Schwere Unruhen im indischen Teil Kaschmirs

13. August 2008, 17:28
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20 Tote - Demonstranten fordern Unabhängigkeit

Srinagar - Drei Stunden Zeit bekamen die Menschen am Mittwoch in Kaschmir offiziell, um außer Haus zu gehen und sich mit Lebensmitteln einzudecken. Es war eine kurze Unterbrechung der generellen Ausgangssperre, die in dem indisch kontrollierten Teil der Unruheprovinz verhängt worden war. Doch die meisten beachteten die Ausgangssperre ohnehin nicht: Eine wütende Menschenmenge zog erneut durch die Stadt Srinagar und setzte Gebäude in Brand und griff Polizeistationen an. Die Polizei ging mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor.

Im indischen Teil Kaschmirs fanden in den vergangenen Tagen die schwersten Zusammenstöße seit 1989 statt, 20 Menschen starben dabei. Allein am Dienstag gab es elf Tote, als indische Sicherheitskräfte in einen Demonstrationszug feuerten.

Die Proteste hatten sich verschärft, nachdem am Montag einer der Anführer von Hurriyat, der wichtigsten separatistischen Bewegung in Kaschmir, von der Polizei erschossen worden war. Der Separatistenchef hatte einen Marsch zur pakistanischen Grenze geführt, wo die Demonstranten Waren hätten verkaufen sollen. Militär und Polizei stoppten den Protestzug mit Waffengewalt.

Nach dem Zwischenfall hatten die Behörden erstmals seit 13 Jahren wieder eine Ausgangssperre über weite Teile Kaschmirs verhängt. Rund zehn Millionen Menschen leben im indischen Teil der Provinz, die Mehrzahl sind Muslime.

Separatistische Gruppen kämpfen für eine Unabhängigkeit der Region. Die Atommächte Pakistan und Indien führten bereits drei Kriege gegeneinander, zwei davon um Kaschmir; auch deshalb gilt der Konflikt als so brisant.

Der neuen Unruhen war wegen einer geplanten Landvergabe an einen Hindu-Tempel ausgebrochen. Nach Protesten der muslimischen Bevölkerung stoppte die Regierung in Kaschmir den Landtransfer. Daraufhin blockierten aufgebrachte Hindus die Autobahn zwischen Kaschmir und dem indischen Kernland. Die muslimischen Vertreter sprachen von einem Totalboykott der Region und riefen daraufhin ihrerseits zu Demonstrationen auf. (Reuters, red/DER STANDARD, Printausgabe, 14.8.2008)

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