Schwarzer Tag für Favoriten

14. August 2008, 15:56
34 Postings

Federer und beide Williams-Schwestern im Viertelfinale out - Turniertag dauerte wegen Regens bis weit nach Mitternacht

Peking - Das olympische Tennisturnier in Peking wird als eines der verrücktesten in die Geschichte eingehen. Vor allem der drittletzte Turniertag, der mit dem überraschenden Aus für Roger Federer und die beiden Williams-Schwestern schon im Viertelfinale zum schwarzen Tag für die Stars wurde. Weil zudem wegen Regens am Donnerstag mit fast vierstündiger Verspätung begonnen wurde, retournierte etwa Rafael Nadal beim 6:0,6:4-Erfolg gegen Jürgen Melzer den ersten Aufschlag des Niederösterreichers erst fünf Minuten nach Mitternacht.

Während der serbische Mitfavorit Novak Djokovic seinen Matchball beim 4:6,6:1,6:1 gegen den Franzosen Gael Monfils kurz vor ein Uhr früh zum Aufstieg ins Halbfinale gegen Nadal verwandelte, schockte Federer mit dem frühen Aus nicht nur seine Fans. Denn der verunsicherte Schweizer, der am kommenden Montag nach einer Serie unerwarteter Niederlagen auf der Tour nach jahrelanger Regentschaft von Nadal als Nummer eins der Welt abgelöst wird, musste damit seinen Traum von einer Olympia-Medaille im Einzel auch beim dritten Anlauf vorzeitig begraben.

Dritter Fehlanlauf von Federer

Der Schweizer verlor auf dem Centercourt gegen den u.a. von Microsoft-Gründer Bill Gates angefeuerten James Blake mit 4:6,6:7 (2), gegen den er in zuvor acht Vergleichen nur einen Satz abgegeben hatte. Das "Seuchenjahr" des 27-Jährigen, das mit der Finalniederlage in Wimbledon gegen den Spanier Rafael Nadal seinen bisherigen Höhepunkt hatte, setzte sich auch bei Federers dritten Olympischen Spielen fort.

Das Scheitern der Favoriten feierte danach auch bei den Damen fröhliche Urständ'. Nach Serena Williams verabschiedete sich auch deren Schwester Venus in der Runde der letzten Acht. Zur Freude der Olympia-Gastgeber verlor die Wimbledonsiegerin aus den USA gegen die Chinesin Na Li mit 5:7,5:7 und bleibt damit ebenso ohne Einzelmedaille wie ihre Schwester Serena, die Jelena Dementjewa 6:3,4:6,3:6 unterlag.

Kein Act der Williams-Sisters

Na Li trifft am Freitag im Halbfinal-Match um eine Medaille nun auf die neue Nummer eins der Tennis-Welt, Jelena Jankovic aus Serbien, oder die Russin Dinara Safina. Dieses Match begann wegen der enormen Verzögerung erst nach ein Uhr früh. Dementjewa erwartet die Bammer-Bezwingerin Wera Swonarewa, damit hat Russland eine Tennis-Medaille bereits sicher.

"Ich bin einfach nur enttäuscht", sagte Federer und flüchtete nach dem erneuten Olympia-Aus in die Kabine. In Sydney 2000 war er im Halbfinale dem Deutschen Thomas Haas unterlegen, anschließend im Spiel um Platz drei dem Franzosen Arnaud di Pasquale. Vor vier Jahren in Athen kam das Aus schon in der zweiten Runde gegen den Tschechen Tomas Berdych.

Sein Bezwinger Blake ("Jetzt kann ich meinen Kindern und Enkeln erzählen, dass ich den besten Spieler der Welt geschlagen habe. Das war mein Tag") bekommt es auf dem dem Weg zu seiner ersten Medaille mit dem Olympia-Dritten von 2004, Fernando Gonzalez zu tun. Erst nach diesem Einzel und damit deutlich nach Mitternacht kämpfte Federer, der nach dem Einzel-Out den Platz mit hängendem Kopf verließ, ab 0.45 Uhr Ortszeit zusammen mit Stanislaw Wawrinka um die Chance, am Freitag wenigstens im Doppel-Halbfinale eine Chance auf eine Medaille zu bekommen. Erst danach wollte Federer erstmals zu den Medien sprechen.

Der drittletzte Turniertag zeigte besonders deutlich wie schwierig es ist, ein Tennisturnier mit zwei 64er-Einzelrastern und zwei Doppelbewerben in einer Woche auf einer Anlage durchzuziehen. Der erste Tag war zudem wegen Regens fast komplett ausgefallen, der Donnerstag übertraf aber alles bisher Dagewesene.

Es ist freilich ein hausgemachtes Problem, weil die Profitouren der Damen und Herren nicht mehr Zeit lassen. Schon am kommenden Montag beginnt in New Haven/USA das letzte große Vorbereitungsturnier auf die US Open. Das letzte Major des Tennis-Jahres wird einen Tag, nachdem in Peking die Spiele beendet werden, gestartet. (APA)

 

 

 

 

  • James Blake ist irgendwie besser drauf.
 

    James Blake ist irgendwie besser drauf.

     

Share if you care.