Berufungsverhandlung gegen früheren Libro-Chef

13. August 2008, 12:57
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Am 15. September entscheidet sich, ob der Ex-Libro-Generaldirektor Andre Rettberg ins Gefängnis muss

Wien - Am 15. September entscheidet sich, ob der ehemalige Libro-Generaldirektor Andre Rettberg ins Gefängnis muss. An diesem Tag wird sich ein Berufungssenat des Wiener Oberlandesgerichts (OLG) mit der Strafberufung des 50-Jährigen auseinandersetzen. Sollte die erste Instanz bestätigt werden, hat Rettberg eine achtmonatige Haftstrafe anzutreten.

Rettberg, der als Sanierer der Buch- und Papierwarenkette geholt worden war und diese in Folge zu ehrgeiziger Expansionspläne im Jahr 2002 in den Konkurs führte, war 2006 im Landesgericht Wiener Neustadt wegen Verschleierung seines privaten Vermögens der betrügerischen Krida für schuldig befunden worden. Das Gericht verhängte drei Jahre Haft, davon acht Monate unbedingt.

Der Schuldspruch ist mittlerweile vom Obersten Gerichtshof (OGH) bestätigt worden und damit rechtskräftig. Offen ist noch die Strafhöhe - die Entscheidung darüber hat der OGH dem OLG übertragen.

Ob Rettberg im Zusammenhang mit der Libro-Pleite vor Gericht gestellt wird, ist weiter unklar. "Das Verfahren befindet sich nach wie vor im Ermittlungsstadium", teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, Erich Habitzl, am Mittwoch mit.

Erhebungen 2006 abgeschlossen

Das Landeskriminalamt Niederösterreich hatte im September 2006 die langjährigen Erhebungen zum Libro-Desaster abgeschlossen und eine Vollanzeige eingebracht: Zwölf Aufsichtsräte um den ehemaligen Aufsichtsratspräsidenten der Libro AG, Kurt Stiassny, die ehemaligen Vorstände Andre Rettberg und Johann Knöbl sowie vier Wirtschaftsprüfer wurden darin der betrügerischen Krida, der Untreue und Bilanzfälschung bezichtigt.

Zentraler Vorwurf : Der angeblich "geschönte" Jahresabschluss vom 28. Februar 1999. Dieser soll u.a. falsche Datumsangaben enthalten, Verträge unrichtig dargestellt und Ergebnisse von Tochterfirmen einbezogen haben, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht geprüft waren bzw. gar nicht mehr zum Libro-Konzern gehörten.

Im Hinblick auf die lange Verfahrensdauer haben einige Verdächtige von ihrem seit der jüngsten StPO-Novelle möglichen Recht Gebrauch gemacht, die Einstellung ihres Verfahrens wegen zu langer Verfahrensdauer zu beantragen. Die schier unendlich lange Wartezeit, ob Anklage erhoben wird oder nicht, und die damit verbundene Beeinträchtigung ihrer Lebensführung sei ihnen nicht länger zumutbar, urgieren die Betroffenen.

Einer dieser Anträge wurde vom Landesgericht Wiener Neustadt abgewiesen, über zwei weitere soll demnächst entschieden werden. Entgegen ursprünglicher Meldungen befindet sich Rettberg nicht unter den Beschwerdeführern.

In welchem Stadium sich die staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen befinden und wann die Entscheidung über eine mögliche Anklageerhebung fallen wird, wollte der Behördensprecher nicht bekanntgeben. Der zuständige Sachbearbeiter sei derzeit im Urlaub, meinte Habitzl. (APA)

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    Andre Rettberg bei der Verhandlung im Landesgericht Wiener Neustadt im Jahr 2006. Am 15. September 2008 entscheidet sich, ob er ins Gefängnis muss.

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