"Man findet immer Zeit zum Lernen"

22. August 2008, 10:27
46 Postings

Auf die richtige Selbstorganisation kommt es an, meint ein Vertriebsleiter und zukünftiger "Akademischer Business-Manager"- Im Gespräch verrät er wie er Job, Kinder und Lehrgang managt

Ein wenige Monate altes Baby, eine vier-jährige Tochter, den Job als Vertriebsleiter Österreich eines großen internationalen Schuhherstellers und die Weiterbildung zum "Akademischen Business-Manager", das alles versucht der Kärntner Mario Aichholzer derzeit unter einen Hut zu bringen. Und es gelingt ihm scheinbar recht gut: Die Teilprüfungen des ersten Semesters habe er mit Einsern und Zweiern abgeschlossen, verrät der 34-Jährige nicht ohne Stolz - und das zu Recht, die Vereinbarkeit mit der Familie fällt nämlich nicht immer leicht.

Großer Zeitaufwand

Der Zeitaufwand sei nicht zu unterschätzen: Jedes zweite Wochenende heißt es anwesend sein, von Freitagnachmittag bis um 22 Uhr, am Samstag geht es ganztägig weiter. Dazwischen treffen sich noch Lerngruppen am Wochenende. Wann findet man da Zeit zum Lernen und Vorbereiten? "Am Abend daheim - irgendwann muss man es unterbringen. Zwei Stunden ist man dann eben einfach einmal nicht für die Familie da und lernt."

Ob die Vereinbarkeit mit der Familie schwierig ist? "Ja und nein. Am Anfang habe ich es ein bisschen unterschätzt, "das war fast bei allen so", erzählt Aichholzer. Mit seiner Frau hat er über den Zeitaufwand schon vorher gesprochen und dann gemeinsam entschieden. "Natürlich kann man es vorher nicht so gut abschätzen. Emotional ist es bei mir zu Beginn schon etwas auf und ab gegangen, weil unsere zweite Tochter auf die Welt gekommen ist und wir viele Nächte durchgemacht haben." Aber dann habe es doch irgendwie geklappt.

Viel unterwegs

Eine zusätzliche Schwierigkeit: Als Vertriebsleiter ist er sowieso schon viel unterwegs. "Ich habe mit der Weiterbildung angefangen, als ich beruflich absolut überhaupt keine Zeit hatte, denn im Februar fängt die Saison an, wo ich auch am Wochenende oft beruflich in Österreich unterwegs bin." Ende August hat die zweite Saison gestartet - die nächste Hürde - denn sie dauert wieder bis Ende Oktober und da läuft dann bereits das nächste Semester.

"Als die Prüfungen vor dem Sommer immer näher gekommen sind, habe ich schon ab und zu gedacht, warum tue ich mir das an? Ehrlich gesagt habe ich das Lernen auch ein bisschen auf die leichte Schulter genommen. Auch alle anderen sind ein bisschen nervös geworden." Sein Tipp nach dem ersten Semester: Laufend mitlernen, das erleichtere das Ganze ungemein.

Nach langer Suche Passendes gefunden

Froh ist er trotzdem, dass er sich für den Lehrgang entschieden hat. "Ich habe gemerkt, dass meine bisherige Ausbildung nur bis zu einem gewissen Punkt reicht, vor allem im Kundengespräch", erklärt der 34-Jährige einen seiner Beweggründe. Durch Zufall ist er dann auf das Weiterbildungsangebot gestoßen und hat es dem Personalchef vorgeschlagen. Das Unternehmen übernimmt in seinem Fall auch die Kosten, es sei Teil der Firmenkultur, dass Weiterbildung gefördert wird. "Ein Kollege aus der Slowakei hat den Kurs auch schon absolviert, er hat mich darin bestätigt, dass es inhaltlich auch das ist, was ich gesucht habe."

Einen kompletten Betrieb "durchmachen"

Die berufsbegleitende Weiterbildung zum "Akademischen Business-Manager" ist ein Lehrgang universitären Charakters. In vier Semestern machen die 23 Weiterbildungswilligen einen kompletten Betrieb durch: Kosten und Finanzen, Buchhaltung und Kostenrechnung, Unternehmensführung, Marketing und Projektmanagement.

"Als Absolvent werde ich wissen, was am 'anderen Ende der Betriebsstraße' passiert, wenn ich etwas verändere und wo ich bei Problemen, zum Beispiel im Personalmanagement, ansetzen muss. Wir sind im Lehrgang aus verschiedenen Branchen komplett bunt zusammen gewürfelt und auch vom Niveau her: Banken-, Baustoff-, Hotelbranche und selbstständige Projektmanager - alles quer Beet", erzählt Aichholzer. Ihm ist wichtig, dass die Vortragenden aus der Praxis kommen - zum Beispiel Unternehmensberater. "Der Stoff ist ja relativ trocken und abstrakt, da hilft die Untermalung mit Beispielen viel."

Als Draufgabe einen MBA?

Schließt man den Lehrgang mit einem Zweier ab, kann man auch noch einen MBA draufsetzen. Und - wie sieht es aus mit der Motivation zum MBA unter den Kursteilnehmern? "Am Anfang wollten ihn alle machen. Nach dem ersten Semester haben dann viele gesagt: "Naja, schauen wir einmal", erzählt der zukünftige Akademische Business-Manager mit einem Augenzwinkern. (mat, derStandard.at, 16.9.2008)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Karriere und ein intaktes Familienleben lassen sich mitunter schwer vereinbaren - vor allem dann, wenn auch noch die Wochenenden für einen Lehrgang 'draufgehen'. (Archivbild)

Share if you care.