Eine Spritze Insulin alle zwei Wochen

14. August 2008, 11:52
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Schweizer Wissenschafter entwickelten neues Verfahren zur Verabreichung von Medikamenten - An Hydrogele gebundene Wirkstoffe sollen injiziert werden und ein Depot im Körper bilde

Zürich -  Ein Forschungsteam der ETH Zürich hat ein neuartiges Material entwickelt, das in Zukunft die tägliche Insulinspritze ersetzen könnte. In der Fachzeitschrift "Nature Materials" wurde vor wenigen Tagen eine erste Studie dazu publiziert.

Injektion - Belastende Prozedur

Bei gewissen chronischen Krankheiten - zum Beispiel Diabetes - muss ein Wirkstoff täglich oder gar mehrmals täglich gespritzt werden. Dies ist nicht nur für die betroffenen Patienten eine belastende Prozedur, jeder Stich birgt außerdem ein Infektionsrisiko. Seit langem versuchen Forscher in aller Welt das Problem zu lösen. Bis jetzt ist es aber nicht gelungen, Insulin beispielsweise in Tablettenform zu verabreichen.

Internationales Expertenteam

Wissenschafter der ETH Zürich beschreiten deshalb innovative Wege, um eine bessere Lösung zu finden. Ein internationales Forschungsteam aus Biotechnologen, Polymerchemikern und Materialwissenschaftlern der ETH und des Universitätsspitals Zürich hat ein neuartiges Verfahren entwickelt, das die tägliche Spritze ersetzen könnte.

Gel aus dünnen Polymerfäden

So soll es funktionieren: Nur noch alle zwei bis vier Wochen wird eine gelartige Substanz als Medikamentendepot gespritzt. Das Gel besteht aus winzigen, dünnen Polymerfäden, an denen Proteine befestigt sind. In diesem Gel, das sich im Körper zu einem Klümpchen verwandelt, ist der Wirkstoff eingeschlossen.

Spritze plus Tablette

Wenn die Betroffenen nun das Antibiotikum Novobiocin in Form einer Tablette zu sich nehmen, löst sich eine definierte Menge des Gels, und der Wirkstoff Insulin gelangt in der gewünschten Dosis in den Blutkreislauf. So könnten Diabetiker also eine Tablette schlucken, um das lebensnotwendige Insulin freizusetzen anstatt sich wie bisher eine Spritze zu verabreichen.

Entwicklung ohne Antibiotikum

"Über die Dosis des Antibiotikums kann man genau bestimmen, welche Menge des Medikamentes freigesetzt wird", betonte Wilfried Weber, Gruppenleiter am neuen Department für Biosysteme (D-BSSE) der ETH Zürich in Basel. Obwohl Novobiocin nur wenige Nebenwirkungen hat, lässt sich nicht ganz ausschließen, dass Bakterien dagegen resistent werden. Deshalb wird nun eine zweite Generation des Gels entwickelt, das ohne dieses Antibiotikum auskommt, so Weber.

Prototyp wurde zum Patent angemeldet

Die Polymere, aus denen das Depot besteht, könnten bedenkenloser eingesetzt werden. In einer Zellkultur mit menschlichen Zellen haben die Forschenden das Verfahren bereits erfolgreich mit der induzierten Freisetzung eines Wachstumsfaktor getestet.

Das neuartige Gel ist erst ein Prototyp, doch das Patent ist bereits angemeldet. Weber und seine Kollegen wollen den Prototypen in den nächsten Monaten zum Beispiel in an Diabetes erkrankten Ratten testen. (APA)

 

  • Ein internationales Forschungsteam aus Biotechnologen, Polymerchemikern
und Materialwissenschaftlern der ETH Zürich haben das neuartige Verfahren entwickelt.
    foto: eth zürich

    Ein internationales Forschungsteam aus Biotechnologen, Polymerchemikern und Materialwissenschaftlern der ETH Zürich haben das neuartige Verfahren entwickelt.

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