Intel lässt sich von Konjunkturflaute nicht bremsen

13. August 2008, 15:50
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Der US-Chipgigant Intel sieht sich mit seinem neuen Mini-Chip "Atom" gut gerüstet für eine Konjunkturdelle

San Francisco- Der US-Chipgigant Intel sieht sich mit seinem neuen Mini-Chip "Atom" gut gerüstet für eine Konjunkturdelle. "Atom legt einen sehr, sehr schnellen Marktstart hin, der unsere Erwartungen zu Jahresbeginn weit übertrifft", sagte Konzern-Finanzchef Stacy Smith in einem am Dienstagabend veröffentlichten Reuters-Interview. "Es ist das perfekte Produkt für einen Markt in der Rezession."

Der Atom-Prozessor ist speziell für kleine Laptops - sogenannte Netbooks - und die Unterhaltungselektronik entwickelt worden. "Er funktioniert sehr gut für mobile Geräte und für Schwellenmärkte", sagte Smith. "Er erfüllt die Wünsche von Kunden, die einen zweiten, günstigen Computer etwa für die Kinder haben möchten." Unklar sei aber noch, wie groß der Markt für den Mini-Prozessor tatsächlich einmal sein werde.

Absatzfelder gesucht

Angesichts einer sich abzeichnenden Wirtschaftsflaute rechnet Intel mit einem verlangsamten Wachstum in seinem PC-Chipgeschäft und sucht weitere neue Absatzfelder. "In sechs Monaten werden wir wissen, wie stark die Nachfrage tatsächlich ist." Befürchtungen, der Atom-Chip könne andere, renditeträchtigere Prozessoren in Computern schlicht ersetzen, trat der Finanzchef entgegen. "Es sieht so aus, als würde der Markt dadurch wachsen und nicht den bestehenden PC-Umsatz kannibalisieren." Sollte der Absatz der in Laptops verwendeten Celeron-Chips etwas leiden, nehme er das in Kauf.

Smith bekräftigte, sein Unternehmen werde im laufenden Quartal zehn bis 10,6 Mrd. Dollar (7,1 Mrd. Euro) umsetzen. "Natürlich fühle ich mich damit noch wohl. Das ist nach wie vor unsere Prognose." Bisher spüre Intel noch kaum etwas von einer Abkühlung der Weltwirtschaft. "Es ist ein sehr unsicheres makroökonomisches Umfeld", sagte er. "Das gilt sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für Europa. Vor diesem Hintergrund liefen unsere Geschäfte in den vergangenen neun Monaten aber ziemlich normal."

Bisher hat sich der Branchenprimus gegen den Abschwung in der Chipindustrie gestemmt und dem kleineren Rivalen AMD weitere Marktanteile abgerungen. Selbst eine Krise der Weltwirtschaft werde Intel meistern, da der Trend zu mobilen Geräten anhalte, zeigte sich Smith überzeugt. "Auch während des Abschwungs werden die Investitionen in IT weiter gehen."

Überschüssige Barmittel werden weiter gereicht

Smith stellte in Aussicht, Intel werde seine Aktionäre auch weiterhin mit hohen Dividenden und Aktienrückkäufen verwöhnen. Das Unternehmen reiche überschüssige Barmittel weiterhin über diese Wege an seine Eigentümer weiter, sagte er.

Wenn die Rendite der Atom-Chips auch nicht an die der größeren Core- oder Xeon-Prozessoren heranreiche, sei sie jedoch noch immer "gesund", da Intel aus einer Silizium-Scheibe (Wafer) 2.500 Atom-Chips herausbekomme. Zudem hätten auch die Hersteller von Industrieelektronik den kleinen Rechenkern für sich entdeckt und setzten ihn in Steuerungscomputer ein. Die bayerische Kontron, einer der größten Hersteller sogenannter Embedded Computer, hat bereits angekündigt, Atom in seine Geräte zügig zu integrieren. "Dieser Chip entspricht viel besser ihren Zwecken als die bisherigen", sagte Smith mit Blick auf solche Kunden. Wegen der längeren Entwicklungszyklen in dieser Branche sei aber voraussichtlich erst in zweiten Jahreshälfte 2009 mit Nachfrageimpulsen aus diesem Sektor zu rechnen. (APA/Reuters)

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    Angesichts einer sich abzeichnenden Wirtschaftsflaute rechnet Intel mit einem verlangsamten Wachstum in seinem PC-Chipgeschäft und sucht weitere neue Absatzfelder.

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