Politologe Heinrich: "Der Nato-Beitritt Georgiens ist vom Tisch"

13. August 2008, 18:07

Politologe Hans-Georg Heinrich im STANDARD-Interview: Russland will Südossetien gar nicht annektieren

STANDARD: Welche Ziele verfolgte Russland mit seiner Militäraktion?

Heinrich: Russland wollte Georgien eine Lektion erteilen und den Nato-Beitritt Georgiens verhindern. Dieses Ziel hat Russland erreicht. Russland will die beiden abtrünnigen Republiken nicht annektieren, weil sie für Russland nur Sinn haben, solange sie georgisches Territorium sind. Damit hat Russland ein Druckmittel gegen Georgien in der Hand. Eine Einverleibung Georgiens liegt nicht im Interesse Russlands, sehr wohl aber die Schwächung des Landes.

STANDARD: Wie verhältnismäßig waren die russischen Militäraktionen?

Heinrich: Die Militäraktionen waren verhältnismäßig zum Ziel Russlands, gingen aber ganz klar über eine reine humanitäre Intervention hinaus. Man fragt sich, ob es militärisch notwendig war, weiter zu bombardieren, als die Flüchtlinge bereits in Sicherheit waren.

STANDARD: Russland kämpft gegen Separatisten im eigenen Land. Wie verträgt sich das mit der Unterstützung separatistischer Bewegungen in Georgien?

Heinrich: Russland misst hier mit zweierlei Maß, was auch andere Groß- und Kleinmächte tun. Hinter der russischen Militärintervention steht auch die Revanche für die Vorgangsweise des Westens im Kosovo. Das hat eine tiefe Wunde im russischen Bewusstsein hinterlassen, das sieht man im Westen nicht so deutlich. Russland spielt mit Georgien das, was die Nato und die USA mit Serbien gespielt haben.

STANDARD: Welche Auswirkungen sehen Sie für das Verhältnis Russlands zu Europa und den USA?

Heinrich: Der Konflikt ist eine verheerende Niederlage für die US-Diplomatie. Es ist nicht nur ein Albtraum für Georgien, sondern auch für die USA, denn ein Nato-Beitritt Georgiens ist vom Tisch. Europa hält sich zurück, weil es in dieser Region keine Größe ist. (Mascha Dabić/DER STANDARD, Printausgabe, 14.8.2008)

Zur Person

Hans-Georg Heinrich ist Professor im Ruhestand am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien. Er forscht über die ehemalige Sowjetunion und Osteuropa.

 

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Patrick Mayer
24.08.2008 23:00


...wenn Russland Teile Georgiens nicht annektieren will, dann stellt sich die Frage warum noch immer russische Truppen in Georgien stationiert sind...

DieBo
18.08.2008 08:42
So wie es aussieht kommt er jetzt gerade erst recht auf dem Tisch...

zimbo 
14.08.2008 08:47
Gutes Interview!

epep
14.08.2008 01:07
den NATO-beitritt wollten eigentlich eh nur laender ...

... wie polen und die ukraine, aus eigenen machtpolitischen interessen.

nicht einmal bush (wahrscheinlich aufgrund der ablehnenden haltung von US-generaelen), war so dumm diesen beitritt zu forcieren (hat sich nur sehr wage ausgedrueckt, anders als zb bei polens NATO-beitritt).
niemand der auch nur halbwegs bei verstand war, unterstuetzte diesen wahnwitzigen vorschlag polens und der ukraine.

epep
14.08.2008 01:48
wohl gemerkt ist die ukraine noch nicht bei der NATO wuenscht sich aber ebenfalls einen beitritt georgiens. wobei es schon fraglich ist ob die ukraine im jetzigen zustand [sperre fuer russische kriegsschiffe] eine chance hat in die NATO zu kommen, ma

... man kann der NATO viel vorwerfen, aber seltsame kleine laender, die gern mal den ehmaligen mutterstaat anpissen, so dumm ist die NATO wieder auch nicht.

siehe zb ein grosses geheimes manoever der NATO anfang der 80er, wo die sowjets bammel hatten, das das zu einen atomkrieg ausarten koennte und ihrerseits massnahmen fuer einen atomschlag trafen - als das die NATO und da vorallem die USA mit reagan (! man glaubt es kaum) mitbekamen, aenderte sich schlagartig die politk gegenueber russland, die tiefe (noch tiefere als sonst) feindschaft der 70er, anfang 80er wurde beendet - die sowjets bekamen etwas mehr vertrauen und das weitere kennen wir ...

weder die NATO, noch die USA haben interesse an einen globalen (atom)konflikt wegen idioten.

Nestor1979
14.08.2008 11:38
Ja, wie 1956 mit Ungarn. Zuerst die kleinen Völker am Rand Rußlands aufhetzen (Radio Free Europe etc.) ...

.. aber wenn es Ernst wird NATÜRLICH im Stich lassen. Nix da MIT DEM VENTILIERTEN nato-bEITRITT: Man will ja keinen ernsten Konflikt, sondern nur sticheln ...

Das ist typische hinterlistige Großmachtpolitik a la USA :

epep
14.08.2008 18:16
1. hoeren sie auf zu schreien (grossschrift) das ist unhoeflich!

2. es war aber noch immer die sowjetunion die massaker in ungarn veranstalteten - das ollten wir nicht vergessen!

"hinterlistig" ... kommt dieses wort wieder in mode fuer angeblich typisches verhalten von menschen ...

procontra
13.08.2008 21:53
da Georgien ja in die EU will, würde mich interessieren,

ob damit auch ein EU-Beitritt vom Tisch ist?

Urfahraner Auge
14.08.2008 10:58
War der je am Tisch?

Marcus Maccabaeus
14.08.2008 06:26

Die Frage ist, ob wir Georgien in der EU wollen, oder?

zimbo 
14.08.2008 08:48
Das wird, wie immer für uns entschieden.

Wenn die EU Kriege wünscht, wäre es aber ein geeignetes Beitrittsland.

swami_mitarananda
13.08.2008 23:34
Keine Gefahr,

Faymann wird das österreichische Volk abstimmen lassen!

re-publica.blogspot.com
14.08.2008 10:49

vertreten durch onkel/vater oder was auch immer hans d.

Manchester05 
14.08.2008 09:31

Du meinst wohl Strache wird abstimmen lassen !

EineDerLachendenBestien
13.08.2008 21:20
Georgische Niederlage ist Niederlage Europas

Russland spielt um georgische Pipelines die vom Kaukasus unabhängig vom Russland Gas und Öl nach Europa über Schwarzes Meer bringen. Wenn diese in russische Hände fallen (z.B. Marionettenregime), kann Russland Europa viel einfacher mit Hahnzudrehen erpressen.

Nestor1979
13.08.2008 21:19
Mich erinnert das ganze ein bißchen an den Ungarnaufstand 1956.

Wieder sind es die Amis, die mit falschen Hilfeversprechungen die Völker am Rande Rußlands aufwiegeln. Reine Großmachtpolitik und Taktik. Keine Absicht zu echter Hilfe.

Georgien wurde durch Israel und die USA aufgerüstet, die Aufnahme in die NATo wurde halb und halb versprochen, das georgische Regime wurde ermutigt gegenüber dem riesigen Nachbarn Rußland forsch aufzutreten. Jetzt müssen die Georgier den Schwanz einziehen und büßen - wie Ungarn 1956 !!

epep
14.08.2008 01:05
israel hat waffen an georgien geliefert, aber israel hat auch um einiges mehr waffen und auch hochtechn ologie an ...

... russalnd geliefert.

informieren sie sich!

und die miesten NATO-staaten (auch die USA) waren gegen einen beitritt, polen und die ukraine wollten diesen NATO-beitritt!

informieren sie sich!

russland hat in ungarn ein massaker angerichtet, ist daran auch die USA schuld?

informieren sie sich!

Nestor1979
14.08.2008 11:40
Informieren? In den US-gesteuerten Medien? Nicht um die Burg. Selber denken und kombinieren ist die Devise!

werner kohl1
14.08.2008 00:05
womit eigentlich die USA ein unsicherer kantonist sind....

die drehen sich auch im kreis, und nachdem sie einen witzbold und karrikaituren-opfer zum präsidenten haben, vordem der westen buckelt ist das resultat wie oben.

putin hat gezeigt, wozu er im stande ist - ist auch eine neuerliche warnung an die ukraine. das haben die amis aber noch nicht geschnallt!

nur mit der nato will sich putin nicht direkt anlegen - da können sich die baltischen länder,polen und tschechien/slowakei ja auf die schulter klopfen, daß ihnen dieser coup gelungen ist.

während in den usa die präsidenten immer älter werden - es sei denn, obama gewinnt - laufen in rußland youngsters als präsidenten herum. daß die nur umleitungen zu putin sind, ist nebensächlich.

putin fuhrwerkt nach belieben!

Nestor1979
14.08.2008 11:42
Ja, Outin fuhrwerkt. Aber wenn mans genau betrachtet mit zehnmal mehr Hirn als der Dubbleyu in Washington und seine Hintermänner.

.581
14.08.2008 09:14
Da sollte

der verbliebene Zwilling neben Großpolen auch ein größeres Deutschland mitdenken, das vom Willi 2. Nicht, weil ich das so will, sondern weil das die deutsche Variante seiner eigenen Denkungsart ist.
Einen Sieg und den Streit um die Beute würde nämlich die NATO kaum verkraften, wohl aber die Russen eine Niederlage im nächsten vaterländischen Krieg.

Auch das, was Steinmeier gestern von sich gab, liegt auf der polnischen Linie und macht mir, zu Ende gedacht, Angst. Der Mann ist mir ohnehin suspekt.

epep
14.08.2008 01:09
die USA haben niemals einen NATO-beitritt georgiens wollen.

alle US-generaele haben sich dagegen ausgesprochen, nur die laender polen und ukraine wollten diesen beitritt.

informieren sie sich, bevor sie wieder mit schaum vor dem mund gegen die USA schreiben.

Nestor1979
14.08.2008 11:44
Falsch! Die USA und ihre Politiker haben einen Nato-Beitritt diskutiert, ventiliert, in Aussicht gestellt, nicht für unmöglich gehalten usw.

... also die Georgier in falsche Hoffnungen versetzt. Wie 1956 die Ungarn!

Alter Knacker
13.08.2008 22:26

man kann sich nur auf den Kopf greifen, wenn man denkt, wie es auf der Welt zuginge, wenn die USA gar nicht da wäre.

Nestor1979
14.08.2008 11:45
Vielleicht ginge vieles besser und friedlicher ?

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