Effekt des Fremdkörpers

12. August 2008, 17:49
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Beat Furrers "Fama" bei den Salzburger Festspielen

Salzburg - Vor drei Jahren beauftragten die Donaueschinger Musiktage Beat Furrer mit einem Werk, das akustisches Neuland beschreiten sollte: "Fama". Ein Konzertsaal mit beweglichen Lamellen ermöglichte ungewohnte Klänge, da sich die Musiker vorwiegend außerhalb des Raums bewegten.

Furrer nannte sein Projekt Fama, angelehnt an die Ovid'sche Figur der Gerüchtegöttin; jetzt hat es ein neues Zuhause gefunden, die Kollegienkirche. Dort sitzen zu Beginn alle Musiker beisammen, mehr und mehr lichten sich jedoch die Reihen, bis zum Schluss Dirigent Furrer vor leeren Stühlen die Einsätze gibt - per Video bleibt man verbunden. Auch in Salzburg gibt es durch das Klangforum Wien frappierende Effekte, wunderbaren Gesang, atmende Streicherfiguren, knackiges Blech und bedrohliche Chorkantilenen (ausgezeichnet das Ensemble Nova).

Es handelt sich diesmal aber schlicht um ein ordentliches Orchesterstück mit Chorpart, das mittels Raumklangeffekten große Wirkung erzielt. Mit Schnitzlers Fräulein Else hat es nur am Rande zu tun. Leider gibt es jedoch Isabelle Menke, die den Sprechpart performt. Sie klangplappert sich durch einen (akustisch) schwer verständlichen Wortwust, ab und an darf sie traurig und böse gucken. Else hat aber auch ein ernstes psychisches Problem: Weil der Papa bankrott ist, soll sie sich vor einem reichen Mann ausziehen, der was springen lässt.

Ob dieser Vorstellung wird sie verrückt, zieht sich gleich vor allen aus und nimmt Schlaftabletten. So weit, so Schnitzler. Die Idee, Elses Wahnvorstellungen und ihr schwindelnd-schwindendes Bewusstsein hörbar, ja erfahrbar zu machen, verpuffte bereits bei der Uraufführung. Und auch jetzt wirkt das Künstlich-Erregte leider oft wie ein Fremdkörper, der die Musik vehement stört. (Jörn Florian Fuchs, DER STANDARD/Printausgabe, 13.08.2008)

 

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