Polizei prüft auf Mitwisserschaft im Mordfall Strasshof

17. August 2008, 18:18
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Die Ermittlungen werden durch einen Verwandten des Hauptverdächtigen komplizierter - Begünstigung im Familienverband ist straffrei, die Beteiligung an einer Straftat nicht

Hat ein Verwandter den mutmaßlichen Vierfachmörder von Strasshof, Josef B. (66), unterstützt? Und wenn ja, wie? Das sind die zentralen Fragen, denen die Staatsanwaltschaft Korneuburg und das Landeskriminalamt Niederösterreich nachgehen.
Faktum ist, dass nur einen Tag nach der Verhaftung des Tatverdächtigen auf einem Campingplatz im Waldviertel auch der 45-jährige Verwandte festgenommen wurde. Chefinspektor Leopold Etz bestätigte am Sonntag auf Standard-Anfrage entsprechende Medienberichte, sparte aber auch nicht mit Kritik: "Aus kriminaltaktischen Gründen hätten wir diesen Umstand der Öffentlichkeit gern erst nach dem Wochenende mitgeteilt."

Kontakt per SMS und E-Mail

Ob dem Verwandten ein strafrechtlicher Vorwurf gemacht werden kann, steht noch nicht fest. Begünstigung im Familienverband ist straffrei, nicht aber die Beteiligung an einer Straftat. Sollte der Verwandte lediglich Kontakt mit dem mutmaßlichen Mörder, der ja sieben Wochen untergetaucht war, gehalten haben, hat er wahrscheinlich nichts zu befürchten. Die beiden sollen via SMS und E-Mail kommuniziert und dafür auch eine Reihe von Kennwörtern vereinbart haben.

Sollte sich jedoch herausstellen, dass der Verwandte schon vor dem Verbrechen eingeweiht war, könnte eine Anklage wegen Beihilfe zum Mord drohen. Die Polizei überprüft noch, ob er durch den gewaltsamen Tod der vier Menschen erbrechtlich begünstigt ist. Der 45-Jährige weist diese Spekulationen aber entschieden als falsch zurück.

Wie berichtet, soll Josef B. Anfang Juli zwei Geschwister und deren Ehepartner in Strasshof erschossen haben. Wahrscheinliches Motiv: Seine Schwester hatte die Miete für die Wiener Wohnung, in der er wohnte, die aber ihr gehörte, erhöht. Und zwar um so viel, dass er sich die Bleibe nicht mehr leisten konnte und delogiert wurde. Dieser Umstand dürfte aber nur der Auslöser gewesen sein, laut Polizei soll es seit Jahren immer wieder Familienstreitigkeiten gegeben haben. So gab B. beispielsweise an, als Kinderschänder denunziert worden zu sein. Was die, die es getan haben sollen, aber abstreiten.

Nach dem Verbrechen wurde der Verdächtige in Tschechien und der Slowakei vermutet, bis er schließlich vergangenen Donnerstag auf dem Zeltplatz in Niederösterreich verhaftet worden war. Anderen Campern war der Mann mit den dicken Brillengläsern verdächtig erschienen, als sie bemerkten, dass er sich stets umständlich mit einer weißhaarigen Perücke "verkleidete" . (simo/DER STANDARD; Printausgabe, 18.8.2008)

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    Der mutmaßliche Vierfachmörder von Strasshof konnte am Donnerstag auf einem Campingplatz beim Stausee Ottenstein im Waldviertel verhaftet werden. Nun konnte ein möglicher Mitwisser eruiert werden.

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