LKH Klagenfurt: Die Spaltung im Haus ist spürbar

13. August 2008, 17:54
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Der Streit um das Management könnte den zügigen LKH-Neubau gefährden und zusätzlich bis zu eine Million Euro monatlich mehr kosten

Der Kärntner Patientenanwalt Erwin Kalbhenn befürchtet durch die Turbulenzen im LKH Klagenfurt Auswirkungen auf die Motivation der Mitarbeiter und auf die Patienten. Mit ihm sprach Elisabeth Steiner


Standard: Die umstrittenen Abberufungen in der Führungsetage des Landeskrankenhauses Klagenfurt lassen die Wogen hochgehen. Beweise für deren Fehlverhalten blieb man bis heute schuldig. Werden dadurch Patienten verunsichert?
Erwin Kalbhenn: Natürlich sind mittelfristig Auswirkungen zu befürchten, wenn so etwas passiert. Das betrifft aber sicher nicht die Qualität der medizinischen Versorgung, aber es hat Auswirkungen auf die innerbetriebliche Atmosphäre und damit auf die Motivation der Mitarbeiter. Das könnten dann auch Patienten unmittelbar am Krankenbett spüren.

Standard: Der LKH-Betriebsrat meint, es gäbe nur einen Konflikt zwischen dem neuen Vorstand der Kärntner Landesspitäler Dieter Mandl und den abgesetzten Direktoren, den nur die Medien anheizen würden.
Kalbhenn: Die Rolle des Betriebsrats ist undurchsichtig. Man agiert nach der Devise „haltet den Dieb", während man selber die Direktoren abschießen will. Vor allem den medizinischen Direktor. Das ist aber sehr kurzsichtig, denn auch der nächste hat die gleichen Vorgaben und Richtlinien und das gleiche Budget, mit dem er arbeiten muss. Dieses wird ja von der Politik vorgegeben, die es auch gedeckelt hat.

Standard: Wie würden Sie die derzeitige Situation im LKH Klagenfurt beurteilen?
Kalbhenn: Eine Spaltung im Haus ist deutlich spürbar.

Standard: Wie reagieren die Patienten auf diese Vorgänge im wichtigsten Kärntner Spital?
Kalbhenn: Direktoren-Abberufungen gibt es immer wieder. Das ist nichts Außergewöhnliches. Doch dass fast die ganze Führungsetage geköpft wird, das hat es bisher noch nirgends gegeben. Immer mehr Leute fragen jetzt, was da los ist oder was dahintersteckt. Konkrete Beschwerden gibt es aber bis jetzt noch nicht.

Standard: Sie waren früher selbst medizinischer Direktor im LKH-Klagenfurt. Der derzeitige interimistische ist Herzchirurg und Vorstand der Herzchirurgie. Jetzt muss er zusätzlich Management-Aufgaben inklusive LKH-Neubau bewältigen.
Kalbhenn: Er ist ein hervorragender Operateur und Vorstand. Das allein ist ein Fulltime-Job. Sein Direktor-Stellvertreter-Job ist ja nur für die Urlaubsvertretung konzipiert. Da sehe ich auf Dauer eine Überforderung für beide Positionen. Man muss davon ausgehen, dass es noch lange dauern wird, bis der abberufene medizinische Direktor auf seinen Posten zurückkehrt oder nachbesetzt wird.

Standard: Sie wurden selbst zurechtgewiesen, weil sie Auswirkungen des Streits nicht ausschließen.
Kalbhenn: Da haben sich Ärzte angegriffen gefühlt. So war das nicht gemeint. Ich möchte kein Lehrmeister sein, sondern ein verständnisvoller Anwalt meiner Patienten. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD Printausgabe 14.8.2008)

 

 

Zur Person:Erwin Kalbhenn (60) war von 1993 bis 1998 medizinischer Direktor am LKH Klagenfurt. Heute ist er Kärntner Patientenanwalt und Vizechef der bundesweiten Patientenanwaltschaft.

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