stress"

17. August 2008, 17:00
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    ap/punz

    Staatsoperndirektor Ioan Holender amtiert seit 1992. Er ist fünffacher Ehrendoktor, Träger des Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien und des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien sowie des Goldenen Ehrenzeichens der Republik Österreich und des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse.

Staatsoperndirektor Ioan Holender macht "immer etwas" - Der 73-Jährige im Karriere-Telegramm über berufliche Vorbilder und seinen größten Erfolg

"Mein größter Erfolg ist, dass ich der am längsten amtierende Staatsopern-Direktor in der 140 jährigen Geschichte des Hauses bin", meint Ioan Holender im Karriere-Telegramm von derStandard.at. Holender steht seit 1992 an der Spitze der Staatsoper.

Von der Politik wünscht sich der 73-Jährige, der noch bis 2010 amtieren wird, die "sofortige Entscheidung zum Mehrheitswahlrecht".

derStandard.at: Wie sieht der "typische" Arbeitstag von Ioan Holender aus?

Holender: Im Büro ab 9, am Telefon ab 8, nie nach 23 Uhr, zum sehr späten Mittagessen meistens daheim, meistens vier Mal wöchentlich auch von 19-22 Uhr.

derStandard.at: Wie viele Stunden arbeiten Sie im Schnitt pro Woche?

Holender: Oft ist meine Arbeit keine als solche empfundene; wie soll ich Wochenstunden ausrechnen? Sind Reisen, Vorstellungen, Literatur lesen Arbeit? Manchmal ja, manchmal sind sie Vergnügen, aber selten.

derStandard.at: Wie entspannen Sie sich vom beruflichen Stress?

Holender: Ich habe keinen beruflichen Stress. Ob Tennis, schwimmen (1/2 Std. ununterbrochen) oder Heimrad (40 Min.) - irgendetwas mache ich immer.

derStandard.at: Welches Rezept haben Sie, um Berufliches und Privates unter einen Hut zu bringen?

Holender: Es ergänzt sich und befruchtet sich oft gegenseitig - meine Tochter ist begeistert in der Kinderopernschule, meine Sohn ist ein großer Wagnerianer, meine Frau ist Operndramaturgin und unterstützt mich, doch oft fällt es mir schwer, um sieben am Abend alle da zu lassen und der Tochter nicht vorlesen zu können und in die Vorstellung zu gehen.

derStandard.at: Welche Rolle spielen für Sie berufliche Netzwerke beim Erklimmen der Karriereleiter?

Holender: Ich habe keine beruflichen Netzwerke und erklomm keinerlei Leiter. Ich kenne Menschen, die ich schätze, und es gibt Menschen, die mich und/oder meine Arbeit schätzen.

derStandard.at: Was war Ihr bis jetzt größter Karriereerfolg bzw. Karriereflop?

Holender: Mein größter Erfolg ist, dass ich der am längsten amtierende Staatsopern-Direktor in der 140 jährigen Geschichte des Hauses bin. Einen entscheidenden Flop verursachte mir der Ausschluss aus den Hochschulen mit 22 Jahren, als ich vor dem absoluten Nichts stand.

derStandard.at: Wie lautet Ihre berufliche Devise?

Holender: Alles zu tun, um die höchst mögliche Qualität im Ergebnis zu erreichen. Nicht die Verpackung ist wichtig, sondern was verpackt wird. Doch beides ist wichtig.

derStandard.at: Haben sie ein berufliches Vorbild?

Holender: Carlos Kleiber in seiner Besessenheit zum Erstreben des Absoluten, August Everding wegen seiner Intelligenz und Eberhard Waechter wegen seiner Gelassenheit.

derStandard.at: Wenn Ihnen ein Wunsch von Seiten der Politik erfüllt werden würde, welcher wäre das?

Holender: Die sofortige Entscheidung zum Mehrheitswahlrecht.

derStandard.at: Sollten alle Gehälter in Österreich transparent gemacht werden?

Holender: Ja, bei allen aus Steuergeld erhaltenen Betrieben und Einrichtungen.

derStandard.at: Welchen Traumberuf hatten Sie in der "Sandkiste"? Was wollten Sie früher einmal werden?

Holender: Mit Sicherheit nicht das, was ich geworden bin.

derStandard.at: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Holender: Hoffentlich noch im Leben und gesund. (derStandard.at, 17.8.2008)

 

Zur Person:

Ioan Holender wurde am 18. Juli 1935 in Timisoara (Rumänien) geboren. Nach der Matura studierte er in seiner Heimatstadt Maschinenbau. Mit 22 Jahren wurde er wegen seiner Teilnahme an den Studentenbewegungen aus politischen Gründen von allen Hochschulen des Landes exmatrikuliert. Dann arbeitete er als Tennistrainer und begann mit einem Gesangsstudium.
Seit Anfang 1959 lebt er in Österreich, studierte Gesang am Konservatorium der Stadt Wien und schloss 1962 mit der Reifeprüfung ab.

Von 1962-1966 war er als Opernbariton und Konzertsänger tätig. Später war Holender Chef der Theateragentur Straka. Im Jahr 1988 wurde er als Generalsekretär an die Wiener Staatsoper und Volksoper Wien berufen und ab 1. April 1992 nach dem Tod Eberhard Waechters zum Direktor beider Häuser bestellt. Die Leitung der Volksoper gab Holender 1996 ab. Der 73-Jährige wird noch bis 31. August 2010 als Direktor der Staatsoper amtieren. Holender ist verheiratet, hat zwei Söhne und eine Tochter.

Nachlese:

Brigitte Ederer: "Ich wollte zuerst Schaffnerin und dann Schauspielerin werden"

 

Kommentar posten
12 Postings
Tristan Rex
01
3.12.2008, 20:25

Ein unangenehmer Mensch mit grossem Mundwerk und schlechten Manieren.

dagobert wien
00
20.8.2008, 12:05

na klar bei der gage - hätte ich auch keinen stress

Herbert Lauritz
01
18.8.2008, 21:23
Idealist

Am besten finde ich seinen Vorschlag, den Opernball ins Schloss Schönbrunn zu verlegen. Ansonsten toll, dass jemand mit 73, obwohl er sich schon längst zur Ruhe setzen hätte können, immer noch so voller Enthusiasmus sein Zepter schwingt. Respekt!

01
 
02
...

Dieser Mann strotzt vor Eitelkeit und Egozentrik. - Dass er immer noch arbeitet sehe ich eher als die Schwäche nicht loslassen zu können.

qwert zuiop
00
18.8.2008, 13:39

unverblümt und direkt. so wie es sein soll.

April O'Neil
 
02
17.8.2008, 22:52

es tut ihm leid dass er seiner tochter nicht am abend vorlesen kann??
wie alt ist bitte seine tochter, wenn er 73 ist?

Schottentor U-Bahn
00
20.8.2008, 16:39
Biologieunterricht für Einsteiger:



Im Gegensatz zur Damenwelt sind viele Herren auch im höheren Alter noch zeugungsfähig.

Nota bene!
00
19.8.2008, 07:43
Recherche mit Google, Altavista & Co. - schon mal probiert?

Zomby Woof
00
18.8.2008, 13:37

1998 geboren

ich nicht
25
17.8.2008, 18:44
wenne r keinen stress hat, sollte der herr hollender einmal zum elmayer gehen und einen kurs fuer gutes benehmen besuchen...

Che Carbonara
28
17.8.2008, 17:44
Ich bin in vielen Dingen überhaupt nicht mit ihm einverstanden

aber er ist eine mit viel Ironie ausgestattete Persönlichkeit, die z. B. TV-Debatten durch witzige Beiträge bereichert.
Ich glaube, sein Geheimnis ist, dass er so eitel ist, wie gerade nötig, aber nicht mehr. Dass er keine falsche Bescheidenheit vorspielt, sondern durchaus pointiert provozieren kann, finde ich an ihm sehr sympathisch.
Solche Persönlichkeiten, die nicht durch Spin-Doctors und PR-Trainings total abgeschliffen wurden, sondern ihre Eigenheiten behalten haben und es nicht jedem recht machen wollen, sind im öffentlichen Leben leider sehr, sehr rar geworden

Dr. Lari and Mr. Fari
 
01
18.8.2008, 10:30
Im übrigen wird Holender nicht nur als längstdienender Chef der Wiener Oper

in die Geschichte eingehen, sondern auch als ein zumindest wirtschaftlich höchst erfolgreicher und im wesentlichen auch "skandalfreier". Skandalfrei nicht im Sinne von Fehlen von Pfiffen und Buhs für Neuinszenierungen - sowas ist im Theaterbetrieb sicher unvermeidlich bis notwendig, sondern verglichen mit den Sachen, die man in den alten Editionen vom "(Neuen )Merker" z. B. aus den 50er-Jahren nachlesen kann; im Sinne finanzieller Gestion schon lange.

Wenn er gerne ätzt, so ist das sein gutes Recht; und meist hatte er mit seine Ätzereien obendrein recht...

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