Den PC von der Giftmüllhalde holen

12. August 2008, 20:59
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Umweltschonende Erzeugung, geringer Stromverbrauch und Recycling sollen selbstverständlich werden

Experten schätzen, dass ein privat genutzter PC in seinem Leben mindestens 16 Tonnen an Rohstoffen verbraucht. Das sind fast zwei Drittel des Verbrauchs eines Mittelklasse-Pkws ohne Elektronik. Der mit Abstand größte Ressourcenverbrauch geht dabei in die Herstellung des Computers, erst dann kommt der Strom für den Betrieb.

In Ressourcen ausgedrückt, braucht man für die Herstellung eines PCs rund 240 Kilogramm fossile Brennstoffe, 220 Kilogramm Chemikalien und 1500 Liter Wasser. Das hat die UN-Studie "Computers and the Environment" ergeben. Letztendlich enthält der PC weniger als 0,1 Prozent der Rohstoffe, die für seine Herstellung eingesetzt oder verbraucht wurden.

Die Effizienz in der Fertigung hat zwar in den vergangenen Jahren zugenommen, was weniger Umweltbelastung pro PC bedeutet. Sie wird aber durch die gestiegenen Stückzahlen wieder zunichte gemacht. Zu Beginn der 1990er-Jahre wurden rund 20 Millionen Computer weltweit hergestellt. Heute sind es mehr als 150 Millionen.

Die Umweltbelastungen wären auch geringer, wenn die Nutzungsdauer stimmen würde. Sie liegt, bedingt durch den schnellen technischen Fortschritt, bei maximal vier bis fünf Jahren - Tendenz fallend -, obwohl ein PC eine technische Lebensdauer von rund zehn Jahren hat. Durch eine lange Nutzung des Gerätes und gegebenenfalls technisches Nachrüsten lassen sich die Umweltbelastungen durch die Computerherstellung reduzieren. Die meisten Rechner werden jedoch nach drei bis vier Jahren entsorgt. Die Hersteller steuern jetzt gegen. Und lassen sich auch extern beraten.

"Der Trend geht in Richtung ökologischer PC und Laptop", so Andreas Schiffleitner, Leiter der Forschung und Entwicklung für nachhaltige Produktgestaltung beim Kompetenzzentrum Elektronik und Umwelt (KERP) in Wien. Schiffleitner konnte bereits mit der Entwicklung der Öko-Maus und bei Forschungsarbeiten zum umweltfreundlichen PC gemeinsam mit der irischen University of Limerick reichlich Erfahrung zu diesem Thema sammeln.

Energieeffizientere Geräte

"Am meisten Einsparungspotenzial sehe ich in der Verwendung von kleinen Gehäusen. Da ist der Trend zu Notebooks zu begrüßen", sagt Schiffleitner. Danach kämen in diesem Zusammenhang Netzteile mit hohem Wirkungsgrad: "Ein Wirkungsgrad von 90 Prozent verringert den Stromverbrauch drastisch." Heutige Modelle ließen rund 30 Prozent der verbrauchten Energie "verpuffen".

Dahinter folgen Prozessor (CPU) und Festplatte. Auch hier kommt der Trend zu mobilen Geräten der Umwelt zugute. Um die Akku-Laufzeit von Rechnern zu verlängern, werden immer stromsparendere Prozessoren und neue Festplatten entwickelt, die durch die Kombination aus traditioneller Festplatte und Flash-Speicher weniger Energie verbrauchen.

Aber auch bei den verwendeten Materialien gibt es Verbesserungspotenzial: "Grundsätzlich gilt: je weniger, desto besser. Im Bereich des PC-Rahmens ist etwa Stahl ökologischer als Aluminium."

Dem PC-Recycling kommt schließlich auch eine wichtige Rolle zu. Ziel: möglichst viele der eingesetzten Materialien (Kunststoffe, Metalle) verwerten und Komponenten (Festplatten, Speicherbausteine) wiederverwenden.

Neben dem Imagegewinn ist das Recycling-Geschäft für die PC-Hersteller, laut eigenen Angaben, zudem noch lukrativ: So sammelte Hewlett-Packard (HP) in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) von Mitte 2004 bis Mitte 2007 über 90 Millionen Kilogramm Hardware ein.

HP begann bereits vor 20 Jahren mit dem Recyceln von Altgeräten. Eine der ersten europäischen Wiederaufbereitungsstellen lag in Grenoble (Frankreich) und arbeitete bereits nach kurzer Anlaufphase kostendeckend. Zudem fließen die Erkenntnisse aus dem Recycling-Prozess in das Design neuer Produkte ein, beispielsweise um Gehäuse schnell und möglichst ohne Werkzeug öffnen zu können.

Allen Initiativen zum Trotz hat sich aber beim Problem "Mülltourismus" wenig geändert: Der meiste Schrott landet in Afrika und Asien. Dort sind Menschen unter übelsten Arbeitsbedingungen damit beschäftigt, Rohstoffe aus Altgeräten zu gewinnen. Dabei gelangen hochgiftige Stoffe wie Dioxine oder Cadmium in die Umwelt und in die Körper der Verwerter, der Rest landet auf Deponien. Hier sind Initiativen der Hersteller gefragt. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2008)

  • Die "Öko-Maus" als erster Schritt zur "grünen" Hardware.
    foto: kerp

    Die "Öko-Maus" als erster Schritt zur "grünen" Hardware.

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