Russland droht Polen wegen Raketenschilds

15. August 2008, 17:40
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USA stationieren Luftabwehrraketen vom Typ Patriot - Polens Forderung nach einer größeren Militär-Kooperation akzeptiert

Dass sich Polen und die USA nun so schnell auf die Errichtung eines US-Raketen-Abwehrschilds auf polnischem Boden einigen konnten, hatte niemand erwartet. Am Donnerstagabend trat Polens liberalkonservativer Premier Donald Tusk überraschend vor die Kameras: "Wir haben den Rubikon überschritten!", erklärte er. Der Weg zu einem neuen Militärbündnis zwischen Polen und den USA sei frei. Stolz verkündete Tusk, dass die Amerikaner unter dem Eindruck des Georgien-Krieges die polnischen Forderungen nach Patriot-Raketen erfüllt hätten.

Damit werde Polen künftig Angriffe durch Kurz- und Mittelstreckenraketen abwehren können. Obwohl der Premier mit keinem Wort Russland erwähnte, war klar, welches Land er mit "Aggressor" oder "Drittstaat" meinte.

Zudem, so Tusk weiter, hätten die Amerikaner zugestimmt, in Polen eine ständige Militärbasis mit zunächst 200 Soldaten einzurichten. Polen wird einen Teil der Erhaltungskosten für diese Militärbasis übernehmen.

Schritt kann nicht ungestraft bleiben

Russland, das seit Beginn der Verhandlungen im Jahr 2005 immer wieder vehement gegen den Raketenabwehrschild protestiert hatte, sagte zunächst den für Anfang September geplanten Besuch von Außenminister Sergej Lawrow in Warschau ab.

Gestern drohte der russische General Anatoli Nogowizyn unverhohlen mit Vergeltungsmaßnahmen. Dieser Schritt könne "nicht ungestraft bleiben", erklärte der stellvertretende Generalstabschef laut der Nachrichtenagentur Interfax. Polen setze sich mit diesem Abkommen zu 100 Prozent der Gefahr eines Angriffs aus. Schon vor Wochen hatte Moskau angekündigt, Atomraketen in Weißrussland zu stationieren und sie als Antwort auf den polnisch-amerikanischen Raketenschild auf Polen und Westeuropa auszurichten. (Gabriele Lesser aus Warschau/DER STANDARD/Printausgabe, 16.8.2008)

 

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    US-Chefverhandler  John Rood und der polnische Außenminister Andrzej Kremer unterzeichneten die Vereinbarung.

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