Fälschungsverdacht in Innsbruck

14. August 2008, 13:45
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Medizinische Universität Innsbruck fordert Prüfarzt auf, Publikation aus zwei Journalen "unverzüglich zurückzuziehen"

Innsbruck - Massive Vorwürfe in Bezug auf eine Studie gibt es an der Urologie der Universität Innsbruck: Nachdem die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in einem Prüfbericht von Anfang August die Harninkontinenzstudie vehement kritisiert hatte, hat die Medizinische Universität Innsbruck den verantwortlichen Prüfarzt Univ.-Prof. Hannes Strasser aufgefordert, "die gegenständliche Publikation in den wissenschaftlichen Journalen 'Lancet' und 'World Journal of Urology' unverzüglich zurückzuziehen". Das teilte die Uniklinik in einer Aussendung mit. Dadurch soll "noch größerer Schaden für die Universität" abgewendet werden, erklärte ein Sprecher der Klinik der APA am Donnerstag.

Aufforderung

Dabei handle es sich lediglich um eine Aufforderung und nicht um eine Dienstanweisung, meinte der Sprecher. Die Universitätsklinik für Urologie wird seitens der Universität Innsbruck aufgefordert, sich von den Bezug nehmenden Arbeiten "umgehend in angemessener Form zu distanzieren". Derzeit würden noch abschließende Erhebungen durchgeführt, um über mögliche disziplinarrechtliche Konsequenzen zu entscheiden. Ein Ende der Untersuchungen sei vorerst noch nicht abzusehen, sagte er.

AGES-Kritik

Die AGES hatte in ihrem Bericht kritisiert, dass "die der Publikation zugrundeliegende Phase-III-Studie ohne Arzneimittelbeirat-Gutachten und daher ohne behördliche Begutachtung und Genehmigung, ohne das nötige Ethikkommissionsvotum und ohne Meldung bei der ärztlichen Direktion der TILAK (Tiroler Landeskrankenanstalten GesmbH) durchgeführt wurde", hatte die "Tiroler Tageszeitung" (TT) berichtet. Von Seiten der AGES wurden keine Details der Studie bekanntgegeben. "Wir dürfen über Inhalt und Details nicht sagen. Wir unterliegen der Amtsverschwiegenheit", schilderte Manuela-Claire Warscher von der Agentur.

Darüber hinaus hätten die Inspektoren den Verdacht geäußert, dass die Studie möglicherweise als "virtuelle Studie" nachträglich über die therapierten Patientinnen "gestülpt" worden sei, da die vorgelegten Studiendokumente zahlreiche Authentizitätsprobleme aufweisen würden. "Die Inspektoren äußern daher Zweifel an der Existenz der Studie und den Verdacht auf Dokumentenfälschung", hieß es in dem Bericht.

Entlastung und Gelassenheit

Der Vorstand der Urologie, Georg Bartsch, sei in dem Prüfbericht entlastet worden. Im Gegensatz dazu hätten die Inspektoren dem Urologen Hannes Strasser in seiner Eigenschaft als Prüfarzt die Verantwortung zugesprochen. Strasser sehe den Endbericht gelassen. Die Therapie sei kein Arzneimittel und daher seien Gesetz und Leitlinien auch nicht ausschlaggebend. Eine entsprechende Regelung für diese Art von Therapien würde derzeit von der EU-Kommission ausgearbeitet.

Strasser war in der Vergangenheit ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, nachdem ein deutscher Patient die TILAK Anfang April auf Rückerstattung der Behandlungskosten geklagt hatte. Die Stammzellentherapie gegen Harninkontinenz an der Universitätsklinik Innsbruck hatte bei ihm nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Zudem sei er nicht ausreichend über den experimentellen Status der "nicht wissenschaftlich anerkannten Stammzellen-Therapie" aufgeklärt worden. (APA)

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