Österreichisches Telefonie-Start-up Jajah und Intel verheiraten PC & Telefon

14. August 2008, 08:11
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Intel Chips mit Telefon­funktionalität erweitert - Remote Wake Funktion : "Selbst Windows Vista wacht in drei Sekunden auf, wenn wer anruft"

Intels nächste Chipgeneration bringt Computern bei, gute Telefonisten zu sein, selbst wenn der PC gerade im Ruhezustand ist. Die Softwaretechnologie dazu wurde von Jajah entwickelt, einem aus Wien nach Kalifornien abgewanderten Start-up für Internet-Telefonie. Der Finanzierungsarm von Intel hatte sich im Mai 2007 an dem Unternehmen beteiligt - bereits unter dem Eindruck der neuen Entwicklung.

"Remote Wake"

Die im September auf den Markt kommende neue Chipgeneration von Intel verfügt über die Möglichkeit, über Internet aus dem Ruhezustand aufgeweckt zu werden, "Remote Wake" in der Sprache der Techniker. Von Jajah entwickelte Software ermöglicht es, diese Funktion für IP-Telefonate (Telefonverbindungen über Internet Protocol, der "Sprache" des Internet) zu verwenden. "Selbst Windows Vista wacht in drei Sekunden auf, wenn wer anruft", erklärt Roman Scharf zum Standard. Scharf hat Jajah zusammen mit Daniel Mattes 2005 gegründet, 2006 ging das Unternehmen mit Geld von Sequoia (die u. a. auch Google mitfinanzierten) nach Kalifornien.

PC mit einer Telefonsteckdose

Mit der neuen Chipgeneration ausgestattet sieht Scharf drei Möglichkeiten, wie PCs (oder Macs, so Apple die Chips verwendet) mit Telefonie verheiratet werden können: In der "Minimalvariante mit einem Softphone", der Darstellung eines Telefons auf dem Display, um damit ohne weitere Hard- oder Software Telefongespräche führen zu können (in Laptops sind Mikros und Lautsprecher eingebaut). Die zweite Möglichkeit sei, dass PCs zusammen mit Headsets oder Telefonhörern verkauft werden. Und schließlich - Scharf: "meine Lieblingsversion" - kann der PC mit einer Telefonsteckdose ausgestattet sein, um daran das schon vorhandene Telefon oder Schnurlosgerät anzustecken.

Ohne Firewall-Troubles

Das eigentliche Geschäft für Jajah, die im Kern ein Internet-Telefonprovider sind, besteht darin, fortan "Jajah Inside" der mit diesen Intelchips ausgestatteten PCs zu sein - "über den Lebenszyklus eines Chipsets 200 Millionen mal", rechnet Scharf vor. Zwar können sich auch andere Provider wie Skype der von Intel und Jajah entwickelten Schnittstelle bedienen, "diese lädt zu Partnerschaften ein". Aber er hofft darauf, dass ein Gutteil der künftig mit dem PC telefonierenden User bei Jajah hängenbleiben; dazu werden Gratisminuten und Flat-Fee-Angebot mit den ab heurigem Herbst auf den Markt kommenden Geräten beigepackt. Telefonieren am PC würde damit sehr einfach - keine Downloads oder zusätzliche Geräte sind mehr nötig. Einer der Vorteile der Integration in den Chip sei auch, dass damit Internet-Telefonie auch bei Firewalls (die sonst solche Verbindungen verhindern könnten) leicht wird.

Geheimprojekt

Die Zusammenarbeit mit Intel habe Anfang 2007 in Las Vegas begonnen, als "wir in österreichischer Manier bei einem Meeting darüber gemotzt haben, dass Intel bei seiner Chipentwicklung nicht von vorneherein an Telefonie denkt", erzählt Scharf. Darauf hin wären sie eingeladen worden, an einem "Geheimprojekt" mitzuarbeiten, woraus schließlich auch die Finanzbeteiligung Intels an Jajah entstanden sei. Jajah hat inzwischen auch eine Reihe anderer Schwergewichter für sich gewonnen, darunter Yahoo und die Deutsche Telekom. Zwei in einem: Neue Intel-Chipsets, die ab Herbst in PCs verbaut werden, machen Telefonie über Internet leichter. (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 14. August 2008)

 

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Jajah

  • Die Jajah-Gründer  - Roman Scharf und Daniel Mattes

    Die Jajah-Gründer  - Roman Scharf und Daniel Mattes

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