Erlesene Ware, gespickt mit Foto-Souvenirs

13. August 2008, 19:39
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Die zweite Salzburg World Fine Art Fair liefert eine inhaltlich überzeugende Performance

Die Mehrheit der Aussteller weiß auch, was es dem internationalen Festspielpublikum schuldig ist.

Salzburg - Ob sich so mancher Kollege, der mit erlesener Qualität an die Salzach gereist ist, gefrotzelt fühlt? Gefrotzelt angesichts des Medienrummels vor Bernheimers Fotowand mit den Villazón- und Netrebko-Konterfeis (Großformate für je 2500 Euro)? Dazu gibt es idyllische, in Sepia gehaltene Postkartenmotive von Fuschl, limitiert auf 50 Exemplare. Kostenpunkt - laut telefonischer Auskunft der Schloss-Hotel-Fuschl-Concierge - 690 Euro, Rahmen inklusive. Zum Vergleich: Die Zimmer kosten dort pro Nacht mehr als das Doppelte.

Nein, wir befinden uns nicht in einem der örtlichen Souvenirläden, sondern auf einer Kunst und Antiquitätenmesse, der Salzburg World Fine Art Fair (SWFAF). Diese sei, laut Messevater Bruce Lamarche, von gleicher Güte wie die Maastrichter Tefaf. Derlei käme auf einer der wohl wichtigsten Kunstmessen der Welt der Jury gar nicht erst unter die Augen. Auch die Macher der Art Basel würden sich pikiert abwenden.

Mit dem herkömmlichen Kunstbegriff mag die Ware für manche nicht allzu viel zu tun haben - eher schon der Akt, diese Werke als solche zu verkaufen. Handelt es sich womöglich um Performance-Kunst? Messewürdig? Allenfalls in der Hotelbranche, aber verglichen mit den üblichen Maßstäben für Kunstmessen kaum. Würde man das in Maastricht zu sehen bekommen? Nein.

Warum dann? Weil man sich und sein Angebot in der Ethikkommission - die SWFAF verfügt nicht über eine klassische Jury - mehr oder weniger selbst beurteilt. Vermutlich auch, weil eine Kollegenkrähe der anderen kein Auge aushacken mag. Kurz, Konrad Bernheimer ist ein Imageträger, und einem solchen ist erlaubt, was ihm gefällt. In diesem Fall wurde der Qualitätsanspruch auf Sommerfrische geschickt. Und das ist umso tragischer, als man die Kirche tatsächlich im Dorf lassen muss. Denn die anderen 21 Aussteller haben ihre Hausaufgaben gemacht, sind im Vergleich dazu wahrhaftige Vorzugsschüler. Das gilt sowohl für die Kenner des hiesigen Marktes als auch für die Debütanten.

Enorme Verbesserungen

Nebenan etwa Maastricht-Stammausstellerin Helga Matzke mit Raritäten aus den Werkstätten der Augsburger Gold- und Silberschmiede, darunter ein prachtvoller Gläserkühler von 1708. Ganz hervorragend die Präsentation Jean-David Cahns. Die Resonanz, versichert der Basler Antikenspezialist, sei unglaublich gut, der Auftakt besser als erwartet, das Publikum überraschend gut informiert. Bislang wechselten hier drei Exponate den Besitzer, in Preiskategorien von bis zu 50.000 Euro. Gegenüber liefert Thomas Salis (Salis & Vertes) eine souveräne und gelungene Vorstellung, diesmal mit Papierarbeiten von Picasso.

Gegenüber dem Vorjahr hätte sich die Messe enorm verbessert, und erste Verkäufe seien fixiert, merkt Alfredo Reyes von Röbbig (München) an. Die Nachfrage nach Meißner Porzellanen, hier vor allem Figürliches von Kaendler, sei derzeit bei der russischen Klientel besonders hoch. Fulminant lief es bei Kovacek Spiegelgasse (Wien), mehr als ein Dutzend Exponate wurden verkauft, frischer Nachschub aus Wien sei bereits auf dem Weg.

Wohl fühlt sich auch Johannes Faber (Wien). Mit seiner Auswahl an Fotoarbeiten der Klassischen Moderne ist er erstmals bei einer solchen Kunstmesse vertreten. Gegenüber den inhaltlich schrillen Großformaten zeitgenössischer Fotografie würden die Besucher auch ganz ohne spezifisches Fachwissen die Feinheiten seines Angebotes würdigen. Sein Highlight hat musealen Status: Edward Steichens Porträt von Richard Strauss, ein Vintage-Gummidruck von 1904. Der einzig bekannte Abzug ist adäquat mit 420.000 Euro veranschlagt. David LaChapelles zusammen mit Hollywood-Bühnenspezialisten entwickelte Arbeit Holy War - in einer Auflage von sieben Exemplaren bei Modern 08 mit 145.000 Euro veranschlagt - gefiel einem griechischen Reeder ebenso wie Fernand Légers Une Fleur et Une Figure von 1950, das er sich bei Wienerroither & Kohlbacher für kolportierte 650.000 Euro holte.

Fazit: ein gelungener Angebotsmix, der eine Stippvisite (noch bis 17. 8.) verdient. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.8.2008)

 

  • Fernand Légers "Une Fleur et Une Figure" (1950) wechselte für 650.000 Euro den Besitzer
    foto: wienerroither & kohlbacher

    Fernand Légers "Une Fleur et Une Figure" (1950) wechselte für 650.000 Euro den Besitzer

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