Morgenröte für die Forschung in den USA

12. August 2008, 20:04
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Unter US-Forschern herrscht vorsichtiger Optimismus, was die nächste Regierung betrifft, denn schlimmer könne es nicht werden

"Egal, wer gewählt wird, das Klima für Wissenschaft wird sich verbessern", sagt Al Teich. Nach acht Jahren Bush zieht der Leiter der Abteilung für Wissenschaftspolitik der American Association for the Advancement of Science (AAAS) eine niederschmetternde Bilanz.

Der scheidende US-Präsident stritt die Ausmaße des Klimawandels ab, unterband per Veto, dass Forschung an embryonalen Stammzellen mit Bundesgeldern gefördert wird, und redete der "Intelligent Design"-Lehre an den Schulen das Wort. Während seiner ersten Amtszeit gingen wenigstens die Forschungsbudgets ordentlich in die Höhe, in der zweiten Amtszeit nicht einmal das, klagt Teich.

Verschärfte Sicherheitsbestimmungen nach den Anschlägen des 11. September hielten viele davon ab, in den USA zu forschen oder zu studieren. Wissenschaftliche Berichte der Regierung wurden unter Bush zensiert und frisiert, wichtige Posten in Umweltbehörden mit Lobbyisten der Energiebranche besetzt. Als obersten Wissenschaftsberater und Chef des Büros für Wissenschaft und Technologie holte Bush zwar mit dem Physiker John Marburger einen Demokraten ins Weiße Haus - doch Marburgers Einfluss ist gering und hat sich Teich zufolge darauf beschränkt, Schlimmeres zu verhindern.

Abgesehen von den Agrar- und Ingenieurfächern neigen die Wissenschafter in den USA traditionell mehrheitlich zu den Demokraten, und in den letzten Jahren dürfte sich das eher verstärkt haben. Trotzdem braucht sich der republikanische Präsidentschaftsanwärter John McCain im Buhlen um die Stimmen der Forscher nicht verstecken, gilt er doch im Gegensatz zu Bush als Freund der Wissenschaft. Das hat er insbesondere im Senatsausschuss für Handel, Wissenschaft und Transport oft unter Beweis gestellt. Allerdings sticht bis heute in seinem Team kein Experte für Wissenschaft heraus.

Mittelmaß an Schulen

Clintons Wissenschaftsteam arbeitet nun laut Teich nahezu vollständig für Obama. Ein wichtiger Gesprächspartner ist auch Harold Varmus. Der 1989 mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnete Virologe und frühere Direktor der National Institutes of Health wird im Falle von Obamas Sieg als nächster wissenschaftlicher Berater im Weißen Haus gehandelt.

Wie dafür gesorgt werden kann, dass sich unter den Experten, die der neue Präsident beruft, gute und unabhängige Wissenschafter befinden, ist in den Forschungsorganisationen in Washington derzeit ein wichtiges Thema. Gerne sähe man die Amtsanwärter selbst in einer Debatte über Wissenschaftsfragen. Die Plattform "Science Debate 2008" hat dafür tausende Beiträge auf eine Liste von 14 Fragen heruntergebrochen. Doch ein Termin im April in Philadelphia wurde von allen Kandidaten abgesagt.

Echte Kontroversen versprechen auch die TV-Debatten nicht. McCain wie Obama schlagen zur Eindämmung und Anpassung an den Klimawandel umfangreiche Maßnahmen vor. Beide möchten die Forschung an embryonalen Stammzellen fördern. Beide stellen der Grundlagenforschung mehr Geld in Aussicht.

Als wichtigstes Thema sieht Al Teich die Konkurrenzfähigkeit. In Mathematik und Naturwissenschaften sind die US-Schulen unteres Mittelmaß. Ohne einen stetigen Zustrom ausländischer Talente könnten viele Labore zusperren. Zugleich explodieren in China und Indien die Absolventenzahlen. "Die Trends gehen in die falsche Richtung. Wenn es so weitergeht, drohen wir unsere Führungsposition in der Technologie zu verlieren", wirbt Al Teich um größere Töpfe. "Früher war die Sowjetunion sehr hilfreich, Gelder für Wissenschaft und Technologie zu bekommen. Nun ist China Teil der Strategie." (DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2008)

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    Mit Gott auf seiner Seite: Bush hatte viel für Gebetsfrühstücke, intelligentes Design und Zensur von Forschungsergebnissen übrig, aber wenig für unabhängige Wissenschaft.

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