Warschau überholt Wien bei Marktkapitalisierung

13. August 2008, 15:44
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Die in Warschau gelisteten Unternehmen waren im Juli insgesamt 126 Milliarden Euro wert, rund 9 Miliarden Euro mehr als Wien vorweisen konnte

Warschau/Wien - Die Warschauer Börse (GPW) hat im Juli ihren aus polnischer Sicht größten Rivalen in der Region Mittel-Osteuropa, die Börse Wien, erstmals bei der Kapitalisierung der notierten Unternehmen überholt. Der Börsenwert der in Warschau gelisteten Firmen betrug nach Angaben der Börsen-Organisation FESE (Federation of European Securities Exchanges) 126 Mrd. Euro, um rund 9 Mrd. Euro mehr als Wien vorweisen konnte, freuen sich Wirtschafts- und Finanzexperten in Polen.

Grund für diese Entwicklung waren eine leichte Erholung der Warschauer Börse im Juli und der starke polnische Zloty, der innerhalb der letzten zwölf Monate um über 15 Prozent gegenüber dem Euro zulegte. Polnische Experten glauben, dass der Trend anhalten wird: "In zwei Jahren wird der Vergleich mit Wien für Warschau noch günstiger ausfallen", sagte Marek Juras, Analyst beim Maklerhaus der Bank BZ WBK, der Zeitung "Rzeczpospolita" (Mittwoch-Ausgabe).

Dynamische Entwicklung

Juras begründet dies damit, dass sich die Wirtschaft in Polen mit am dynamischsten unter der Ländern der Europäischen Union entwickle. Dies bedeute, dass die polnischen Gesellschaften höhere Gewinne abwerfen als zum Beispiel Gesellschaften in Österreich.

Jacek Socha, Ex-Schatzminister und Vize-Vorsitzender von PricewaterhouseCoopers in Polen, sieht den Erfolg der GPW auch als "Zeichen, dass die Polen die Börse als Ort für die Investition ihrer Ersparnisse" betrachten. In einer Stellungnahme empfiehlt er der Leitung der Börse und der Regierung, sich um eine Beteiligung der GPW an der Börse in Prag zu bemühen. Dies sei die "letzte Chance, einen lokalen Konkurrenten zu übernehmen", heißt es in der Erklärung. An der Börse Prag ist auch die Wiener Börse interessiert.

Michal Marczak, Analyst bei der BRE-Bank, rät der Warschauer Börse, sich nun offensiv als führende Börse in der Region zu präsentieren. Den Schlüssel für die weitere Entwicklung sieht auch er in der Beteiligung an anderen Börsen in Mittelosteuropa. Kämpferisch äußerte sich auch Rafal Antczak, ehemaliger Chef-Ökonom des Versicherungskonzerns PZU. In der Region gebe es "keinen Platz für zwei große Börsen", sagte er der "Rzeczpospolita". (APA)

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