Woraus wir künftig lesen

14. August 2008, 09:35
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Netbooks wie der Eee PC und Amazons Kindle sind erst der Anfang

Happy Birthday, PC. Etwas verspätet: Am 12. August 1981 ist der IBM 5150 PC auf den Markt gekommen, der die Kategorie des Personal Computers begründete. Es gab vergleichbare Computer davor, wie den Apple II. Aber IBM setzte durch seine Wahl von Bauteilen, die es am Markt gab, und Microsoft DOS, das auch andere Hersteller lizenzieren konnten, den Standard.

Netbook und E-Book

In diesen Monaten zeigen neue Geräte, wie weit der PC in den 27 Jahren seither gekommen ist. Nicht die laufend leistungsfähiger werdenden PCs, die im Kern immer noch dem Urmodell entsprechen. Sondern einerseits billige Mini-Notebooks (der Eee-PC von Asus und seine Nachahmern), in erster Linie zum Internetgebrauch gedacht und darum Netbooks getauft. Das andere ist Amazons elektronisches Buch Kindle, das sich in den USA wachsender Anhängerschaft erfreut und demnächst nach Europa kommt.

Der PC diente sich mit vier Fertigkeiten an: Schreiben, Rechnen, Sortieren und Memorieren - mit Textverarbeitung, Tabellen, Datenbanken und Datenspeicher wurde er universell nützlich.

Kulturdebatte

Kommunikation und mediale Fertigkeiten waren jedoch eher Add-ons; hingegen stehen sie im Zentrum der neuen Gerätekategorien. Und sie lösen, vor allem der Kindle, wieder einmal die Kulturdebatte aus, ob das der Untergang der Gutenbergschen Büchergalaxie ist. Denn der Kindle (auch er ein Kind des PC) tut von Anfang an so, als ob er nur eines wäre: Der elektronische Ersatz des gedruckten Buchs. In dieser Rolle macht er, anfänglichen Unkenrufen zum Trotz, eine erstaunlich gute Figur: Schrift erscheint wie in Druckqualität, und auch bei Sonnenlicht ist der Schwarz-Weiß-Schirm gut lesbar. Leicht ist er, der Strom hält locker durch den Tag oder eine Tag & Nacht-Reise - womit das klassische Gegenargument der Lesbarkeit am Strand entkräftet ist.

Nachschub nur ein Download entfernt

Ja, ich weiß, die berühmte Haptik, das Erlebnis Papier, das Rascheln der Seiten ... da wird in Bücher teils hineingedichtet, was nicht ihre primäre Funktion ist. Die primäre Buchfunktion: uns als Roman in eine dichte Fantasiewelt zu entführen oder als Sachbuch gut zu informieren. Alles andere ist nebensächlich, wenn es nur praktikabel ist, und der leichte, buchgroße Kindle (so wie IBMs 5150 nur ein Startpunkt) ist am Strand und im Bett praktikabler als manche 1000-Seiten-Schwarte, erst recht, wenn man mehrere davon mitführen würde. Obendrein ist geistiger Nachschub immer nur wenige Download-Minuten entfernt.

Erst ein Anfang

Netbooks verweisen auf eine andere Notwendigkeit: dass es zum Nutzen von Online-Inhalten eigentlich noch immer kein wirklich optimales Gerät gibt. Der PC am Schreibtisch, der Laptop am Schoß, das sind alles nur behelfsmäßige, nur in bestimmten Situationen (z. B. Arbeit) taugliche Weisen, im Internet zu lesen und zu schreiben. Aber etwas Leichtes, Billiges, immer Verfügbares wie ein Notizheft, ein Magazin, eine Zeitung als Gefäß für diese unendliche Vielfalt an Inhalten: Das fehlt dem Netz. Die Netbooks weisen darauf hin; so wie der Kindle sind sie ein Anfang. (Helmut Spudich/ DER STANDARD Printausgabe, 14. August 2008)

  • Die primäre Buchfunktion: uns als Roman in eine dichte Fantasiewelt zu entführen oder als Sachbuch gut zu informieren.
    foto: amazon

    Die primäre Buchfunktion: uns als Roman in eine dichte Fantasiewelt zu entführen oder als Sachbuch gut zu informieren.

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