Bestürzung in Tirol über Fraueneinkommen

14. August 2008, 13:18
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ÖVP bemangelt Kinderbetreuungsangebot - SPÖ sieht Frauen zu Teilzeit "verurteilt" - Grüne nennen niedrige Fraueneinkommen "Hohn"

 

Innsbruck - Von "alarmierend" bis hin zu einem "Trauerspiel" reichen die Reaktionen der Tiroler Parteien und Gewerkschaften über die vorletzte Platzierung des Landes in der aktuell veröffentlichten bundesweiten Einkommensstatistik 2007 des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Mangelnde Kinderbetreuung als Grund

Es sei ein "Hohn", dass sich das "Trauerspiel" der niedrigen Einkommen der TirolerInnen und vor allem die Kluft zwischen den monatlichen Bruttoeinkünften der Männer und jenen der Frauen "Jahr für Jahr wiederhole", haben die Tiroler Grünen das Ergebnis kommentiert. Für die Volkspartei war klar, dass der "Wiener SPÖ-Zentralismus in ländlichen Regionen nicht funktioniere". Frauen müssen immer öfters Teilzeitbeschäftigungen annehmen, weil eine entsprechende Kinderbetreuung für sie nicht möglich sei, erklärte VP-Abgeordnete Astrid Stadler die um 33 Prozent geringeren Einkommen der Frauen. "Wir brauchen in Tirol vonseiten des Bundes mehr Einsatz für Frauen und eine offene und flexible Unterstützung zum Ausbau der Kinderbetreuung", forderte sie.

Als "alarmierend" bezeichnete SPÖ-NR Gisela Wurm die jüngsten Zahlen und damit den "hinteren Rang" Tirols in der österreichweiten Statistik. "Viele Frauen sind zu Teilzeitarbeit 'verurteilt'. Im Land fehlt es an einer arbeitsmarktpolitischen Gleichberechtigung, Lippenbekenntnisse sind zu wenig", ärgerte sich die Abgeordnete.

KPÖ fürchtet "sozialen Konkurs" für Tirol

Die Tiroler KPÖ "gratulierte" SPÖ und ÖVP satirisch, dass es Tirol Dank ihrer Politik auf den vorletzten Platz der Einkommensstatistik "geschafft" habe. "In Tirol ist die ökonomische Basis für ein Drittel der Einwohner eng bemessen", weiß Josef Stingl, "viele müssen sich bei Bekleidung, Heizen und Essen einschränken oder können es sich gar nicht mehr leisten." Werde nicht gegengelenkt, steuere Tirol auf einen "sozialen Konkurs" zu.

Saisonale Ausrichtung am Arbeitsmarkt

Die niedrigen Löhne in den Branchen Handel und Tourismus sowie die starke saisonale Ausrichtung im Tourismus und in der Bauwirtschaft waren für den Tiroler ÖGB-Vorsitzenden Franz Reiter die Gründe für die geringen Einkommen im Land. "Zusätzlich wird die Situation für die Beschäftigten durch die enormen Kosten für Wohnen, Pendeln, Kinderbetreuung und durch die Belastungswelle durch die Bundesregierung verschärft", kommentierte Reiter das Ergebnis. (APA)

 

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